Freitag, 20. Mai 2022

Zum Eingefrieren ungeeignet?

Frage einer Leserin aus Hannover: Mein Sohn ist heute mit einem Diktat nach Hause gekommen, in dem unter anderem der folgende Satz enthalten war: „… das zum Eingefrieren verwendet werden kann.“ Google kennt ca. 2000 Einträge für „eingefrieren“, aber korrigiert mich: Meinten Sie: „einfrieren“? Bitte helfen Sie mir, ich wüsste gerne, ob die Lehrerin einen Fehler gemacht hat!

Antwort des Zwiebelfischs: Wenn man darüber nachdenkt, was alles einfrieren kann und was sich alles einfrieren lässt, so stellt man fest, dass es eine grundsätzliche Unterscheidung zu treffen gilt zwischen der intransitiven und der transitiven Form des Wortes „einfrieren“. Im ersten Fall friert etwas selbst ein (zum Beispiel eine Wasserleitung), im zweiten Fall wird etwas eingefroren – Fleisch oder Gemüse zum Beispiel, oder diplomatische Beziehungen.

In dem zitierten Diktat ging es offenbar um die zweite Form – bei der Dinge wörtlich oder im übertragenen Sinne „auf Eis gelegt“ werden. Der Duden kennt für diesen Vorgang sowohl „einfrieren“ als auch „eingefrieren“, wobei er die zweite Form als Nebenform der ersten ausweist. Ich selbst kenne in diesem Zusammenhang nur den Ausdruck „einfrieren“. Aber das muss nichts heißen. Ich bin ein Nordlicht, und als solches lasse ich mich immer wieder gern überraschen von den vielfältigen Variationen, die der Süden zu bieten hat.

So ist im Badischen und im Schwäbischen das Wort „Eigfriere“ (also „Eingefrieren“) gebräuchlich, wenn’s ums Tiefkühlen von Lebensmitteln geht – im Unterschied zum „Eifriere“ (Einfrieren) der Zehen oder Finger an kalten Tagen. In der Pfalz sagt man entsprechend „oigfriere“, und in Bayern „eing’frian“. Im süddeutschen Raum ist übrigens auch das kuriose Wort „aufgefrieren“ bekannt – in der Bedeutung „auftauen“.

Zwar spricht man allgemein von „Gefrierschrank“ und „Gefrierbeuteln“ – es käme wohl niemand auf die Idee, „Frierschrank“ oder „Frierbeutel“ zu sagen. Die gängige Verbform im Hochdeutschen lautet indes „einfrieren“.

(c) Bastian Sick 2005


Diese Kolumne ist auch in Bastian Sicks Buch „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod, Folge 2“ erschienen.

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