Dienstag, 19. Juni 2018
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Ich sach ma irgendwie so …

Irgendwie sind wir halt nicht nur ein Volk der Dichter und Denker, sondern letztendlich auch ein Volk der Vielredner und Wenigsager. Im Phrasendreschen macht uns jedenfalls keiner was vor. Von daher gibt’s hier die Leserpost zum „Zwiebelfisch“ über aufgeschäumte Rede.

Irgendwie sind wir halt nicht nur ein Volk der Dichter und Denker, sondern letztendlich auch ein Volk der Vielredner und Wenigsager. Im Phrasendreschen macht uns jedenfalls keiner was vor. Von daher gibt’s hier die Leserpost zum „Zwiebelfisch“ über aufgeschäumte Rede.

Vor vielen Jahren meinte in unserer Stammkneipe eine Freundin zu mir: „Mei weißt, irgendwann ist irgendwer immer irgendwie – weißt, was ich meine?“ Ich sprang von meinem Stuhl auf, lief aufs Klo, um brüllend loszulachen. Nachdem mein Gemüt abgekühlt war, wurde es mit unserer Beziehung ebenso – irgendwie. Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

Wolfgang Harlander, Pfaffing


Nicht alles, was uns im Arbeitsalltag zu Ohren kommt, baut uns auf.

Mein Beitrag zu Ihrer hervorragenden Kolumne soll das unsägliche Füllsel „ich sag mal“, kurz: „sammermal“ sein.

So versuchte ein Kollege einem anderen etwas zu erkären und begann seinen Satz (wie erwartet) mit „sammermal“, worauf eine kurze Pause folgte, und er dann mit „oder anders gesagt“ seine eigentliche Ausführung begann – eine Ausführung, in der noch so manches weitere „Sammermal“ Position fand. „Sag ich mal“ ist ja an sich schon völlig unnütz, denn es ist ja klar, dass derjenige es jetzt ausspricht, und jeder, der hören kann, sich dessen bewusst sein müsste; aber dann, obwohl noch gar nichts gesagt wurde, „oder anders gesagt“ nachzusetzen, ist „im Grunde genommen“ (auch so ein unsägliches, unnützes, oft angewandtes Füllsel) schon sinister paradox …

Guido Kunkel


Zwischen 1970 und 1974 hatte wir in der Schule einen Erdkunde-, später auch Englischlehrer, der häufig am Ende eines Satzes ein völlig überflüssiges „dann dabei“ anhängte. Beispiel: „In der Wüste gibt es viele Oasen, dann dabei.“ War er besonders gut drauf, so vernahm man die Spezialfassung: „In der Wüste gibt es viele Oasen, in diesem Bereich etwa dann dabei.“ Wir kamen in besonders intensiven Zeiten auf zirka 50 „dann dabei“ pro Schulstunde. Eigentlich oder so könnte Sie das doch interessieren dann dabei.

Norbert Haas, Sankt Augustin


Ich hatte eine neue Hose gekauft, zog sie am Abend an und fragte in meiner Lieblingskneipe einen Freund, wie er meine Hose fände. Er schaute kurz und meinte dann zögernd: „Offen gestanden, gut!“

Nach einem erschreckten Blick auf den Reißverschluss, der natürlich geschlossen war, erkannte ich, dass er nur mit einem seiner üblichen Füllwörter geantwortet hatte.

Inge Benderoth


Ich weiß nicht, ob es wirklich ein Füllwort ist, denn es sind eigentlich zwei Wörter, deren Reihenfolge auch noch variiert. Mir ist das aus dem Ruhrgebiet bekannt: „Sag ich“ oder „ich sag“, kombiniert mit „sagt er/sie“ oder „sagst du“. Manche Leute können offenbar eine Unterhaltung nur damit vernünftig wiedergeben. Wichtig ist dabei, dass diese Anhängsel im ortsüblichen Dialekt gesprochen werden, so dass es klingt wie „sarrich“, „ich sach“ und „sachta/sachtse“. Bei manchen Leuten wird es dann ein bisschen viel: „Ich sach: dat kannst du so nich machen, so gehts kaputt, sarrich. Sachtse: Wieso, geht doch! Sarrich: Sachtse? Ich sach, dat is Quatsch, sarrich. Nä, sachtse, ich sach …“ und so weiter. Erstaunlicherweise versteht man es, wenn man zuhört. Aber eigentlich mag ich das. Immer, wenn ich es höre, weiß ich, dass ich wieder zuhause bin.

Kai Bleker

Anmerkung des Zwiebelfischs: Genau, und zuhause isses bekanntlich am schönsten. Das sarrich nich nur so, das meinich auch!


