Freitag, 3. April 2020
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Wie spricht man »Quarantäne« aus?

Frage eines Lesers aus Pößneck (Thüringen): Hallo Herr Sick, als Freund der deutschen Sprache, insbesondere der korrekten Aussprache, ergibt sich für mich folgende Frage: Wie spricht man das Wort »Quarantäne« korrekt aus? Ich war bislang der Meinung, dass man es vorne wie »Quelle«, also »Kw…«, ausspricht. In den Nachrichten entscheiden sich die Sprecher jedoch meistens für »Karantäne«. Gibt es in Bälde auch die »Kal der Wahl« oder bleibt es bei der »Kwal der Wahl«? Vielleicht können Sie helfen? Vielen Dank!

Antwort des Zwiebelfischs: Wenn eines von uns Kindern beim Scrabblespiel mit meiner Großmutter den Buchstaben »Q« zog, schlugen quietschvergnügtes Quackeln und Quasseln stets in quiekendes Quaken und Quengeln um, denn das »Q« galt als Querulant und war als Quell schlimmer Qualen bekannt. Und wehe, man hatte zum »Q« kein »u« dazu! Dann wurde das erquickende Spiel zur quälenden Quest, dann qualmte der Kopf, dann quollen die Augen, als wenn man eine Quaddel quetscht!

In all diesen Fällen wird das »qu« tatsächlich »kw« gesprochen, denn das ist die Regel. Es gibt nur wenige Fremdwörter, die davon ausgenommen sind, nämlich solche, die aus dem Französischen oder aus dem Spanischen ins Deutsche gelangt sind. Das trifft auf die »Quarantäne« zu, die wir aus dem Französischen übernommen haben. Und weil die Franzosen das »qu« nur wie ein einfaches »k« sprechen, wurde die Quarantäne auch im Deutschen so gesprochen und folglich nicht zur »Kwarantäne«. Das Wort leitet sich übrigens von der Zahl 40 ab (französisch »quarante«), denn so viele Tage betrug die Hafensperre für seuchenverdächtige Schiffe. Ursprünglich stammt es aus dem Italienischen: Die »quaranta giorni«, die 40 Tage, wurden bereits im 14 Jahrhundert in italienischen Hafenstädten zur Eindämmung der Pest verhängt. Über das Französische gelangte es ins Deutsche, wo es im Laufe der Zeit zwar orthografisch angepasst wurde, die Aussprache mit [ka…] jedoch behielt. Das lag am hohen Stellenwert, den die französische Sprache bei den deutschen Bildungsbürgern genoss.

Auch der Billardstock, der (oder das) »Queue«, wird aufgrund seiner französischen Herkunft nur »Kö« gesprochen und nicht etwa »Kwö«. Ebenso das (inzwischen veraltete) »Quivive«, das mancher vielleicht noch aus der Redewendung »auf dem Quivive sein« kennt, was so viel wie »auf der Hut sein« bedeutet. Und nicht zu vergessen die »Quiche«, jenen leckeren Speckkuchen aus dem Elsass und Lothringen, der nicht etwa »Kwiesch« gesprochen wird, sondern »Kiesch«. Als ein Beispiel aus dem Spanischen darf die Hauptstadt des südamerikanischen Landes Ecuador herhalten: Quito wird auch im Deutschen »Kito« gesprochen (und nicht »Kwito«), da wir uns hier dem Spanischen anpassen. Das versuchen wir auch beim berühmten Don Quijote, indem wir ihn »Don Kichote« aussprechen und nicht »Don Kwiechote« oder »Don Kwieschotte«. »Qu«-Wörter aus dem Englischen hingegen – wie Query, Queen, Quilt, Quickie und Quiz – werden stets mit »Kw« gesprochen, da es auch im Englischen so gehandhabt wird. Am deutlichsten sieht man den Unterschied bei den Wörtern »Equipment« (= Ausrüstung) und »Equipe« (= Mannschaft), die beide erkennbar auf dieselbe lateinische Wurzel zurückgehen. Das Equipment kommt aus dem Englischen und wird mit »kw« gesprochen (Ekwippment), die Equipe hingegen nur mit »k« (Ekiep), da sie aus dem Französischen kommt.

