Sonntag, 29. August 2021

Zwiebelfisch

September, 2003

  • 3 September

    Die Sucht nach Synonymen

    Unter Journalisten ist ein Sport besonders beliebt: die Jagd auf Ersatzwörter. Gesucht werden einprägsame Stellvertreter und dynamische Platzhalter, die dem Text eine Extraportion Curry verleihen. Die Verwendung von Synonymen ist in manchen Ressorts so unentbehrlich wie der Reifenwechsel in der Formel 1. Seltsamerweise weiß jedes Kind, dass Michael Schumacher aus …

August, 2003

  • 27 August

    Brutalstmöglichst gesteigerter Superlativissimus

    Darf’s vielleicht ein bisschen mehr sein? Wenn Politik und Werbung Versprechungen machen, dann lassen sie sich nicht lumpen, da wird aus dem Optimalen noch das Optimalste herausgequetscht. Die Superlativierungs-Euphorie kennt keine Gnade, dafür umso mehr sprachliche Missgeschicke. Schon als Kind bekam man beigebracht, dass man „das einzige“ nicht steigern könne. …

  • 20 August

    Stop making sense!

    Screenshot eingesandt von Sara Brenner Seit einiger Zeit hat sich im deutschen Sprachraum eine Phrase breit gemacht, die auf die alte Frage nach dem Sinn eine neue Antwort zu geben scheint. Mit ihr feiert die Minderheitensprache Denglisch ungeahnte Triumphe, grammatischer Unsinn „macht“ plötzlich Sinn. „Früher war alles besser“, sagen ältere Menschen …

  • 13 August

    Unglück mit Toten, schwere Verwüstungen

    Ein Unglück kommt selten allein, heißt es, daher ist es nicht verwunderlich, wenn zur Entgleisung eines Zuges auch noch die Entgleisung der Sprache hinzukommt. Der stilistische Umgang mit Katastrophen kommt oft selbst einer Katastrophe gleich; Fähren, Busse und Züge voller Menschen verunglücken, die Sprache verunfallt. Katastrophen-Journalismus ist die vielleicht älteste …

  • 6 August

    Schrittweise Zunahme der Adjektivierung

    Mit wachsender Besorgnis registrieren deutsche Sprachwächter ein Phänomen, das als illegale Adjektivierung von Umstandswörtern bezeichnet werden kann. Ausgehend von der Wirtschaft, hat es inzwischen auch Politik und Journalismus erfasst. Selbst der Bundeskanzler trägt zu seiner Verbreitung bei. Da sitzt man nichts Böses ahnend beim Frühstück, schlürft seinen Kaffee, blättert noch …

Juli, 2003

  • 30 Juli

    Leichensäcke aus dem Supermarkt

    Für Verkaufsstrategen ist der Griff in die Englisch-Schublade längst zur Selbstverständlichkeit geworden. Um hiesige Produkte „hipper“ und „cooler“ zu machen, wird alles bedenkenlos mit englischen Vokabeln beklebt. Der Griff zum Wörterbuch hingegen wird oft vergessen. Da bleiben peinliche Irrtümer nicht aus. Eine wahrhaft gruselige Geschichte erlebte ein Student aus Oldenburg. …

  • 24 Juli

    Streit und kein Ende

    Im Streit über die ewige Streiterei in politischen Leitartikeln und das nicht enden wollende Hickhack, Gezerre und Gerangel um alles und jeden zieht der Zwiebelfisch die Notbremse und empfiehlt eine radikale Streit-Diät. Ab sofort heißt es verschärft: diskutieren, debattieren, argumentieren und auseinander setzen. Landauf, landab wird nur noch gestritten. In …

  • 16 Juli

    Golfkrieg zum Dritten

    Wer glaubt, das Thema Irak sei erledigt, befindet sich im Irrtum. Für die Historiker ist der Konflikt noch lange nicht beendet. An der Frage, unter welchem Namen der Krieg in die Geschichte eingehen soll, scheiden sich die Geister. Unter den Chronisten tobt ein Kampf um Zahlen. Am Anfang war ein …

  • 9 Juli

    Licht am Ende des sturmverhangenen Horizonts

    Redewendungen sind das Salz in der Buchstabensuppe, in der Journalisten Tag für Tag herumrühren. Mit bildhaften Vergleichen und lockeren Sprüchen lassen sich selbst staubtrockene Sachverhalte noch würzen und dem Leser schmackhaft machen. Im Überschwang passiert es bisweilen, dass der Salzstreuer in den Kochtopf fällt. Vom „Licht am Ende des sturmverhangenen …

  • 2 Juli

    Babylonische Namensverwirrung

    Und der Herr stieg hinab und verwirrte ihre Sprache, damit keiner mehr den anderen verstehe. Wie immer leistete er ganze Arbeit. Den Rest erledigten die Amerikaner. So wirkt die Verwirrung, die über die Babylonier kam, bis heute nach. Vor allem herrscht Unklarheit darüber, wie das Volk zwischen Euphrat und Tigris …