Montag, 20. August 2018
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Heißt es »die Beatles« oder »The Beatles«? 

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Ein Leser möchte wissen, ob man den Artikel von englischsprachigen Bands eigentlich übersetzen und beugen darf. In seiner Antwort geht der Zwiebelfisch gleich einer weiteren Frage auf den Grund, nämlich ob Musikgruppen grundsätzlich im Plural stehen müssen, auch wenn der Name ein Singular ist: Heißt es „Abba haben“ oder „Abba hat“?

Frage eines Redakteurs aus Halle:

Sehr geehrter Herr Sick, in unserer Redaktion wütet gerade eine erbitterte Diskussion darüber, ob zu englischen Bandnamen gehörende Artikel eingedeutscht und dekliniert werden dürfen.

Die Band »The Beatles« trägt das »The« offiziell im Bandnamen, trotzdem werden sie in der deutschen Alltagssprache »die Beatles« genannt; spricht man von »den Beatles«, wird der Artikel sogar dekliniert. Ist dies korrekt?

Andererseits würde bei »The Who« oder »The Cure« niemand auf die Idee kommen, den Artikel einzudeutschen. Muss man tatsächlich immer offiziell von »The Beatles« (oder gar von »den ‚The Beatles‘«) sprechen oder Umwege nehmen wie »die Band ‚The Beatles‘«?

Und wie schaut es mit deutschen Gruppen wie »Die Ärzte« oder »Die Toten Hosen« aus, darf man da von »den Ärzten« oder »den Toten Hosen« sprechen? Vielen Dank im Voraus für Ihre Antwort, vielleicht ist es ja auch Stoff für Ihre Kolumne.

Antwort des Zwiebelfischs:

Sehr geehrter Leser, und ob das Stoff für meine Kolumne ist! Denn die Frage, wie Musikbands grammatisch zu behandeln sind, beschäftigt viele.

Und weil es dabei auch um die Beatles geht, musste ich meine Illustratorin nicht lange bitten, eine Zeichnung der berühmten Pilzköpfe beizusteuern; denn die Beatles sind ihre Lieblingsband.

Wie Sie sehen können, habe ich »die Beatles« geschrieben und nicht »The Beatles«. Denn selbstverständlich darf man bei Musikgruppen den englischen Artikel »The« eindeutschen.

Ob bei den Beatles, den Bee Gees, den Rattles, den Searchers, den Byrds, den Beach Boys, den Kinks, den Hollies oder den Rolling Stones – der deutsche Artikel steht hier mit Fug und Recht und wird in Genitiv und Dativ entsprechend gebeugt: die Lieder der Beatles; die Karriere der Stones; die größten Hits der Beach Boys.

Dass man es im Falle von »The Who« nicht gemacht hat, lag vermutlich daran, dass der Name so kurz war. Vielleicht auch, um eine Verwechslung zu verhindern, denn wenn Zeitungen von »die WHO« schrieben, war damit in der Regel die Weltgesundheitsorganisation gemeint. Meine Illustratorin spricht allerdings von »den Who«, und bei ihr klingt das keinesfalls albern, zumal sie sich in der englischen Popmusik der sechziger und siebziger Jahre sehr gut auskennt.

Als die Band »The Jackson Five« die Plattenfirma wechselte, musste sie sich in »The Jacksons« umbenennen, weil sich ihre alte Firma Motown Records den Namen »Jackson Five« mitsamt Artikel hatte schützen lassen. Aber niemand musste deswegen im Deutschen von »The Jackson Five« reden oder schreiben, und er muss es auch heute nicht, denn die Gesetze zum Markenschutz rangieren nicht über den Regeln der Grammatik.

Bei »The Mamas & The Papas« blieb es jedoch beim englischen Artikel, zumal er innerhalb des Namens noch einmal auftauchte und »die Mamas and die Papas« sehr seltsam geklungen hätte. Dafür wurde die Band aber oft zu »den Mamas & Papas« verkürzt. Anfangs schrieb sie sich übrigens noch mit Apostroph: »The Mama’s & the Papa’s«, später dann ohne. Ein schönes Beispiel, wie aus Kindern Leute werden, denn mit Apostroph waren die Bandmitglieder »der Mama und des Papas« liebe Kinder, ohne Apostroph wurden sie selbst zu Müttern und Vätern.