Neben dem Klassiker „… sach ich mal“ ist in unserer Firma die Phrase „an der Stelle“ sehr beliebt. Einer meiner Kollegen schafft es an der Stelle, bis zu dreimal in einem Satz „an der Stelle“ unterzubringen. Mehrfach habe ich an der Stelle schon fast an der Stelle die Beherrschung verloren …

Einen Vorteil haben solche Füllwörter: Man erkennt sofort, wer in Besprechungen häufiger zusammenhockt, denn oft verwendete Phrasen werden von manchen Teilnehmern in ihren Wortschatz aufgenommen. Und so weiß man auch, wer gerne seinem Chef nach dem Munde plappert.

Wolfgang Felske, Münster


Ich lebe in Frankreich und sage, wenn ich am Telefon Deutsch rede, offenbar sehr häufig „Sei es, wie es will …“ In französischen Ohren klingt das anscheinend wie „Saucisseville“, denn man fragt mich zuweilen, was es denn Neues aus meinem Saucisseville – der „Wurststadt“ – zu berichten gibt.

Robert Abend


Dank meines Deutschlehrers, der seinem Lehrauftrag hiermit gänzlich gerecht wurde, habe ich seit meinem 14. Lebensjahr Meinungsäußerungen nie wieder das beliebte „Ich würde sagen …“ vorangestellt. Im Konditional zu leben – und zu sprechen – dürfte erst möglich werden, wenn wir das endlich mit den Zeitreisen hinbekommen. Würde ich sagen. (Ich persönlich nur; ich unpersönlich würde das selbstverständlich ganz anders sagen.)

Kirsten Steppat, Bremen


Am meisten stört mich die Füllphrase „Pass auf“. Gerne auch als „paasauf“ oder „pasupp¡. Vermutlich aus dramaturgischen Erwägungen wird gelegentlich auch der dreifache Imperativ in Kombination mit erhobenem Zeigefinger verwendet: „Jetzt! Pass! Auf!“ In die gleiche Kategorie von Füllphrase fällt das beliebte „Hör zu“ – oft zu „hömma“ zusammengezogen und ganz nach Belieben um ein „und jetz kommtz“ ergänzt. Nicht nur, dass diese Phrasen keinerlei Information transportieren, sie implizieren obendrein, dass der Gesprächspartner nicht aufpasse oder unter Umständen nicht mal zuhöre. Dieser Umstand ist insofern verwunderlich, als sich die Frage aufdrängt, warum dann überhaupt noch kommuniziert wird.

Nils Niehörster, Münster


Das Thema Füllwörter ist eine sehr komplexe Angelegenheit. Wie Sie es kürzlich beschrieben, könnte man es treffender nicht darstellen. Meine Tochter Denise, 14 Jahre jung, spricht ebenso wie die Nichte Ihres Freundes Henry ohne Punkt und Komma:

„Weißt du, was für eine Tasche ich mir gekauft habe?“ – „Nein, aber ich bin gespannt.“ – „Die ist braun, oder so. Etwas ins Beige oder so gehend. Mit großen Henkeln, die man um die Schulter hängen kann oder so.“ Früher hatte ich noch den Mut nachzufragen, ob sie denn mit „oder so“ ihre vorherige Beschreibung einschränken wolle, hatte mir das aber nach einer grammatisch korrekten Auseinandersetzung über die deutsche Sprache lieber verkniffen. Ihre Mutter (somit meine Exfrau) merkt im Übrigen immer sehr genau, wenn meine Tochter mit mir telefoniert: „Weil ich dann die Sätze anders baue. Oder so.“ Telefongespräche enden dann mit: „Tschüß, ich hab dich lieb, oder so …“ Man muss diesen Engel einfach gern haben. In diesem Sinne: Viele Grüße oder so.

Jan Grzenkowsky, Berlin


Hallo Zwiebelfisch!

Als ich mal ein Profil bei einer Partnerbörse eingestellt habe, wies ich explizit darauf hin, dass sich Mädels, zu deren Wortschatz „diesbezüglich“ und „dementsprechend“ gehören, gar nicht erst bei mir zu melden brauchen. Diese vier Silben können eigentlich in jedem Satz gestrichen werden, ohne dass sich der Sinn dadurch verändert.

Ole L.

Anmerkung des Zwiebelfischs: Nun, das nenne ich eine klare Ansage. Hat sich denn daraufhin überhaupt noch jemand bei dir gemeldet?


 

Im Oberbayerischen kannt man das scheußliche Anhängsel „gell?“, dessen Gebrauch ungefähr dem seines englischen Pendants „isn’t it?“ gleichkommt. Mit dem Unterschied, dass der Bayer – und vor allem die Bayerin – davon auch eine Höflichkeitsform kennt, die bei der Anrede mit „Sie“ zum Einsatz kommt: „gelln’s?“ Mir stellt sich hierbei die Frage, inwiefern das schlichte „gell“ als Duzform gesehen wird?! Wir Franken wiederum können ohne ein „fei“ keinen vernünftigen Satz bilden und garnieren es am liebsten noch mit einem „g’scheit“.

„Gestern hot’s fei g’scheit g’rengd.“

Deutsch: Gestern hat es übrigens heftig geregnet.

