Mittwoch, 15. August 2018
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War Rocky etwa Boxer?

Plötzlich hockt da ein Delphin auf dem Thron, und aus Florence Nightingale wird „die Nachtigall von Florenz“: Wer bei deutschen DVDs ungefragte Übersetzungen mitlesen muss, erlebt die eine oder andere Überraschung. Fragen Sie mal die Zwiebelfisch-Leser!

In der TV-Serie „King of Queens“ auf DVD gibt es eine Folge, in der Arthur, der Schwiegervater der Hauptfigur Doug Heffernan, diesen lockt mit Eintrittskarten zu einem Basketballspiel der New York Knicks gegen die Los Angeles Lakers. Im Original wird (mehrfach) gesagt „… tickets for a knicks lackers game …“.

Trotzdem wird diese Szene auf Deutsch untertitelt mit „… Karten für Nick Slakers“, als wäre das irgendein Sänger oder so. Und das, wo der gute Doug Heffernan fast in jeder Folge ein T-Shirt o.ä. von den NY Knicks trägt!

Sven Göck


In dem Ben-Kingsley-Film „You Kill Me“ wird tatsächlich ein Stoppschild in der deutschen Version mit „HALT“ untertitelt. Das Schild ist für die Geschichte natürlich völlig unwichtig, und wer STOP nicht versteht, dem ist mit HALT vermutlich auch nicht viel weiter geholfen.

Svenja Wulff, Münster


Vor unendlich langer Zeit las ich mal in einem Film, dessen Titel ich leider vergessen habe, den Untertitel „Die Nachtigall von Florenz“. Dies war die unsägliche und sinnlose „Übersetzung“ für „Florence Nightingale“, die tapfere, intelligente englische Krankenschwester im Krimkrieg. 

Erich Schweizer, Los Angeles


Ich hatte mal einen DVD-Player, der in eingeschaltetem Zustand neben einem nichtssagenden Digitalgrafik-Schwurbel auf dem TV-Bildschirm auch noch gegebenenfalls eine Auskunft über die Nichtbenutzung des Laufwerks anzeigte. Auf englisch hätte da wohl „NO DISK“ gestanden. Da DVD-Player aber regionsspezifisch programmiert werden, stand bei dem in Deutschland verkauften Gerät selbstverständlich: „NEIN DISK“.

Bruno Koch


Was kommt als nächstes? Übersetzung von Namen im Untertitel? Steht dann in einem Dokumentarfilm über Bill Gates demnächst „WILHELM TORE“ unten drunter? Oder muss man sich bei Fernsehbildern von Ihnen demnächst sorgen machen wenn „KRANK“ eingeblendet wird? 😉

Daniel Ponten


Den Filmtitel weiß ich leider nicht mehr, es war irgendeine amerikanische Serie, in der ein Umschlag überreicht wurde, auf dem „Thomas Gates – Background Analysis“ stand. Die passende Untertitelung (oder sollte man besser „Untersetzung“ sagen?) lautete „Thomas Gates – Background Check“. Ganz großes Kino sozusagen …

Ines Heimbuch, Mülheim an der Ruhr


Lieber Zwiebelfisch, Ihrer Kritik kann ich mich nur anschließen – obwohl ich auch zu der Spezies mit besagtem NY-Sticker gehöre. Es kommt aber noch schöner: Ich habe mir diesen Herbst auf TV 5 spät einen Historienfilm über Louis XV angesehen, dort werden die Filme leider auch immer mit unerwünschten Untertiteln versehen. Als die Sprache auf den Thronfolger, den Dauphin, kam, wurde dieses, Sie ahnen es schon, mit Delphin übersetzt. Zuerst bin ich vor Lachen fast aus dem Bett gefallen, später wusste ich nicht mehr, ob ich nicht eher weinen sollte.

Sylvia Braunleder, Aachen


In „Rocky Balboa“ steht Rocky vor einem alten Plakat, auf dem „Boxing“ steht – eingeblendete deutsche Unterzeile: „Boxen“. Wäre ich nie drauf gekommen. War Rocky etwa Boxer?

