Donnerstag, 17. August 2017
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Online Banking, Online-Banking oder Onlinebanking?

Online Banking oder Onlinebanking (neu)

Wann schreibt man mehrteilige Begriffe aus dem Englischen zusammen und wann nicht? Eine Leserin möchte wissen, ob für Fremdwörter englischer Herkunft spezielle Regeln gelten, und – falls ja – wie diese lauten. Der Zwiebelfisch erklärt: Es gibt keine Sonderregeln, es gilt gleiches Recht für alle.

Frage einer Leserin aus Ditzingen (Baden-Württemberg): 

Sehr geehrter Herr Sick,
der Duden schreibt

a) Onlineshopping, Onlinehilfe, Mailingliste, Softwareentwicklung
b) Pup-Up-Blocker, Open-Source-Software
c) Corporate Identity, Public Relations, Direct Mailing

Wie lautet die Regel, nach der Verbindungen mit Anglizismen entweder zusammen (a), mit Bindestrich (b) oder als zwei getrennte Wörter (c)  geschrieben werden?
Mir offenbahrt sich da kein Muster, und ich brauche die Hilfe von einem Profi …
Herzlichen Dank! Monika Augustin

Antwort des Zwiebelfischs: Liebe Frau Augustin,

für Fremdwörter englischer Herkunft gelten grundsätzlich dieselben Regeln wie für „eingeborene“ deutsche Wörter. Es wäre auch nicht einzusehen und kaum zu leisten, sollte man jedesmal andere Regeln berücksichtigen; denn Fremdwörter kommen schließlich nicht nur aus dem Englischen, sondern ebenso aus dem Französischen, dem Italienischen, dem Russischen oder dem Arabischen. Die meisten übrigens aus dem Griechischen und dem Lateinischen. Warum sollten ausgerechnet für die englischen Importwörter Sonderregeln gelten, wo hierzulande doch kaum die deutschen Regeln bekannt sind? Zwar versucht man sich bei der Übernahme zunächst noch an den Gepflogenheiten der jeweiligen Exportsprache zu orientieren, doch wenn die Wörter hier erst einmal heimisch geworden sind, werden sie schnell der hiesigen Grammatik angepasst. Da gilt gleiches Recht für alle.

Zu Punkt a: Wenn durch Zusammensetzung zweier Hauptwörter ein neuer Begriff entsteht, so wird dieser zusammengeschrieben. Im Normalfall heißt das: Der neue Begriff wird in einem Wort geschrieben. Aus „Autobahn“ und „Zubringer“ wird „Autobahnzubringer“, fertig ist die Laube. Wenn die Zusammensetzung  allzu ungewohnt aussieht oder ein fremdes und ein deutsches Wort vereint, kann man sie auch mit einem Bindestrich schreiben. Statt „Softwareentwicklung“ können Sie folglich auch „Software-Entwicklung“ schreiben. Für die Duden-Redaktion (und nicht nur für die) ist das Wort „Software“ inzwischen aber so geläufig, dass es sich auch bindestrichlos an ein deutsches Wort fügen lässt. Dasselbe gilt für Zusammensetzungen, die mit „Online“ oder „Internet“ beginnen: Online-Banking oder Onlinebanking, Internet-Zugang oder Internetzugang – beide Formen sind jeweils möglich.

Zu Punkt b: Wenn es sich um eine Zusammensetzung aus drei oder mehr Bestandteilen handelt, empfiehlt sich aus Gründen der Lesbarkeit die Verwendung von Bindestrichen. Doch auch hier gilt: Einwortschreibung ist grundsätzlich möglich. Popupblocker und Startupunternehmen sind genauso denkbar und keineswegs verkehrt. Wer (wie vom Duden empfohlen) lieber Bindestriche benutzt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass für die Verbindung von drei Teilen nicht weniger als zwei Striche vonnöten sind. Also Pop-up-Blocker (nicht: Pop-up Blocker), Pin-up-Girl (nicht: Pin-up Girl oder Pin up Girl)

Zu Punkt c: Wenn der erste Bestandteil der Fügung kein Hauptwort, sondern ein Attribut ist, schreibt man die Fügung in zwei Wörtern. Das gilt für Begriffe deutscher Herkunft (Alter Markt, Kieler Förde, grüne Bohnen, Jüngstes Gericht, Rotes Meer, öffentlicher Nahverkehr, zweiter Frühling etc.) genauso wie für Begriffe aus dem Englischen: Bitter Lemon, Black Jack, Global Player, Grand Slam, High Fidelity, High Society, Long Island, Real Time etc.
Public Relations würden, wenn man sie wörtlich übersetzte, als „öffentliche Verbindungen“ ebenfalls in zwei Wörtern geschrieben. „Public“ ist hier ein Adjektivattribut, daher steht es getrennt. Genau wie das „Corporate“ in „Corporate Identity“, wörtlich „körperschaftliche Übereinstimmung“, was man aber besser mit „Unternehmensidentität“ oder „Firmenimage“ übersetzt.
Aufgrund dieser Regel können Sie auch „Hot Dog“, „Smart Phone“, „Green Card“, „Small Talk“, „Hard Rock“ und „Fast Food“ jeweils in zwei Wörtern schreiben. Allerdings besteht bei den einsilbigen Adjektiven ein starker Trend zur Zusammenschreibung. Daher sind „Hotdog“, „Smartphone“, „Greencard“, „Smalltalk“, „Hardrock“ und „Fastfood“ genauso richtig. Bei Zusammensetzungen wie Goodbye, Hardcover, Hotline, Slowfox, Softeis etc. ist sogar nur die Einwortschreibung möglich.

