Samstag, 20. Oktober 2018
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Der „Dativ“ vertreibt Nachtgespenster

Sehr geehrter Herr Sick,

nach dem Genuss der ersten vier Dativ-Genitiv-Bücher habe ich mich schon auf das nun vorliegende fünfte gefreut – und wurde nicht enttäuscht!

Was Sie fertigbringen, ist schon ein Kunststück: Sprachwissenschaft so zu verbrämen, dass köstliche Bildungsbonbons draus werden, die man sich mit Lust und Schmunzeln einverleibt. Wie oft habe ich schon nächtens wahllos aus einem Ihrer Bücher, die immer griffbereit bettnah deponiert sind, mir einen oder mehrere Artikel zu Gemüte geführt und damit erfolgreich dräuende Nachtgespenster verscheucht.

Dafür den Dank eines treuen Lesers! Im neuen Buch auf Seite 36 stolpere ich über den Satz: „Seit ihr Seit an Seit in den Kampf gezogen seid ?“; dabei “ meine ich “ sollte ein Apostroph hinter „Seit an Seit“ stehen ? oder ist das eine stehende Redewendung, bei der ein ausfallender Vokal nicht durch Apostroph ersetzt wird?

Auf Seite 82 ist kein Plural von Bedarf angegeben – ist Bedürfnisse nicht richtig? Wenn Sie einem Zahnarzt im Ruhestand da ein bisschen aus der Patsche helfen könnten, wäre ich Ihnen sehr verbunden. Ich wünsche Ihnen weiterhin bei Ihren Streifzügen durch den Deutschforst Sammlerglück und die Brillanz, aus simplen Fundstücken erlesene Köstlichkeiten verfertigen zu können.

Mit herzlichem Gruß

Dr. Reiner Spraul

 

Bastian Sick antwortet: Sehr geehrter Herr Dr. Spraul! Über Ihre freundliche E-Mail habe ich mich sehr gefreut!

Zu Ihren Fragen: Bei „Seit an Seit“  handelt es sich um eine feststehende Redewendung, bei der kein Apostroph vonnöten ist, zumal es sich um ein unbetontes „e“ handelt wie auch in „heut“ und „Gnad“, die ebenfalls ohne Apostroph geschrieben werden.

Und zum „Bedarf“: In der Tabelle ist erwähnt, dass der Wirtschaftsjargon „Bedarfe“ geprägt hat. Es gibt also einen Plural, auch wenn man ihn vielleicht nicht notwendigerweise braucht. Das Wort „Bedürfnisse“ ist ja die Mehrzahl von „Bedürfnis“, steht grammatisch gesehen also auf einem anderen Blatt. Inhaltlich jedoch kann es je nach Situation durchaus geeignet sein, den Plural von „Bedarf“ darzustellen.

Auch Ihnen weiterhin viel Vergnügen im Umgang mit der deutschen Sprache!

Herzliche Grüße, Ihr Bastian Sick

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