Montag, 10. August 2020

Ländernamen mit Artikel/Ländernamen ohne Artikel

Wann wird Ländernamen ein Artikel vorangestellt und wann nicht? Diese Frage beschäftigt viele Leser – sowohl in Deutschland als auch in Österreich und in Schweiz. In Schweiz? Schon stecken wir mittendrin in der Problematik. Ob ein Ländername mit Artikel oder nicht genannt wird, hängt von seinem Geschlecht ab. Die allermeisten Länder sind sächlich, bei ihnen fällt der Artikel weg: Dänemark, Frankreich, Island, Großbritannien – allesamt artikellos. Gott sei Dank! Stellen Sie sich vor, wie lästig das bei Aufzählungen würde: „Mit der letzten Erweiterung kamen das Polen, das Ungarn, das Tschechien, die Slowakei, das Slowenien, das Lettland, das Litauen, das Estland, das Malta und das Zypern zur Europäischen Union.“ – „Das“ wäre ja unerträglich! So wurde bereits vor langer, langer Zeit auf den sächlichen Artikel verzichtet.

Mehr »

vor Ort/am Ort des Geschehens

Der Ausdruck „vor Ort“ ist ein treffliches Beispiel für die große deutschlandweite Karriere eines kleinen, sehr speziellen Idioms. „Vor Ort“ entstammt der Bergmannssprache. Das Wort „Ort“ gab es schon im Althochdeutschen, dort hieß es so viel wie Punkt, Spitze (und gemeint war die Spitze einer Waffe), äußeres Ende, Rand. Von Punkt und Spitze ist es nicht weit zu Stelle und Platz, und so verbreiterte sich die Bedeutung des Wortes „Ort“ allmählich zur Ortschaft. In der Bergmannssprache hat sich die alte Bedeutung „Spitze“, „Endpunkt“ gehalten. Der „Ort“ bezeichnet das Ende einer Abbaustelle, also jenen Punkt, bis zu dem sich die Bergleute vorgearbeitet hatten. Wer „vor Ort“ war, der befand sich dort, wo gerade gebohrt, gegraben oder geschaufelt wurde – also meistens unter Tage, mitten im Geschehen.

Mehr »

Albtraum/Alptraum

Dieses Wort bereitet unzähligen Lehrern, Schülern, Redakteuren, Setzern und Korrekturlesern nicht nur Alpdrücken, sondern auch noch Albdrücken. Tatsächlich sind seit Verabschiedung der Rechtschreibreform beide Schreibweisen zulässig. Bis dahin, also bis zum 1. August 1998, durfte das Wort nur mit „p“ geschrieben werden. Das erschien vielen aber nicht logisch, es wurde immer wieder argumentiert, dass der Nachtmahr doch nichts mit den Alpen zu tun habe, sondern mit Alben. Womit natürlich nicht Schallplatten oder Fotoalben gemeint waren, sondern die germanischen Geister, die Alben (auch Elben, heute: Elfen), die ursprünglich als Naturgeister der Unterwelt oder als Zwerge angesehen wurden, später von der Kirche als Dämonen und Gehilfen des Teufels stigmatisiert wurden, die sich den Menschen im Schlaf auf die Brust setzen und damit den sogenannten Alpdruck verursachten. Wie der Traum darf auch der Druck nun sowohl mit „p“ als auch mit „b“ geschrieben werden.

Mehr »

verwendet/verwandt

„Bei der Herstellung unserer Speisen werden nur hochwertige Pflanzenöle verwandt“, verspricht ein Restaurantbesitzer. Prompt weist ihn ein Gast darauf hin, es müsse „verwendet“ heißen. „Verwandt“ sei er mit seiner Cousine und seiner Tante, aber nicht mit Pflanzenöl. „In der Gastronomie sollte ruhig etwas mehr Sorgfalt auf Sprache verwendet werden“, sagt er seiner Begleiterin, die übrigens Angewandte Sprachwissenschaften studiert hat und nicht etwa Angewendete Sprachwissenschaften. Der Duden erkennt keinen Unterschied zwischen den Partizipien „verwendet“ und „verwandt“. Das Verb „verwenden“ in der Bedeutung „gebrauchen“ wird im Präteritum mal zu „verwendete“, mal zu „verwandte“. Im Perfekt seien sowohl „verwendet“ als auch „verwandt“ gebräuchlich. „Die Designerin verwandte ausschließlich farbige Stoffe“ ist genauso richtig wie „Die Designerin verwendete ausschließlich farbige Stoffe“.