Marko Stuke


Das schönste Übersetzungskauderwelsch, das mir bis jetzt untergekommen ist, wurde allerdings nicht per Untertitel-Einblendung präsentiert, sondern per Off-Stimme. Und zwar in dem höchst mittelmäßigen TV-Thriller „Deadly Web – Terror im Internet“ (1996). Ein Bösewicht namens CyberGod terrorisiert eine Frau mittels Online-Attacken und wird letztlich mit Hilfe eines Online-Spiels ihres Sohnes habhaft. Die Mutter entdeckt schließlich besagtes Spiel auf dem Computer des Sohnes, und man sieht auf dem Monitor „CyberGod rules!“, also frei übersetzt in etwa „CyberGod ist der Größte“. Stattdessen hört man die schockiert-bebende Stimme der Mutter aus dem Off sagen: „CyberGod Regeln!“. Hier wäre keine Übersetzung die bessere Lösung gewesen.

Frank Trimborn


Als Luxemburger kriegen wir ja allerlei Mehrsprachiges zu sehen und hören, in Kinos immer englisches Original mit französischen und/oder deutschen, manchmal holländischen Untertiteln. Ich, wie die meisten meiner Bekannten, kann nicht umhin, die Untertitel zu lesen, auch wenn ich die englischen Filme tiptop verstehe – es scheint ein unbeherrschbarer Reflex zu sein. Der Nebeneffekt ist dann aber das Mitkriegen der horrenden Übersetzungen, Fehlinterpretationen, völlig verhunzten Wortspiele etc., und ich habe mich oft grün und blau geärgert, dass nicht ich diese Übersetzungen für teures Geld viel besser machen durfte … Mein Paradebeispiel an traduktorischem Totalversagen ist eine Schlussszene aus Barbra Streisands „Yentl“, wo es im Englischen heißt: „Watch me fly“ … und im deutschen Untertitel: „Sieh mir zu und flieg“.

Claude Pauly


Ich kann Ihnen nur zustimmen. In dem denkwürdigen Film „Frankenstein Junior“ von Mel Brooks gibt es ein Buch mit der Beschriftung „How I did it“. Die grandiose deutsche Einblendung lautete „Wie ich tat es“.

Jörg Bergemann


Vielen Dank für den wieder einmal äußerst erheiternden Artikel „ICH HERZ LA“. Als sprachverliebter und -begeisterter Mensch bin ich schon seit einigen Jahren ein großer Fan ihrer Kolumne und Bücher. Und auch dieses Mal haben Sie mir sozusagen wieder aus der Seele gesprochen.

Ein meiner Meinung nach wesentlich größerer Frevel wird jedoch bei der oft von Lieblosigkeit und/oder Unfähigkeit beherrschten Übersetzung der eigentlichen Filmdialoge begangen. Einer meiner Favoriten ist hier der Film „Total Recall“ mit Arnold Schwarzenegger – nicht primär aus cineastisch gehaltvoller Sicht, als vielmehr aufgrund eines schwere Kopfschmerzen verursachenden Fehlers in der deutschen Synchronisation. So fällt im englischen Original während einer Verfolgungsszene der Satz „I have a lock“, was sinngemäß mit „Ich habe ihn“ übersetzt werden könnte. „Ich habe ein Schloss“ erschien den zuständigen Sprachpfuschern aber offenbar sinngemäßer …

Sven Henrichs, Mainz


Die Filme von Sharukh Khan, dem indischen Superstar, muss ich im Original hören, alles andere passt einfach nicht, obwohl auch er (natürlich) ausgezeichnet in Deutsch synchronisiert wird. Natürlich verstehe ich null Hindi. Das heißt, ich weiß über lange Strecken nicht, wovon überhaupt die Rede ist. TROTZ Untertitel. Genau genommen verstehe ich kein Hindi ohne deutsche Untertitel sogar besser als kein Hindi mit Untertiteln. Ich bin dann so beschäftigt, einen Sinn in Sätzen zu finden wie: „Dein Sohn endlich wie Uhr hat gekommt!“, „Niemals sollen Schwalben und Bienen im See!“, „Töten? Ja! Gut, wenn frisch!“ usw., dass der Film ungesehen und unerhört an mir vorüberzieht. Gut, dass die englische Untertitelung oft – beileibe nicht immer – besser verständlich ist. Natürlich entsteht auch hier so manche Verwirrung, wenn es zum Beispiel heißt: „You wanted com her or no?? Then com write know or never!“ Tja, ein Sharukh-Fan zu sein, bedeutet harte Arbeit!

Claudia Kiel, Bamberg


 (c) Bastian Sick 2010

Zur Kolumne: ICH HERZ LA

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