Dienstag, 30. Mai 2017
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Journalisten brauchen einen „Deutschlehrer der Nation“

Journalisten brauchen einen „Deutschlehrer der Nation“

Lieber Bastian Sick,

wenn man in den Fernseher schaut – egal welches Programm – so wird eines deutlich: der zunehmend schludrige Umgang mit der deutschen Sprache. Es ist dringend nötig, dass mal wieder ein „Deutschlehrer der Nation“ den Journalisten gutes Deutsch beibringt. Vor längerer Zeit hatten Sie schon einmal eine entsprechende TV-Sendung. Ist immer noch nötig, warum haben Sie damals bloß damit aufgehört?

Freundliche Grüße aus Stuttgart,

Wolfgang Kuhn

Bastian Sick antwortet: Lieber Herr Kuhn! Vielen Dank für Ihre Zeilen, über die ich mich sehr gefreut habe. Dass das sprachliche Niveau in den Medien nicht steigt, sondern weiter sinkt, ist eine bedauerliche Tatsache, die mit veränderten Prioritäten zusammenhängt. Der sprachlichen Genauigkeit wurde früher wesentlich mehr Bedeutung beigemessen. Was heute gemessen wird, sind allein noch die Quote und der wirtschaftliche Erfolg. Meine dreiteilige Sendereihe für den WDR war für mich ein spannendes, aber auch anstrengendes Experiment. Ich hätte es möglicherweise fortgesetzt, wenn der WDR gewollt hätte, was aber nicht der Fall zu sein schien. Wenn Sie einen Künstler, den Sie aus dem Fernsehen kennen, irgendwann im Fernsehen vermissen, liegt das in den seltensten Fällen am Künstler. Meistens liegt es an den Sendern.

Ich höre aber nicht auf, an neuen Geschichten und Büchern zu arbeiten. Und das sprachliche Niveau der Medien sorgt dafür, dass mir der Stoff nicht so schnell ausgehen wird.


Fotoalbum: Die Bastian-Sick-Schau im WDR

Video: Bastian Sick und Basta: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod

Video: Denglisch mit Jochen Busse und Susanne Petzold

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2 Kommentare

  1. Ich lese emsigst und höchsterfreut und verbreite umgehendst an sorgfältigst ausgewählte Freunde Ihre hoch-, wenn nicht sogar höchstgeschätzten Beiträge, wie sie treffender nicht sein können. Herr Kuhn spricht auch mir vom Herzen (und sicherlich und hoffentlich auch vielen Ihrer Leser), wenn langsam der Ruf nach einem Deutschlehrer der Nation laut wird. Dass seitens der Politik eher das Gegenteil erwünscht wird, erkennen wir am Sprachverhalten der Teilnehmer ? und natürlich Teilnehmerinnen! ? in den wunderbar gestalteten und sorgfältig(st) moderierten Talkshows, bei denen wir die sprachliche Eleganz und Ausdrucksweise unserer Politgrößen egal welcher Färbung in uns aufnehmen dürfen. Bei Fußballern will ich ja nichts sagen, aber bei Promis, die sich Bildung einbilden?
    Die Krone dessen haben wir ja erst kürzlich im Newsletter vom 19. Mai gesehen, das mit dem Leicht-Deutsch-Blöd-Sinn, wobei ich mich jetzt schwer tun würde, diese Zeilen in Leicht-Deutsch zu trans-ferieren, trans-formieren oder um-setzen zu müssen. Die Kommentare Ihrer Leser sprechen ja ebenfalls für sich.
    Wenn wir schon dabei sind: Wer kontrolliert oder redigiert eigentlich die Lieder-, pardon Songtexte unserer deutschen wahnsinnsoberprachtüberpowererfolgssuperg????? Schlagersängerinnen und ?Sänger? Gut, man hört ja meist drüber weg, bzw. gar nicht erst richtig hin und ?zu jedem Schlager gehört ein Bescheuert-Aspekt? (Ralph Siegel), aber hat das mal einer richtig durch gelesen? Wie, sowas w i l l keiner lesen? Ja dann?

  2. Eigentlich sehr schade. Aber das ist ja oft so. (Dass Quoten und wirtschaftlicher Erfolg alles sind, was zählt ) :-(
    Hätte ich nur vom WDR nicht gedacht …

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