Die »Quarantäne« mit »K« zu sprechen, ist also kein Fehler, sondern lediglich eine Imitation des Französischen. Sie statt mit »K« mit »Kw« auszusprechen wäre – auf gut Deutsch – gequirlter Quark.

Duden Bd. 5 »Fremdwörter«
Wahrig – Wörterbuch der deutschen Sprache


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14 Kommentare

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    Quler Artikel. 😉

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    Die Regel, dass das QU in Quarantäne als k und nicht als kw ausgesprochen werden soll, halte ich für ausgemachten Quark. Das Wort mag ja aus dem Französischen ins Deutsche gekommen sein, genauso wie es auch aus dem Französischen ins Englische gelangt ist, aber beide Übernahmen sind schon sehr lange her! Daher sprechen die Engländer ihre Variante „quarantine“ ganz selbstverständlich mit kw aus (d.h. als „kworentiin“), und ich finde, dass auch wir das Recht haben, ausländische Wörter einzudeutschen: ich habe bereits die letzten 70 Jahre „kwarantäne“ gesagt und werde dieses Wort auch weiterhin so und nicht anders aussprechen. Bei neuen Wort-Importen wie „quiche“, die noch als Fremdwort empfunden werden, ist das anders, da beuge ich mich gerne der französischen Urheberschaft und spreche es als „kisch“ aus, wie es übrigens auch in England üblich ist.

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      Habe es soeben in einem Duden aus den 1930ern [1] nachgeschaut und obwohl ich auch mit der kwa-Aussprache aufgewachsen bin und nach nunmehr reichlich vierzig Jahren erstmals mit der – scheint’s – mehrheitlich genutzten ka-Aussprache „großflächig“ in Berührung kam, scheint die ka-Aussprache seit den 1930ern in Gebrauch zu sein.

      Auch im DDR-Duden aus den 1960ern steht die ka-Aussprache.

      Es will mir zwar noch immer nicht ganz in den Kopf, aber es ist nicht die erste Erkenntnis über meine Muttersprache, welche sich erst nach Jahrzehnten einstellt(e).

      [1] Kann gern die entsprechenden Fotos beisteuern. Falls Interesse, kann dazu gern die angegebene Email-Adresse herangezogen werden.

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    Ich möchte ebenfalls widersprechen. Quarantäne ist kein Fremdwort mehr, sondern zu einem Lehnwort geworden, das sieht man ja schon daran, dass es mit „ä“ geschrieben wird und nicht mit „ai“. Ein Wort, das einen deutschen Umlaut enthält, soll französisch ausgesprochen werden?

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      Es bleibt Ihnen unbenommen, das Wort »Quarantäne« so auszusprechen, wie es Ihnen beliebt, sehr geehrter Arnd und sehr geehrter Algoviano. Nur wenn Sie Politiker, Lehrer oder Nachrichtensprecher werden wollen, sollten Sie wissen, dass die standardgemäße Aussprache »karantäne« ist. So zu finden im Duden Bd. 5 (Fremdwörter), im Wahrig und in jedem anderen deutschen Wörterbuch.

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    Auch ich möchte hier widersprechen. Das Wort „Quarantäne“ ist eindeutig als deutsches Wort zu erkennen, da es ein ä enthält.
    Warum sollte ich ein deutsches Wort mit Qu am Anfang anders aussprechen als Quelle, Quatsch und Quark?
    Und warum nur in der ersten Silbe französisch? Muss ich das „an“ in der zweiten Silbe dann auch nasal aussprechen, weil es aus dem Französischen kommt? Über das ä haben wir schon gesprochen. Und was mache ich mit dem e am Ende? Das wird im Französischen auch nicht gesprochen.
    Ich bin gerne bereit, französische Wörter auch französisch auszusprechen. Aber dann bitte alle Silben und auch die französische Schreibweise.
    Oder eben eingedeutscht. Und dann richtig.
    Aber dieser Aussprachemischmasch mit deutschem Umlaut ist Unfug.