In meiner Jugend in den Siebzigern kam Englisch nur in Popliedern vor. Alle anderen Texte – Nachrichten, Werbesprüche, Lehrmaterialen, Bedienungsanleitungen – waren auf Deutsch. Das Internet gab es noch nicht.  Heute ist Englisch so allgegenwärtig, dass viele Journalisten deutlich weniger Vertrauen in die Kraft und Schönheit ihrer Muttersprache haben und überzeugt sind, es nur dann richtig zu machen, wenn sie den Artikel bei einem Bandnamen unübersetzt lassen und auf eine Beugung verzichten. Doch wenn man in einem deutschen Text über Paul McCartney liest, er »gehörte zu ‚The Beatles’«, dann zeugt das nicht von Kompetenz, sondern eher vom Gegenteil. Die Irrelevanz des Artikels zeigt sich nicht zuletzt beim Blick ins Plattenregal oder ins Stichwortregister: Dort finden Sie die Beatles für gewöhnlich unter »B«, nicht unter »T«.

Für deutsche Bands wie die »Ärzte« und die »Toten Hosen« gilt die Beugungserlaubnis genauso. Wenn ein Ansager ins Mikro raunt: »Und hier kommt der neueste Song von Die Toten Hosen« und ein Redakteur »von einem Treffen mit Die Ärzte« berichtet, mögen sie damit vielleicht die Interessen der Musikindustrie bedienen, doch nicht die Hörgewohnheiten der Hörer. Auch die Artikel anderer Sprachen können übersetzt werden. Es spricht nichts dagegen, die niederländische Formation »De Toppers« auf Deutsch »Die Toppers« zu nennen und die französische Gruppe »Les Négresses Vertes« als »Die Négresses Vertes« anzukündigen. Eine französische Band hat das Verwirrspiel um Artikel und Umlaute übrigens auf äußerst amüsante Weise aufgegriffen und nennt sich »The Les Clöchards«. Hier kann man das »The« gern unübersetzt lassen, da es witzig ist.

Als ich noch als Korrekturleser arbeitete, stellte sich immer mal wieder die Frage, ob Musikgruppen, die keinen Mehrzahlartikel im Namen haben, trotzdem als Mehrzahl aufzufassen seien. Heißt es »Coldplay kommt nach Deutschland« oder »Coldplay kommen nach Deutschland«? Darüber gab es lange Diskussionen. Für mich war die Sache sonnenklar: Der Name der Band steht für die Band, und die Band ist ein Wort im Singular. Denkt man sich vor Coldplay den erklärenden Zusatz »die britische Band«, dann wird deutlich, dass Coldplay kein Plural sein kann.

»Eine Band besteht aber aus mehreren Mitgliedern«, gab unser Kulturredakteur zu bedenken, der ein Verfechter der Mehrzahl war. Damit konnte er mich jedoch nicht überzeugen: »Ein Unternehmen besteht ebenfalls aus mehreren Menschen«, sagte ich, »und trotzdem heißt es nicht ›Siemens haben‹ oder ›Aldi werden’. Länder bestehen erst recht aus vielen Menschen, trotzdem heißt es ›Frankreich ist‹ und nicht ›Frankreich sind’. Nur die USA sind, weil das ein Plural ist: die Vereinigten Staaten. Coldplay aber ist kein Pluralwort, da kann die Band aus noch so vielen Mitgliedern bestehen.«

Der Plural sei auch eine Hilfe für jene Leser, die mit einem Bandnamen nichts anfangen könnten, meinte unser Kulturredakteur. Am Plural könne jeder erkennen, dass es sich um eine Gruppe handele und nicht um einen Solo-Künstler. Ich erwiderte, dass die besten Verständnishilfen nach wie vor ein klarer Ausdruck und eine korrekte Grammatik seien. Und wenn damit zu rechnen sei, dass der Name einer Band nicht allen Lesern bekannt ist, täte man ohnehin besser daran, sie mit einem erklärenden Attribut zu versehen: die britische Punkband x, die deutsche New-Wave-Band y, die amerikanische Boygroup z.

Im englischsprachigen Raum steht man übrigens vor derselben Frage und wird sich auch dort nicht einig: »How many number ones has Coldplay had?« fragen die einen im Singular, »Coldplay have had 12 hits in 9 years« antworten die anderen im Plural.

Auf der deutschen Wikipedia-Seite der Band Coldplay geht es drunter und drüber: »Coldplay ist eine britische Pop-RockBand«, erfährt man dort zunächst im Singular, dann wechselt es in den Plural: »Am 16. Juni 2008 starteten Coldplay in London ihre Viva-la-Vida-Tour.« Die Schlussinformation steht dann wieder im Singular: »Coldplay unterstützt seit Jahren die Entwicklungshilfsorganisation Oxfam.« Die Fakten mögen stimmen, die Grammatik aber schwankt wie eine Fähre auf der Fahrt nach Helgoland.