Mehr »

verstorben/gestorben

In tiefer Trauer gibt Familie Heckeldorn das Dahinscheiden ihrer geliebten Yorkshire-Terrier-Hündin Tiffany bekannt, die am Sonntag nach dem Genuss eines 16 Zentimeter langen Marzipanbrotes „verstorben“ sei.

Mehr »

verschieden/unterschiedlich

Die Wörter „unterschiedlich“ und „verschieden“ werden oft synonym, also gleichbedeutend verwendet. „Verschieden“ kann nämlich sowohl „mehrere, manche, diverse“ als auch „von anderer Art“ bedeuten. Zwischen den beiden Aussagen „Henry und ich waren verschiedener Meinung“ und „Henry und ich waren unterschiedlicher Meinung“ besteht kein Bedeutungsunterschied. In jedem Falle waren Henry und ich nicht derselben Meinung.

Mehr »

überführt/übergeführt

Man kann sowohl einen Täter überführen als auch einen Leichnam. Der Unterschied liegt in der Betonung: Bedeutet das Verb „jemanden an einen anderen Ort bringen“, liegt die Betonung auf der Vorsilbe „über“.

Mehr »

Tür/Türe

Wenn der Dezember kommt, dann steht Weihnachten vor der Tür. Bei einigen steht Weihnachten allerdings auch vor der Türe. Das führt bei vielen Deutschen zu Verwirrung. Vor allem, wenn sie zum Beispiel an Bord derselben Lufthansa-Maschine („Thüringen“) sowohl den Hinweis „Bitte Tür schließen“ beachten als auch der Aufforderung „Bitte Türe vorsichtig öffnen“ nachkommen sollen. Wie ist es denn nun richtig? Türe oder Tür?

Mehr »

Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod. Schmuckausgabe

Datum: 20 Nov. 2006
Format: Hardcover
Verlag: KiWi
ISBN: 3462037269

Kaufen: AMAZON

Ein Wegweiser durch den Irrgarten der deutschen Sprache

Der Sensationserfolg als aufwändig gestaltete Hardcover-Ausgabe. Fast 2 Millionen begeisterte Leser hat Bastian Sicks »Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod« bislang gefunden. Grund genug, dies mit einer Schmuckausgabe – geprägter Leineneinband, Lesebändchen, farbiges Vorsatzpapier und ein für diesen Band eigens erstelltes Register – zu feiern. Bastian Sick ist ein kleines Wunder gelungen. Wer bislang mit Grausen an den schulischen Grammatikunterricht gedacht hatte, las plötzlich freiwillig über Zeichensetzung, den korrekten Plural oder guten Stil im Deutschen. Im März 2006 strömten 15.000 Zuschauer in die ausverkaufte KölnArena, um den »beliebtesten Sprachlehrer der Nation« (FAZ) live zu erleben. Sicks Erfolgsgeheimnis: Er ist kein grimmiger Erbsenzähler, sondern erzählt Geschichten – anschaulich und mit viel Humor. Inzwischen sind Bastian Sicks Kolumnen und Einwürfe zur deutschen Sprache Klassiker. Seine Leser schmunzeln, wenn sich beim Frühstück wieder über die, das oder der Nutella gestritten wird, wenn von Espressis oder Visas die Rede ist. Unnötige Anglizismen, inflationäre Apostrophe und überflüssige Bindestriche entgehen dem aufmerksamen Leser nunmehr genauso wenig wie falsche Mehrzahl oder inkorrektes Perfekt. Alle sind am Ende ein wenig schlauer – dank des »Dativs« und nicht dem Dativ zum Trotz.

Fremdenzimmer mit eigener Schlachtung

Halloween ist vorüber, doch das Grauen reißt nicht ab! Im beschaulichen Rothenburg hat „Psycho“-Mörder Bates ein neues Hotel eröffnet. Eine Schule fordert Eltern auf, die Teile ihrer Kinder einzeln zu beschriften. Dies und mehr Erschauerliches in den Zwiebelfischchen.

Mehr »