Donnerstag, 21. Oktober 2021

Heimspiel in Ratekau

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Anlass für meinen Heimatbesuch waren diesmal nicht meine Mutter, ihr Garten oder der Ostseestrand, sondern eine Benefiz-Veranstaltung zugunsten der Ratekauer Feldsteinkirche, die dringend saniert werden musste. Immerhin stammt das alte Gemäuer aus dem 12. Jahrhundert, und es ist erstaunlich, dass die Balken überhaupt so lange gehalten haben. Die Kirche hat aber nicht nur Feuersbrünste und Plünderungen überstanden, den Preußen und Franzosen als Pferdestall gedient, sie hat auch meinen Großvater predigen hören, meine Großmutter an der Orgel spielen hören und mich als Chorknaben ertragen. Insofern war es für mich selbstverständlich, dass ich mich mit einem Bühnenabend für die Erhaltung der Kirche einsetze.

Die Veranstaltung war von langer Hand geplant worden, und die Gemeinde hatte sich generalstabsmäßig vorbereitet. Straßen waren gesperrt oder in Einbahnstraßen umgewandelt worden, die Bevölkerung war per Zeitungsbenachrichtigung aufgerufen worden, möglichst zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehsmitteln zu kommen, da es rund um die Halle gar nicht ausreichend Parkplätze gab.

Bei strahlendem Sonnenschein traf ich in Begleitung meiner Assistentin und meines Agenten ein, der für dieses Ereignis eigens aus Bayreuth angereist war. Nachdem wir meine Mutter begrüßt hatten, die uns mit Kaffee und ofenfrischem Quarkkuchen empfing, machten wir uns auf den Weg zum Rathaus, wo die Honoratioren des Dorfes schon auf uns warteten.

Der Bürgermeister Thomas Keller hielt eine feierliche Ansprache, dann wurden (abermals) Kaffee und Kuchen gereicht, und schließlich durfte ich mich ins Goldene Buch der Gemeinde eintragen. Ich dankte dem Bürgermeister für seine Worte und erinnerte mich daran, dass ich schon einmal in diesem Rathaus von einem Bürgermeister empfangen worden war. Ich ging damals in die vierte Klasse und führte eine Schülerinitiative an, die für die Einrichtung eines Abenteuerspielplatzes kämpfte. Dazu hatten wir Unterschriften gesammelt, mit Eltern und Lehrern diskutiert und mit den Behörden korrespondiert. Unglaublich, wenn man sich vorstellt, dass wir damals gerade mal neun Jahre waren.

Es folgte eine Besichtigung der Kirche, genauer gesagt: des Dachbodens der Kirche, wo uns fachmännisch erläutert wurde, wie die alten Balken gerettet werden und wie man das uralte Gemäuer vor dem Einsturz bewahrt. Ich konnte sogar auf den Turm klettern und sah zum ersten Mal mein Elternhaus von oben.

Dann rückte der große Augenblick näher. Von überall strömten Menschen zur Mønhalle. Mehr als 1000 Besucher wurden erwartet, so viel waren noch nie in dieser Halle zusammengekommen. Zwei Dutzend Helfer von der Gemeinde, der Feuerwehr und dem Roten Kreuz waren im Einsatz.

Viele liebe Freunde, ehemalige Lehrer und Mitschüler waren gekommen. Und natürlich meine Familie, allen voran meine Mutter. Sie war an diesem Abend die Königinmutter von Ratekau. Ihr glückliches Gesicht allein war die Anstrengung wert.

Und dabei war es noch nicht mal eine wirkliche Anstrengung, denn der Abend war für mich ein großer Spaß. Ich konnte die Fälle mal link’s  – pardon: links liegen lassen und stattdessen ganz persönlich werden, bis hart an die Grenze zur Sentimentalität.

Im Anschluss sprach die Pastorin ein paar sehr rührende Worte, der Vorsitzende des Fördervereins zur Rettung der Kirche überreichte mir einen gerahmten Druck der Heimatkirche, und der Bürgermeister beglückte mich mit einer Flasche Sekt und einer Flasche Wein mit Ratekauer Logo darauf und einem getöpferten Gemeindewappen.

Und nach dem Händeschütteln, Freunde-Umarmen und Büchersignieren ging es dann in mein Elternhaus, wo meine Mutter die Familienmitglieder und Freunde noch mit Suppe verköstigte. Gegen Mitternacht machte ich mich auf den Weg zurück nach Hamburg, selig und erfüllt von so vielen schönen Eindrücken, strahlenden Gesichtern und rührenden Worten. Es war ein Tag wie aus dem Bilderbuch, wo alles stimmte, wo sich Berufliches und Privates aufs Angenehmste vermischten.

Die schönsten BILDER DES TAGES gibt‘s im FOTOALBUM.

Mehr zur Veranstaltung im Bericht der „Lübecker Nachrichten“

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