Montag, 17. Juni 2019
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Rechtschreibfehler auf Ihrer Website bastiansick.de

Sehr geehrte(r) WebseitenbetreiberIn,

auf Ihrer Webseite bastiansick.de habe ich einige Rechtschreibfehler entdeckt. Ich hoffe, es ist in Ordnung, dass ich Sie davon in Kenntnis setze.

Fehlerhaftes Wort:

überhaubt

Auf dieser Seite:

https://bastiansick.de/kolumnen/abc/albtraumalptraum

Fehlerhaftes Wort:

Deutch

Auf dieser Seite:

http://www.bastiansick.de/kolumnen/zwiebelfisch/deutch-ins-grundgesaetz_2

Rechtschreibfehler können schnell ein schlechtes Image für das Unternehmen bei Besuchern und Kunden hinterlassen.

Mein Name ist Kirsten Adler und ich bin Studentin. Neben meinem Studium verdiene ich mir Geld mit dem Überprüfen von Webseiten auf Rechtschreibfehler.

Mit freundlichen Grüßen

Kirsten Adler
Web-Lektorin

Besuchen Sie meine Webseite!

Bastian Sick antwortet: Sehr geehrte Frau Adler! Im Prinzip ist Ihr Anliegen sehr löblich. Viele Internetseiten hätten eine gründliche Überprüfung sehr nötig. Ihre Herangehensweise ist jedoch zweifelhaft. Offensichtlich lassen Sie die Websites einfach durch ein Programm laufen, statt sie wirklich mit Ihren eigenen Augen zu lesen, wie man es von einem guten Korrektor oder einer guten Korrektorin erwarten kann.

Hätten Sie meine Internetseite selbst aufgesucht und die von Ihnen beanstandeten Artikel selbst gelesen, wäre Ihnen zweifellos aufgefallen, dass es sich um absichtlich gemachte Fehler handelt. Ein Wesensmerkmal meiner Arbeit ist der spielerische Umgang mit der Orthografie: Regeln werden von mir gerne mal auf den Kopf gestellt oder ad absurdum geführt. Buchstabendreher sind bei mir ein Stilmittel.

Sie schreiben, dass Rechtschreibfehler schnell ein schlechtes Image bei Besuchern und Kunden hinterlassen können. Dabei brachten Sie zwar die Wendungen „einen Eindruck hinterlassen“ und „ein Image erzeugen“ durcheinander, aber das ist nur eine Kleinigkeit gemessen an dem Imageschaden, den Sie sich selbst zufügen, indem Sie sich auf Computerprogramme verlassen, die für Sie das Netz nach Fehlern und potentiellen Kunden durchforsten.

Grundsätzlich spricht nichts gegen elektronische Hilfsmittel beim Verfassen und Bearbeiten von Texten. Die Endkontrolle sollte aber immer der Mensch selbst übernehmen. Auch was die Auswahl der Adressen betrifft, an die man Werbemails verschickt. Die sollte man niemals einer Maschine überlassen. Auf Ihrer Website konnte ich mir ein Bild von Ihnen machen. So charmant, wie Sie sind, können Sie es sich getrost leisten, wählerisch zu sein ? auch bei der Kundenakquise.

Ich kann mir vorstellen, dass etliche der von Ihnen angeschriebenen Adressaten ungehalten reagieren und Ihnen wütende Antworten schicken. Das täte mir leid, denn – wie gesagt – Ihr Anliegen ist im Grunde löblich. Der Zweck ist heilig, allein die Mittel verdienen es, von Ihnen noch einmal gründlich überprüft zu werden. Viel Erfolg dabei!

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24 Kommentare

  1. Avatar
    Barney vom Seewolf

    Vorzüglich geantwortet!