Meine Lieblingsband ist übrigens Abba. Schließlich hat Abba mich durch meine gesamte Jugend begleitet. Unser Kulturredakteur hätte gesagt: Abba hat nicht, Abba haben! Aber was weiß der von meiner Jugend? Wir hatten Abba, und Abba hatte alles! Abba hallo!


Zur Eindeutschung von Fremdwörtern: Er designs, sie hat recycled, und alle sind chatting

Zur Behandlung von Namen im Plural: Hat die Niederlande den dritten Platz verdient?

Zur Schreibweise von Musiktiteln: Liebling, Was Wird Nun Aus Uns Beiden?

Zur Frage „Abba“ oder „ABBA“: Die Wortwerdung von Abkürzungen

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8 Kommentare

  1. Daniel Wallas

    Ich meine mich an ein Interview mit Farin Urlaub von Die Ärzte zu erinnern, in dem er explizit nicht wollte, dass der Artikel dekliniert wird.

    • Die Anwälte der Firma Lego wollten vom Verein Deutsche Sprache, dass das Wort „Legosteine“ folgendermaßen geschrieben würde: LEGO™ Steine
      Wollen und wünschen kann man viel. Wer meint, durch Marketing die Gesetze der Sprache aushebeln zu können, der hat noch einiges zu lernen.

    • Volker Morstadt

      Hallo Herr Sick, das Wort ist im Duden nicht verzeichnet. Die von Lego geforderte Schreibweise kann nicht verlangt werden, denn das TM weist nur auf eine spezielle Schutzart in den USA hin (benutzte, aber dort nicht eingetragene Marke).

      MfG V. Morstadt

  2. Florian Bundschuh

    Der Vorteil des Plurals im zweiten Coldplay-Beispiel ist, dass man sich keine Gedanken machen muss, ob es nun „… startete Coldplay seine … Tour“ oder „ihre Tour“ heißen muss. Was ware hier richtig? Für mich klingt „seine“ besser. „Ihre“ ware auch möglich, dann ergänze ich aber in Gedanken „die Band“.

  3. Ludwig Hillenbrand

    Und wie steht es mit den „Gänsefüßchen“? Darüber sollten Sie auch noch ein Wörtchen verlieren.

  4. Ich bin dafür, Bandnamen um Plural zu benutzen, um zu verdeutlichen, dass es Bands sind und keine Solokünstler.

    Hier der Klassiker: „Oh by the way, which one is Pink?“. Die Zeile aus dem Song „Have a Cigar“ stammt angeblich aus einer realen Situation. Irgendein Plattenboss glaubte, Pink Floyd seien Vor- und Nachname des Sängers und die anderen seine Begleitband.

    Es gibt viele Beispiele, in denen aus dem Namen nicht zu erkennen ist, ob das eine Band oder ein Einzelmusiker ist.
    „Cock Robin hatte seinen ersten Hit 1985“ wäre so also stark irreführend.

    Umgekehrt ebenso – Which one is Pink? – keine Band, sondern eine Solo-Sängerin.

    Der interessanteste Fall ist aber die Band „The The“. Heißt es hier: Das erste Album von den The, von The The, von den The The…?

  5. Matti Spieler

    Da es hier schon um Musik geht, habe ich auch noch eine Frage die mich schon eine Weile bewegt. Es gibt ja bekannte deutsche Lieder, die geschrieben wurden, als noch die alte Rechtschreibung galt und man „muß“ mit ß schrieb. Z. B. von den Prinzen „(Du mußt ein) Schwein sein“ Heute wird es ja „muss“ geschrieben. Wie schreibt man die Lieder heute richtig? Mit „muß“ oder „muss“? Viele Plattenfirmen umgehen dieses Problem einfach, indem sie die Titel in Großbuchstaben schreiben, da es ja kein großes ß gibt: („(DU MUSST EIN) SCHWEIN SEIN“).

  6. Wie ist es abrr, wenn der Bandname eine Aufzählung ihrer Mitglieder ist, also z.B. Crosby, Stills, Nash & Young, im weiteren Text aber eine gängige Abkürzung CSNY verwendet wird.

    Hier könnte man doch sowohl argumentieren, es hanele sich um EINE Band, also quasi eine Firma „Crosby, Stills, Nash & Young“ oder eben die 4 Einzelpersonen, die eben gemeinsam Musik mache

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