Dienstag, 12. Dezember 2017
Home / Kolumnen / Von Dativ & Goliath / Anscheinend oder scheinbar?

7 Kommentare

  1. Beat Schneckenburger

    Bitte schreiben Sie einmal einen Artikel über „nicht weniger als“ vs „nichts weniger als“.

  2. Die Kolumne über „scheinbar“ und „anscheinend“ sollte man an alle Nachrichtenredaktionen senden.

    • …und auch noch an alle Synchronstudios und letztlich auch an Angela Merkel und alle anderen Politiker. Die haben nämlich allesamt noch nicht begriffen, dass man mit „anscheinend“ eine Vermutung äußert, weil etwas irgendwie erscheint und wohl auch so ist, während „scheinbar“ einen Tatbestand in sein Gegenteil verkehrt.

  3. Prof. Harald Scheel

    Ich habe den Zwiebelfisch schon vor drei Jahren aufgefordert, einmal in einer Rundmail an alle Zeitungs- und TV Redaktionen darauf hinzuweisen, dass es zwischen anscheinend und scheinbar einen fundamentalen Unterschied gibt. Schließlich handelt es sich hier um Multiplikatoren, die durch die Verwendung der falschen Begriffe dazu beitragen, dass die meisten Medienkonsumenten davon ausgehen, „scheinbar“ könne in jeder Situation eingesetzt werden (meistend ist in diesen Fällen „anscheinend“ gemeint). Meine Anregung war durchaus ernst gemeint, zumal mir aufgefallen ist, dass auch Politiker die Begriffe falsch einsetzen.
    In dieser Rundmail könnte auch noch auf das Sprachproblem: „genauso wie, besser als“, hingewiesen werden.

  4. Dr. Diether Steppuhn

    Es ist so einfach, sich den Unterschied zu merken! Wir lernten dazu vor Jahrzehnten (!) in der Schule diesen Merksatz: „Anscheinend und scheinbar sind nur scheinbar dasselbe, was anscheinend viele nicht wissen.“

    Es gab noch andere, etwa diesen: „Wer brauchen nicht mit zu gebraucht, braucht brauchen gar nicht zu gebrauchen.“

    Warum werden solche Merksätze heute nicht mehr gelehrt und gelernt?

    • Wenn ich erreichen will, dass mit Sprache bewußter umgegangen wird, sind oft bildhafte Erklärungen der Worte wirkungsvoll und überzeugend, weil von sich aus einprägsam. Ich versuche es einmal:

      Was mit schönem Licht an-geschienen wird, hat einen schönen An-schein, wirkt schön durch das Licht – mehr weiß man nicht sicher, weil der be-schienene Gegenstand selbst nicht genau zu sehen ist.

      Nimmt man den schönen Schein weg, dann sieht man die wahre, unverkleidete Gestalt. „Scheinbar“ ist eigentlich eine Verkürzung von „des Scheines bar“, wobei „bar“ im Sinne von „entkleidet“, also „nackt“ zu verstehen ist, so wie man es zum Beispiel von „bar-fuß“, dem nackten, entkleideten Fuß kennt.

      Um im Bild zu bleiben, ist „barfuß“ ein Fuß, der nicht im diamantenen Glitzerschuh versteckt seine wahre Form verbergen kann, sondern wie ein Schauspieler seine Maske abgenommen bekam.

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