Gesellt sich zu diesen getrennt geschriebenen Zwei-Wort-Fügungen jedoch ein drittes Element, dann gilt wiederum – wie unter Punkt b – Zusammenschreibung mit Bindestrichen.
Das heißt: „Corporate Identity“ wird zwar in zwei getrennten Wörtern geschrieben, doch die „Corporate-Identity-Richtlinie“ mit Bindestrichen, und zwar durchgehend; denn „Corporate Identity-Richtlinie“ wäre genauso falsch wie „Willy Brandt-Straße“.
Bei „Open Air“ bleiben die Bestandteile voneinander getrennt, beim „Open-Air-Konzert“ werden sie mit Bindestrichen verbunden. Ebenso beim All-inclusive-Urlaub, der Big-Bang-Theorie, dem Car-Sharing-Modell, dem Last-Minute-Flug, der Low-Budget-Produktion und dem Worst-Case-Szenario. Selbst der One-Night-Stand wird mit Bindestrichen verbunden, auch wenn er per Definition eher unverbindlich ist.

In diesem Sinne verbleibe ich mit verbindlichen Grüßen
Ihr Bastian Sick


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11 Kommentare

  1. Ganz einfach. Man benutzt die deutsche Entsprechung und bildet nötigenfalls ein zusammengesetztes Substantiv.

    Smartphone – mobiler Mehrzweckhochfrequenzfernsprechapparat
    Onlinebanking – EDV-gestützte Bankgeschäfte
    High Society – Honoratioren / (Geld)Adel / die Reichen & Schönen
    Anglizismen sind nahezu alle durch deutsche Begriffe ersetzbar und haben nebenbei den Vorteil, daß sie auch verstanden werden.

    • Nun ja, bei so einigen Angliszismen macht eine „Rück-Eindeutschung“ aber wenig Sinn. Zumal viele englische Begriffe schon sprachlich vollkommen selbstverständlich geworden sind; niemand würde wohl ernsthaft „Klapprechner“ zum Laptop sagen oder „Prallsack“ zum Airbag.
      Englische Begriffe sind oft kurz und prägnant, wo sie im Deutschen umständlich zusammengesetzt werden und deshalb gerne gegen englische eingetauscht: „Smart“ ist kürzer als „vielseitig verwendbar“, „Banking“ einfacher als „Bankgeschäfte tätigen“. Der Mensch neigt nun mal zum Kurz&Knapp-Sprechen…
      Es gibt aber auch eine sinnfreier Mode-Anglizismen, die ich bewusst meide: Ich gehe nicht zum Shopping in die City, fahre kein Lifestyle-SUV und besuche keine After-Work-Party. Ich sage „Lebensqualität“ statt „Work-Life-Balance“ und übersetze den „Workshop“ spaßeshalber mit „Baumarkt.“

    • Ähem… Smartphone? Deutsche Entsprechung: Schmierschachtel! Ist doch viel kürzer als Ihr Konstrukt, oder? 😉 Da gibt es auch noch Laptop: Klapprechner. Aber vielleicht „realisiert“ das auch mal jemand. Krrrr… Ich hasse Anglizismen, wenn sie ohne Not verwendet werden.

    • „Mobiler Mehrzweckhochfrequenzfernsprechapparat“ hat den Vorteil, daß es gegenüber Smartphone verstanden wird? Meinen Sie das ernst?

    • Obwohl ich sehr für deutsche Worte statt Anglizismen eintrete, werde ich nicht „Mehrzweckhochfrequenzfernsprechapparat“ sagen oder schreiben, wenn ich ein mobiles Telefon meine. Ich bin auch nicht so sicher wie Ron, dass mich alle verstehen, wenn ich statt vom „Computer“ vom „Rechenknecht“ spreche.

  2. > Smartphone – mobiler Mehrzweckhochfrequenzfernsprechapparat

    Und ein „Trommelrevolver“ ist ein „drehungsgesteuerter Meuchelpuffer“ … :o)

  3. „Willy Brandt-Straße“ kann schon richtig sein. Nämlich dann, wenn Herr Willy Brandt Fräulein Steffi Straße heiratet und sich einen Doppelnamen zulegt. Dann heißt er Willy Brandt-Straße. 😉

  4. Moin,
    wie sieht es denn mit der Aussprache aus? Bei den „Eurowings“ wird in den meisten gesprochenen Kommentaren und Nachrichten mitten im Wort die Sprache gewechselt. Freuen wir uns über diese Kreativität?
    Vielen Dank für all die interessanten Ausführungen!
    Monika Weitkamp

  5. Da fällt mir gerade wieder ein, daß ein deutscher Kaffeeröster mal Rucksäcke für Kinder und Teenager im Angebot hatte und diese am Körper zu tragenden Behältnisse als „Body-Bags for Kids“ angepriesen hatte, offenbar in der völligen Unkenntnis des Umstandes, daß „body bag“ die englische Bezeichnung für einen Leichensack ist.
    Das dürfte dann wohl wirklich das Worst-Case-Szenario beim Fehlgebrauch von Anglizismen gewesen sein.

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