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Bitte, danke, bitte?

2013-12-29 Fernseh-Hase Cäsar Bitte, danke, bitte_HP_aHoi7x6H_f.jpg

Ein Leser aus der Schweiz möchte wissen, was es mit dem Wort „bitte“ auf sich hat, mit dem man ein „danke“ erwidert. Worum bittet man da? Und warum eigentlich? Man wurde doch selbst um etwas gebeten. Handelt es sich einfach nur um ein Echo auf das „bitte“ des Bittenden oder steckt mehr dahinter?

„Kannst du mir bitte mal den Senf rüberreichen!“
„Selbstverständlich!“
„Danke!“
„Bitte!“

Dass man eine Bitte mit dem Wort „bitte“ verpackt, ist eigentlich selbstverständlich. Und dass das Wort „danke“ dafür da ist, Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen, liegt auf der Hand. Weshalb aber erwidert der zunächst Gebetene und sodann Bedankte seinerseits mit „bitte“, wahlweise gestreckt zu „bitte sehr“ oder „bitte schön“?

Das „bitte“ ist die Verkürzung von „Ich bitte Sie“ oder „Ich bitte dich“, gefolgt von einem (gedachten) Halbsatz wie „kein Aufhebens davon zu machen“ oder „meinem Gefallen keine Bedeutung beizumessen“.

Darum sagt mancher auch etwas länger: „Ich bitte Sie, das war doch selbstverständlich!“ oder „Ich bitte Sie, das ist doch nicht der Rede wert!“ Der höfliche Bedankte erwidert den Dank mit der Bitte, sich nicht zu bedanken.

Etwas so vollkommen Höfliches und Ritterliches wurde wahrscheinlich nicht in Deutschland erfunden. Einiges spricht dafür, dass wir diese Formel von den Meistern der eleganten Form, den Franzosen, übernommen haben. Auch im Französischen kann der Dank mit einer Bitte erwidert werden: „Merci!“ – „Je vous en prie!“ Und auch hier ist die Bedeutung: „Bitte danken Sie mir nicht.“

Dass diese Bedeutung immer weniger Menschen bewusst ist, mag der Grund dafür sein, dass „bitte“ zunehmend aus der Mode gerät. Im Dienstleistungssektor hat ihm längst ein anderes Wort den Rang abzulaufen, und zwar das kleine Wörtchen „gerne“.

Mit „gern“ oder „gerne“ können offenbar mehr Menschen etwas anfangen als mit „bitte“. Wer kann sich heute noch vorstellen, dass man sich einst zu derartiger Bescheidenheit verstieg und darum bat, keinen Dank zu bekommen? Heute ist jede Servicekraft selbstbewusst genug, den Dank für ihre Dienste anzunehmen. Im Stil amerikanischer Überkandidelei wird jovial darauf hingewiesen, dass man es „gern“ getan habe. So ist aus der alten Formel „bitte -> danke -> bitte“ mittlerweile „bitte -> danke -> gerne“ geworden.

Kurioserweise taucht „gern“ bisweilen auch an Stellen auf, an denen es eher unpassend ist. Einige Beispiele finden Sie in der Geschichte „Immer wieder einmal gerne“.

Ich danke Ihnen sehr für Ihr Interesse, und sollten Sie zu bescheiden sein, diesen Dank anzunehmen, dann sagen Sie bitte bitte.

Weiteres zu Sprache und Höflichkeit:

Zwiebelfisch: Das Imperfekt der Höflichkeit
Zwiebelfisch: Entschuldigen Sie mich, sonst tu ich es selbst
Zwiebelfisch: Immer wieder einmal gerne

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Ein Kommentar

  1. Oder, wie es im Norden statt „Bitte danken Sie mir nicht“ auch so schön heißt: „Da nich für!“

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