Donnerstag, 21. September 2017
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Fremdwörter – problematisch oder hilfreich?

Fremdwörter - problematisch oder hilfreich?

Sehr geehrter Herr Sick, ich, Kira Langner, gehe in die 11. Klasse und bin Schülerin der Deutschen Schule Madrid. In dem Fach Deutsch muss ich ein Referat zum Thema „Fremdwörter und ihr Gebrauch“ halten. Mein Referat basiert aufgrund der zahlreichen Beispiele auf Ihren Text „Über das Intrigieren fremder Wörter“.

Nun komme ich zu meinem Anliegen: Könnten Sie mir kurz zusammenfassen, wie Sie über die vielen Fremdwörter in unserer Sprache denken? Bereiten sie uns zu viele Probleme oder können sie auch hilfreich sein?

Sie haben sich mit diesem Thema (Fremdwörter) ausgiebig beschäftigt und aus diesem Grund wäre es für mich eine Ehre, mit Ihrer Aussage mein Referat beenden zu können. Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen.

Mit freundlichen Grüßen, Kira Langner.

Bastian Sick antwortet: Liebe Kira! Fremdwörter sind ein fester Bestandteil unserer Sprache. Ohne sie wäre unsere Sprache deutlich ärmer und wir könnten viele Dinge gar nicht ausdrücken. Ohne Fremdwörter hätten wir nicht einmal eine Nase, denn die kommt vom lateinischen Wort „nasus“. Der Versuch der Nazis, das Wort „Nase“ durch das deutsche (Kunst-)Wort „Gesichtserker“ zu ersetzen, zeigt, wie unsinnig und engstirnig die pauschale Ablehnung von Fremdwörtern ist.

Dort allerdings, wo Fremdwörter aus modischen oder kommerziellen Gründen vorhandene deutsche Wörter ersetzen sollen (so wie „Sale“ statt „Schlussverkauf“, „Shop“ statt „Geschäft“, „Airport“ statt „Flughafen“, „Voucher“ statt „Gutschein“) sind sie mit Vorsicht zu genießen. Bevor man sie bedenkenlos übernimmt und nachplappert, sollte man sich überlegen, welche Funktionen sie tatsächlich erfüllen.

Sprache sollte immer den Kriterien Klarheit und Schönheit unterliegen. Kommerzielle Neuschöpfungen aus der Technik, dem Handel und der Werbung haben nicht immer etwas mit Schönheit zu tun.

Gutes Gelingen für deine Arbeit und herzliche Grüße, auch an deine Lehrer und Mitschüler!

Dein Bastian Sick

 

Lesen Sie hier die Kolumne „Über das Intrigieren fremder Wörter“

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4 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Sick,
    leider muss ich Ihnen mitteilen, dass „Nase“ keineswegs ein lateinisches Fremdwort ist, sondern vielmehr ein vom alten Indogermanischen über das Germanische ins Deutsche gelangtes Erbwort: auch ohne die Römer würde bei uns die Nase „Nase“ heißen.

    • Ich habe mich auch gewundert über ‚Nase‘, denn aus Indo-Germanischer Wanderung ist ursprünglich gesprochenes Germanisches Sprachgut ins Lateinische (und viele andere Sprachen) reingerutscht, Hochdeutsch ist ja auch noch erst kaum 500 Jahre alt. Oder? Unsere Dialekte sind durch English heute überall auf der Welt eingeschleust, ha, ha, ha, ..
      Wer hätte das gedacht? Wir stehen immer wieder auf und
      marschieren weiter. Hoffentlich…

  2. Wilhelmina Roling-Ludwig

    Gute Antwort, Bastian Sick, ich freue mich immer darüber, dass Sie das Deutsche so gut in seinem Ursprung kennen und denen vermitteln, die im Ausland leben, und natürlich für Deutsche im Heimatland. Alle Sprachen verändern sich über lange Zeit hinweg, – hat es nicht erst im frühen Mittelalter, nach Gutenberg, angefangen, eine englische Sprache in Schrift gedruckt zu geben? Dialekte sind heute noch schwierig zu drucken, oder bin ich da falsch? 50 Jahre in USA und, ich muss sagen, ich bin eine der wenigen hier in meiner Umgebung, die vom Niederrhein herkommen und mit katholischer Pensionat-Ausbildung ein einigermaßen ordentliches Deutsch schreiben.
    Bitte, lassen Sie mich wissen, Bastian Sick, was ich besser machen könnte.
    Sehr vielen Dank und, bitte, bitte…..
    Helmi R.L.

  3. Das Vermeiden von Fremdwörtern trägt nicht immer zur Verständlichkeit bei.
    Das berüchtigte Amtsdeutsch zeichnet sich z.B. durch den gut gemeinten, aber wenig hilfreichen Versuch aus, Fremdwörter strikt zu vermeiden.
    Ergebnis: Fernsprecher, fernmündlich, Kraftfahrzeug, Lichtzeichenanlage, selbsttätig … die jeweiligen Fremdwörter sind alle leichter verständlich. Wäre interessant mal eine Liste zu machen.

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