Der Franke glaubt offenbar, sich für ungefragte Äußerungen entschuldigen zu müssen, indem er/sie immerzu dieses „fei“ einbaut.

Rainer Göttlinger, Nürnberg


Obwohl sicherlich jeder, und so auch ich, nicht ganz frei von der Nutzung dieser nervigen Füllwörter ist, so gibt es aber welche, deren Verwendung mir besonders auf den Keks gehen. Das Auftauchen bestimmter Floskeln kommt mir oft wie eine Modeerscheinung vor. Zum Beispiel:

1. Das sehr oft sinnfrei eingesetzte „von daher“ ist meiner Beobachtung nach momentan schwer in Mode.

2. Warum hängen viele (insbesondere junge) Menschen an fast jeden Satz ein total blödsinniges „Ich weiß auch nicht“ an. Da wird oft eine Frage umfassend beantwortet, gefolgt von einem „Ich weiß auch nicht“. Total behämmert.

Dirk Kipshoven, Duisburg


Mein besserer Hälft hat die schlechte Angewohnheit, Dinge sofort zu kommentieren, auch wenn ihm erst mitten im Satz einfällt, dass er das in diesem Fall vielleicht besser nicht getan hätte. Er beendet dann den Satz mit „… hätte ich beinahe gesagt.“ Da ich mit meinen Kommentaren ebenfalls schneller als gesund die Umwelt belästige, war ich schon drauf und dran, diese Unsitte zu übernehmen. Bis zu dem Tag, an dem meiner Freundin mal ein säuerliches „Du hast es aber gesagt“ entfuhr, welches mich auf die ganz und gar nicht abschwächende Wirkung dieser Worte so deutlich aufmerksam machte, dass ich diese Füllphrase nun nicht mehr verwende.

Barbara Zufall, München

Anmerkung des Zwiebelfischs: Der Ausdruck „Mein besserer Hälft“ gefällt mir! Daran erkennt man sofort, dass Sie mit einem Mann verheiratet sind. Wenn der oder das mal kein Zufall ist!


 

Einer meine Ex-Kommilitonen verwendete mit großer Leidenschaft die Phrase: „halt einfach mal“. Bei ihm fuhr der Bus nicht an der Haltestelle vorbei, sondern „halt einfach mal“ an der Bushaltestelle vorbei. Und dann musste er halt einfach mal den Weg zu Fuß gehen oder sich halt einfach mal dazu entschließen, die ersten drei Veranstaltungen nicht zu besuchen. Wenn er der Meinung war, jemand müsse sich durchsetzen, dann sagte er eben: „Dann musst du halt einfach mal auf den Tisch hauen, damit die halt einfach mal kapieren, dass man das mit dir halt einfach mal nicht machen kann.“

Wie oft dachte ich in diesen Situationen: „Halt einfach mal die Luft an.“

Name ist bekannt


Ich habe einen guten Freund, der häufig (beim Plaudern am Lagerfeuer) seine Sätze so beginnt: „Also sei nich‘ sauer, aber rein von der Sache her ist es im Grunde genommen doch eigentlich so …“ – und dann erst folgt seine Meinung zu diesem und jenem. Das ist auf Dauer etwas anstrengend.

Frank Nietsch, Berlin


Ein geradezu inflationär gebrauchter Füllsatz ist: „Weißt du, wie ich das meine?“, in freier Wildbahn in aller Regel zu „weisswieschmein?“ zusammengenuschelt. Er erfüllt gleich zwei Zwecke: Zum einen wird eine Sprechpause vermieden, zum anderen impliziert er die Aufforderung an den Gesprächspartner, sich eventuell im Nuscheln untergegangene Informationen gegebenenfalls selbst zusammenzureimen.

Timo Hilbertz


Alles ist neuerdings immer „ein Stück weit“: die Dinge sind ein Stück weit gut, man nähert sich ein Stück weit an oder entfernt sich ein Stück weit. Mir hängt’s zum Hals raus – und zwar ein ganz gutes Stück weit! Ich bin mir übrigens sicher, dass Wolfgang Schäuble für diese Floskel die Urheberschaft für sich beanspruchen darf.

 

Peter Möller, Köln

Anmerkung des Zwiebelfischs: Möglicherweise hat Wolfgang Schäuble ein Stück weit zur Verbreitung dieser Phrase beigetragen. Berühmt gemacht aber hat sie der ehemalige SPD-Vorsitzende Björn Engholm; denn beide, Engholm und ein Stück weit, sind typisch norddeutsch. Harald Schmidt wusste seinerzeit sogar scherzhaft von der Einführung einer neuen Maßeinheit zu berichten: Ein Stück weit = 1 Engholm.


Meine Tochter (18): „Und dann gehen wir vielleicht, keine Ahnung, später auf die Wiesn, weil der Günter ja dann nachher, keine Ahnung, weg muss oder so.“

Name ist bekannt


(c) Bastian Sick 2008

Zur Kolumne: Quatsch mit so Soße

 

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