  2. Avatar
    Heike Bielow-Rehfeldt

    Die arme Studentin wird sicher vor Scham im Boden versinken…

  3. Avatar
    Gmünder Béatrice

    „Rechtschreibfehler können schnell ein schlechtes Image für das Unternehmen bei Besuchern und Kunden hinterlassen.“

    Bei diesem Satz zeigt sich ausserdem, dass die Satzlehre nicht die grösste Leidenschaft der „tüchtigen“ Korrektorin ist…

    Ihre Antwort, lieber Herr Sick, finde ich perfekt formuliert. Hat die selbst ernannte „Web-Lektorin“ schon Besserung gelobt? 🙂

    Mit frohen Grüssen (Grüßen) aus der Schweiz

    Béatrice Gmünder

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    Heinz Duschanek

    Das wird sie vielleicht nie lesen, denn das dürfte eine Fake-Studentin/Weblektorin sein. Vergleiche:
    http://kirstenadler.wordpress.com mit
    http://gerdafrei.wordpress.com

    Dazu gibt es auch einen sehr ähnlichen Beitrag bei
    http://cimddwc.net/2014/02/21/spam-und-rechtschreibung/

  5. Avatar

    „Es gibt bestimmte Wörter, die absichtlich falsch geschrieben wurden, die ich natürlich als Fehler markiere. So kann ich einfach sicher gehen, keine Fehler zu übersehen, gerade spezifische Wörter wie Fremdwörter oder technische Begriffe.“

    Stand das vor Ihrer Antwort auch schon auf der Seite der angeblichen Lektorin? 😉

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    Petra Brinkert-Lederer, Lektorin

    Wunderbar formuliert, höflich, galant und hochanständig. Reschpeckt! 😉

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    Gunnar Pallokat

    Eine sehr charmante Antwort, die einerseits die tatsächlichen, weniger an der Sprache interessierten Absichten der „Lektorin“ entlarvt, es der eifrigen Studentin jedoch andererseits auch ermöglicht, halbwegs ihr Gesicht zu wahren. Wer die Dativ-Reihe wirklich gelesen hat und sich für sprachliche Spielereien interessiert, weiß auch um Ihre mitunter absichtliche Fehlersetzung als Stilmittel.

  8. Avatar

    Der guten Kirsten Adler ihren selbstgewählten und garnicht existierenden Beruf, nähmlich Web-Lecktorin kommt aus dem Bereich Diplom-Twitter, oder Dauerfeezbocker, kann aber auch Ober-Wart?s-abb?er(in) sein. Jedenpfalz gibt es den schomma nicht. Und wenn schon, dann sollte sie mal bei Twitter schnüffeln, besonder?s wenn es um unsere ach so geliebten Superstar?s und Überpromis geht, da hätte sie auf Jahrzehnte zu tun, denn da kommt sie leicht auf die ?über 10 Fehler? je Blog oder Block, die dann lt. Ihrer Hoompätsch kostenflüchtisch werden, weil sie dort ja auch vermeldet, dass sie Gans tüchtich studiert, weil sie danach schnell und viel Geld verdienen möchte, sieh mal an, darauf ist noch keiner gekommen. Das wunderschöne Bildnis von ihr (Körbchengröße unbekannt, aber gut einschätzbar) sollte man mal anklicken, mit ?Maus rechts? in Google nach diesem Bild suchen, dort ?optisch ähnliche Bilder? anwählen und sich nur noch wundern. Nuguggemada! Wer Lust verspürt, kann dann die ?zig Seiten durchforsten und sich nicht mehr wundern. Jamileckst ?. Von wegen Lecktorin. Aber sie meint?s ja gut mit den im Deutchen recht unwissenden Deutchen, das sagen ja auch die vielen, von ihr eigenhändiglich verfaselten ?Kunden?-Meinungen. Solche wie meine komm? da nich vor.

  9. Avatar

    Bestens analysiert und klug geantwortet, nur gegen das Wort „Herangehensweise“ regt sich bei mir eine intensive Aversion. Es gehört zur „Hauptwörterei“, die man nach Reiners dringend vermeiden sollte. Hier ein Beispiel, wie man dieses Wortungetüm umschiffen kann:
    „Es ist jedoch zweifelhaft, wie Sie an die Sache herangehen.“

    • Avatar

      Ich danke Ihnen für den Hinweis, lieber Herr Kroll. Für eine spätere Buchversion werde ich den Text entsprechend umformulieren.

