Dienstag, 27. Juni 2017
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Tür/Türe

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Wenn der Dezember kommt, dann steht Weihnachten vor der Tür. Bei einigen steht Weihnachten allerdings auch vor der Türe. Das führt bei vielen Deutschen zu Verwirrung. Vor allem, wenn sie zum Beispiel an Bord derselben Lufthansa-Maschine („Thüringen“) sowohl den Hinweis „Bitte Tür schließen“ beachten als auch der Aufforderung „Bitte Türe vorsichtig öffnen“ nachkommen sollen. Wie ist es denn nun richtig? Türe oder Tür?

Tatsächlich gibt es beide Formen. Auf Hochdeutsch heißt es „Tür“, ohne „e“, so ist es üblich und gilt als Standard. Die Form mit „e“ existiert vor allem in Mitteldeutschland. Ob der Hinweis an der Toilettentür(e) in besagter Lufthansa-Maschine allerdings bewusst mit Rücksicht auf das namensgebende Bundesland gewählt wurde, ist zu bezweifeln.

Für die Dichter und Verseschmiede in diesem Lande ist die Existenz zweier Formen indes ein Segen, denn sie erhöht die Reimmöglichkeiten. Anbei ein kleines Beispiel, nicht gerade von goethescher Qualität, aber das Prinzip durchaus erhellend:

Vor der Türe, vor dem Tore

Warte ich auf Hannelore.

Vor dem Türchen, vor dem Törchen

Wart ich auf das Hannelörchen.

Vor dem Tore, vor der Tür

Steh ich nun seit Stunden hier.

Keine Spur von Hannelor

Wie viel Zeit ich schon verlor!

Geh ich halt nach nebenan

In die Kneipe, rein zur Tür

Wo bei einem frischen Bier

Ich genauso warten kann

Und mich besser amüsiere

Als vor Hannelörchens Türe.

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