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    Also eine Karriere als deutschsprachiger Nachrichtensprecher dürfte stark davon abhängen, wo man sich bewirbt. An den real existierenden Nachrichtensprechern im nördlichen und im südlichen Deutschland sowie in Österreich und in der Schweiz kann man gut beobachten, dass diese durchaus verschiedene Vorstellungen von standardgemäßer deutscher Aussprache pflegen – der deutsche Aussprachestandard ist nun mal „plurizentrisch“. Und was die deutschen Wörterbücher betrifft, so empfehle ich einen Blick ins amtliche Österreichische Wörterbuch (ich habe es hier leider nicht zur Hand, aber vielleicht kann jemand anders ein Foto vom dortigen Quarantäne-Artikel machen?). Die Ablehnung der kw-Aussprache mit dem Französischen zu begründen halte ich für sehr dünn, denn nicht nur im Italienischen, Spanischen, Portugiesischen, Polnischen und Englischen, wo das Wort ja bis heute mit „kw“ ausgesprochen wird, sondern – jedenfalls soweit ich weiß – auch im Französischen des 18. Jahrhunderts war die kw-Aussprache von „qua…“ noch weit verbreitet, also damals, als sich das französische Quarantäne-Wort über Frankreichs Grenzen hinaus verbreitete. Im Französischen scheint sich die kw-Aussprache in Teilen von Lothringen und der Champagne sogar noch bis ins 20. Jahrhundert hinein regional gehalten zu haben. Lediglich diejenigen Sprachen, die das Quarantäne-Wort erst in neuerer Zeit aus dem Französischen übernommen haben, sprechen es also berechtigterweise mit einfachem K aus – für uns Deutschsprachige wäre die älterfranzösische kw-Aussprache des „Fremdworts Quarantäne“ womöglich etymologisch richtiger. Davon abgesehen halte ich Quarantäne aber für ein inzwischen längst eingedeutschtes Wort, das keiner Aussprache nach fremden Regeln mehr bedarf.

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      Ich habe das gerade gegen meine Frau verloren, weil ich das Wort aus dem Italienischen übernehmend mit „Kw“ ausgesprochen habe. Aber ich kann Ihnen nachliefern, was das österreichische Wörterbuch dazu sagt. Das ich nicht weiss, wie man hier ein Foto anhängt, schreibe ich einfach ab.

      35. Auflage 1979 (aus meiner Schulzeit): Quarantäne die [karanten]
      43. Auflage 2016: Quarantäne [k-n(ɛ), auch kv-]

      Somit beinhaltet die für mich relevante Auflage (1979) die französische Aussprache.

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    Sehr geehrter Herr Sick,

    ich halte Ihre Ausführungen für sehr gut recherchiert und begründet und möche mich herzlich bei Ihnen dafür bedanken.

    Grüße vom östlichsten Osten Deutschlands!

    Stefan

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    @algovio: Sie sollten mal Ihre Ohren putzen. Im Englischen und Spanischen wird kein »w« [v] gesprochen. Allerdings wird im Österreichischen Wörterbuch die Variante mit [v] aufgeführt. War mir auch neu, ich akzeptiere sie aber. Sich so trotzig gegen die [ka]-Aussprache zu wehren, finde ich kindisch und eines über 70-Jährigen unwürdig. Hier noch was zum Lesen: https://gfds.de/der-buchstabe-q/

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    Barbara Collins

    Ich stecke gerade in einer Lernphase, lebe schon 50 Jahre nicht mehr in Deutschland, und fand den Artikel sehr interessant. Werde ihn noch mehrere Male lesen um Alles richtig zu verdauen. Sie haben ein grosses Wissen. Danke für die ausführlichen Erklärungen.

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    Ich habe ehrlich gesagt noch nie gehört, dass jemand das Q in Quarantäne als K ausspricht. Das heißt ja, dass die Aussprache zweier Sprachen in einem Wort kombiniert werden – ein Wortteil französisch gesprochen, der Rest deutsch.
    Nicht „Kwarantäne“ und auch nicht „Karantenn“, sondern halb und halb.
    Das kenne ich sonst nur von den Wörtern „Behaviourismus“ und „Scientologe“.

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