    • Avatar

      Wie Frau Adler an die Sache herangegangen ist, scheint mir nicht unbedingt zweifelhaft; ihre Herangehensweise im Unterschied dazu allerdings schon! Indem das „Wortungetüm“ „Herangehensweise“ durch einen viel längeren Nebensatz ersetzt wird, verändert sogar das eigentlich unbeteiligte „zweifelhaft“ seine Bedeutung von „fragwürdig“ zu „ungewiss“ und verändert damit die gesamte Aussage.

      NB: eine „intensive Aversion“ ist mir bisher noch nicht untergekommen. Darf ich das als „starke Ablehnung“ übersetzen, was sich da bei Ihnen regt? Und ließe sich das unter Vermeidung unnötiger Haupt- und Fremdwörter nicht besser wie folgt ausdrücken: „…, nur das Wort ‚Herangehensweise‘ lehne ich entschieden ab.“?

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      Da möchte ich aber noch eins draufsetzen: Mein verehrter, unvergessener Deutschlehrer (ein Dr. Krebs, damals im Gymnasium zu Rosenheim) hat uns immer eingeschärft
      – ung
      – heit/s
      – keit/s
      -Worte tunlichst zu vermeiden, denn das sei ‚undeutsch‘.
      Starke Ablehnung > starkes Ablehnen
      Vermeidung > Vermeiden
      usw.
      Ich weiß aber: Klappt nicht immer ohne Sinnverlust.

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    Mechthild Schneider

    Herrlich humorvoll wie immer. ich freue mich schon auf die Veranstaltung in Ludwigsburg (früher Stuttgart). PS: Darf man wirklich auch Acquise schreiben neben Akquise??

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      Hallo, Frau Schneider, der Duden sieht jedenfalls ausschließlich die Schreibweise „Akquise“ vor, wobei dieser Begriff als umgangssprachlich ausgewiesen wird, siehe „Akquisition“.

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    Schließe mich den Glückwünschen an. Aber seit wann schreibt man Acquise mit „c“?

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      Mein Fehler! Als Romanist passiert es mir häufiger, dass ich französische Lehnwörter französischer aussehen lasse als erlaubt. Ich ändere es sofort! Vielen Dank für den Hinweis!

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    Mittlerweile schreibt die Webkorrektorin auf ihrer Webseite allerdings nicht mehr „Mein Name ist …“ (wie wir es von vielen, vielen schlechten Synchronisationen aus dem Amerikanischen (sic!) kennen), sondern „Ich heiße …“

    Ein Lichtblick, immerhin.

    Ist sicher nicht ganz einfach, die beiden sinngemäß gleichen „Blogs“
    http://kirstenadler.wordpress.com/ und
    http://gerdaweblektorin.wordpress.com/
    konsistent zu halten.

    Welche Person wohl wirklich hinter den Webseiten steckt? Wer mag das wissen?

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    Ja, wirklich: Schaize, wänn Mann bleut iss!

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    Norman Brauer

    Ja, vorzüglich geantwortet auf die vorgezogene Bot-Kritik 😉
    Aber wem oder was wird diese Antwort vorgezogen und was ist ein Vor-(dem?)Zug überhaupt? Wie immer verwirrungstiftend …

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    Gabi Trillhaas

    Sehr charmant, Herr Sick!

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    Ich bekam vor ein paar Tagen eine ähnlich „professionelle“ Mail von einer Rita König – die Wörter „grausamben“ und „türckischen“ auf unserer Bibliotheks-Website wurden als falsch bezeichnet. Nur stammen die aus dem Titel eines Werkes aus dem Jahr 1684… http://library-mistress.blogspot.co.at/2014/07/rechtschreibfehler-fail.html

  17. Avatar
    Oliver B. Kazda

    … abgesehen davon, dass die Autorin auch die Terminologie des Internets falsch verwendet, indem sie zum Besuch ihrer „Webseite“ aufruft, ein immer wieder anzutreffender Übertragungsfehler aus dem Englischen.

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