Dienstag, 4. Oktober 2022

Der gekaufte Schneid

Frage eines Lesers aus Erlangen:

Woher kommt die Redewendung „jemandem den Schneid abkaufen“? Und was genau bedeutet sie? Meine Internet-Recherche ergab bisher leider nichts. Können Sie mir helfen?

Antwort des Zwiebelfischs:

Zunächst einmal sei gesagt, dass „jemandem den Schneid abkaufen“ nichts mit einem Geschäft zu tun hat, auch wenn es sich danach anhört. „Abkaufen“ ist hier eine schönfärberische Umschreibung für „rauben“, „wegnehmen“. Das Wort „Schneid“ ist ein alter Ausdruck für Mut, Tatkraft und war im 19. Jahrhundert vor allem in der Soldatensprache anzutreffen. Wer Schneid hat, der besitzt Mut. Schneid und das davon abgeleitete Adjektiv schneidig sind verwandt mit der Schneide (eines Messers); denn wer kräftig und forsch daherkommt, der ist scharf wie eine Schneide. Wem der Schneid geraubt wird, dem wird der Mut genommen. Jemandem den Schneid abkaufen bedeutet daher heute noch jemanden mutlos machen, einschüchtern.

(c) Bastian Sick 2005


Diese Kolumne ist auch in Bastian Sicks Buch „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod, Folge 2“ erschienen.

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