Mittwoch, 17. Oktober 2018
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Archiv 2006

geniest/genossen

Auch wenn das Niesen eine entspannende Wirkung haben kann, gibt es nur wenige Menschen, die niesen genießen. Dafür gibt es umso mehr Menschen, die die Perfektformen der Wörter niesen und genießen verwechseln. Niesen ist ein regelmäßiges Verb und wird – genau wie die dazugehörige Nase – mit weichem „s“ geschrieben: Ich niese, ich nieste, ich habe geniest.

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Generale/Generäle

Der General kennt sowohl eine umgelautete als auch eine nicht umgelautete Pluralform. Man kann also sowohl Generale als auch Generäle sagen. Beide Formen sind gleichberechtigt. Verlage und Redaktionen legen sich üblicherweise in ihren jeweiligen Hausregeln auf eine Form fest, die dann für alle Mitarbeiter verbindlich ist. Der „Spiegel“ zum Beispiel bevorzugt die Form „Generäle“.

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Geisel/Geißel

So ähnlich sich diese beiden Wörter auch sind, so unterschiedlich sind ihre Bedeutungen. Die Geisel mit weichem „s“ geht zurück auf das mittelhochdeutsche Wort „gisel“, welches wiederum seinen Ursprung im Keltischen hat, und bedeutete ursprünglich „Leibbürge“. Es hatte also zunächst nichts mit Erpressung, Bankraub oder Flugzeugentführung zu tun, das kam erst später. Im antiken Griechenland war es durchaus üblich, die Söhne einer Stadt als Friedenspfand zu tauschen; eine Geisel sein zu dürfen, war demnach eine Ehre. Das Ehrenvolle spiegelt sich auch in den Namen Giselher, Giselbert und Gisela wider.

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Galerie/Gallery

Wer in Deutschland eine „Gallery“ eröffnet, der spekuliert möglicherweise gezielt auf Kundschaft aus dem Ausland. Vielleicht aber hatte er auch einfach nur kein Wörterbuch zur Hand, um sich der deutschen Schreibweise des Wortes zu vergewissern. Die kommt unterm Strich zwar auf die gleiche Buchstabenzahl, sieht jedoch eine andere Verteilung vor: nur ein „l“, dafür „ie“ statt „y“: „Galerie“. Entsprechend lautet die Berufsbezeichnung des Kunsthändlers „Galerist“, nicht Gallerist.

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Euro/Euros

Einmal um die ganze Welt, und die Taschen voller Geld. Voller Euro natürlich. Oder voller Euros? Was ist richtig? Mit dem Euro verhält es sich genau wie mit dem Dollar. Wo man von „Dollars“ sprechen kann, da kann man auch von „Euros“ sprechen. Dies gilt vor allem dann, wenn damit die Scheine und Münzen gemeint sind, also die Währung zum Anfassen: „Bald zahlt man in ganz Europa mit Euros“, „Ich sammle Euros und Briefmarken“, „Er schwamm geradezu in Euros“. Der Italowestern mit Clint Eastwood hieß zwar „Für eine Handvoll Dollar“, aber er hätte durchaus auch „Für eine Handvoll Dollars“ heißen können. Wenn das Wort „Euro“ hinter einer Zahl steht, somit also ein bestimmter Geldbetrag gemeint ist, erhält es in der Regel kein Plural-s: zwei Euro, 4,50 Euro (gesprochen: vier Euro fünfzig), zehn Euro, 99 Euro, eine Million Euro. Mit dem Dollar und dem Cent wird genauso verfahren – als Geldbetrag sind beide unveränderlich. Auch für den österreichischen Schilling galt dies: Man zahlte mit Schillingen, aber etwas kostete tausend Schilling.

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einmal mehr/wieder einmal

Der häufig verwendete Ausdruck „einmal mehr“ ist ein Anglizismus, der auf einem Übersetzungsfehler beruht. „Mehr“ ist ein unzählbares Mengenwort („mehr Wasser“, „mehr Geld“), man kann es nicht mit der Zahl eins malnehmen.

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Netz/Netzwerk

Ein Netz ist ein Netz ist ein Netz. So ein Ding mit Knoten und Maschen eben, wie es die Fischer zum Fischen verwenden, wie es Artisten unterm Drahtseil aufspannen und wie es die Spinnen weben. Im übertragenen Sinne kann ein Netz noch sehr viel mehr bedeuten, zum Beispiel ein System aus sozialen Kontakten. Geheimdienste haben ein Netz von Informanten, und Osama Bin Laden hat ein Netz von Terroristen, die Qaida, das gefürchtetste Terrornetz der Welt.

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durch/von

Die Präposition „durch“ hat verschiedene Bedeutungen: eine räumliche („durch die Wüste“), eine zeitliche („durch den Winter“) und eine mediale. Als mediale Präposition zeigt „durch“ an, dass etwas mithilfe von etwas oder jemandem geschieht: Statt „per Kurier“ kann man ein Paket auch „durch Boten“ zustellen lassen, und ein Kranker kann ebenso gut „mittels neuer Medikamente“ wie auch „durch neue Medikamente“ geheilt werden.

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Model/Modell

Wenn ein Wort in zwei verschiedenen Schreibweisen existiert, dann denken die meisten Menschen, dass es einen Bedeutungsunterschied geben müsse. So wird heute gerne angenommen, dass „Model“ mit einem „l“ das Wort für Mannequin sei und „Modell“ mit Doppel-l etwas künstlich Geschaffenes. Ein Trugschluss. Claudia Schiffer ist ebenso ein Fotomodel wie ein Fotomodell. Das Wort Modell ist lediglich älter, die englische Variante (gesprochen: moddl) kam – wie so oft – später dazu, um unsere Sprache an einer Stelle zu bereichern, die schon reich ge- nug war. Das schöne französische Wort „Mannequin“ ist zugunsten des kaugummizerkauten „Model“ aus der Mode geraten. Dass auch das deutsche „Modell“ vom englischen „Model“ verdrängt wurde, lässt sich aber nicht allein mit der allgemeinen Beliebtheit englischer Wörter begründen. In den Siebzigerjahren geriet der Begriff „Modell“ zuneh- mend in Verruf, da sich immer häufiger Callgirls als „Modelle“ ausgaben. Da mochten die Mannequins sich nicht mehr Modelle nennen – was den Siegeszug des englischen Wortes begünstigte.

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bergen/retten

Die Wörter „bergen“ und „retten“ sind nicht gleichbedeutend. Sonst brauchte das Motto vieler Feuerwehren und des Technischen Hilfswerkes nicht „Schützen, bergen, retten“ zu heißen, die letzten zwei wären dann ja doppelt gemoppelt.

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