Mittwoch, 22. November 2017
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Fisimatenten/fiese Matenten

Das kuriose Wort „Fisimatenten“ wird gern als Übernahme aus dem Französischen erklärt. Es soll sich um die Verballhornung von „Visitez ma tente“ handeln, einer Einladung, mit der die napoleonischen Besatzungssoldaten angeblich deutsche Frauen in ihr Zelt zu locken versuchten. Doch eine andere Erklärung gilt als wahrscheinlicher, derzufolge hin­ter den Fisimatenten keine französische Masche steckt, son­dern eine amtliche Bescheinigung: visae­ patentes war der lateinische Ausdruck für Offizierspatente. So gab es bereits im 16. Jahrhundert, lange vor der napoleonischen Zeit, das eingedeutschte Wort „visepatentes“, das zum Inbegriff für lästige Umstände wurde, zumal das Ausstellen eines Offi­zierspatentes viel Zeit in Anspruch nahm. Daneben exis­tierte auch noch das mittelhochdeutsche Wort visamente, das „Verzierung“ und „Ornament“ bedeutete und in der Wappenkunde eine wichtige Rolle spielte. Man nimmt an, dass es irgendwann zu einer unfachgemäßen Kreuzung die­ser beiden Fachbegriffe kam und dass aus visepatentes und Visamenten schließlich Fisimatenten wurden. Mit „fies“ im Sinne von „scheußlich“ und „gemein“ haben Fisimaten­ten eigentlich nichts zu tun, doch aufgrund des ähnlichen Klangs wurde viel Fieses hineininterpretiert, sodass biswei­len auch von „fiesen Matenten“ die Rede ist. 


Dies ist ein Auszug aus der Kolumne „Der mit dem Maul wirft“.

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