Dienstag, 12. Dezember 2017
Home / Kolumnen / Von Dativ & Goliath / „Oh, du fröhliche“ oder „O du fröhliche“?

Ein Kommentar

  1. Interessanterweise gibt es das respektvolle o-Wort auch im Japanischen, z.B. „o-kuruma“ = das ehrenwerte (also „Ihr“) Auto. Das eigene Auto ist nur ein „kuruma“. In der Frauen- und Kindersprache werden teilweise auch alltägliche Dinge geehrt, wie z.B. „o-kane“ = das ehrenwerte Geld, „o-sushi“ = die ehrenwerten Sushi, während Männer meist weniger respektvoll einfach von „kane“ und „sushi“ reden. Das japanische o- kommt jedoch nicht aus dem Lateinischen, sondern ist wohl eine Kurzform zu den bedeutungsverwandten Vorsilben go- und gyo-, die vor langer Zeit aus dem Chinesischen übernommen wurden und dort ehemals die Bedeutung „kaiserlich“ besaßen. Beim Japanisch- Schreiben wird das respektvolle „o-“ entweder phonetisch durch (お) oder durch das chinesische Symbolzeichen (御) wiedergegeben, das seinerseits im heutigen Standardchinesischen „yù“ (Aussprache: ü mit fallendem Ton) gelesen wird. Das deutsche „oh!“ wird im Japanischen dagegen eher durch kurzes „a‘!“ (Erschrecken) oder durch gedehntes „aa!“ (Erstaunen) wiedergegeben.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *