Samstag, 19. September 2020
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Adventslichter in der Adventzeit

Frage eines Lesers aus Österreich: Ich habe beobachtet, dass man bei uns im österreichischen Raum „Adventzeit“ sagt, während es in Deutschland auf Plakaten, Ankündigungen und in Fernsehzeitschriften immer „Adventszeit“ heißt. Mir persönlich ist Adventzeit sympathischer und logischer, für ein Fugen-s sehe ich keinen Grund. Welcher Ausdruck ist richtig?

Antwort des Zwiebelfischs: Ihre Beobachtung ist absolut korrekt. Das Wort Advent wird in Deutschland und Österreich unterschiedlich behandelt. Es wird auch unterschiedlich ausgesprochen. In Deutschland wird es allgemein mit einem weichen „w“ gesprochen und bekommt in Zusammensetzungen ein Fugen-s: Adventszeit ist die Zeit des Advents, hier lässt sich das Fugen-s also mit dem Genitiv rechtfertigen.

In Österreich wird der Advent vielerorts mit „f“ gesprochen und erhält in Zusammensetzungen kein Fugen-s: Adventzeit, Adventkalender. Dass Sie die Formen ohne Fugenzeichen schöner finden, ist ganz natürlich, denn man empfindet immer das als schöner, was einem vertraut ist. In Österreich ist „Adventzeit“ richtig, in Deutschland „Adventszeit“. Wie so oft gilt mehr als eine Möglichkeit. Besonders große Liebhaber des Fugenzeichens sprechen übrigens auch gerne vom „Adsventskranz“, denn das zischt so schön. Diese Form wird aber – wohlgemerkt – nur scherzhaft gebraucht und gipfelt in der Frage nach dem einzigen deutschen Wort, das vier „tz“ enthält: Atzventzkrantzkertzen.

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6 Kommentare

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    Ich verstehe zwar, dass einige Nordlichter dazu neigen, Süddeutschland zu Österreich zu zählen, aber das provoziert freilich auch Widerspruch. Ich lebe nicht in Österreich, sondern in Deutschland und spreche das „V“ im Advent trotzdem mit einem „V“ wie in „Vogel“, d. h. mit „F“. Korrekt ist dagegen, dass mir Adventszeit und Adventskranz leichter von den Lippen fließen als die Versionen ohne „s“. Mit Gruß aus Bayerisch-Schwaben.

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    Lieber Herr Sick,
    na, das fehlt noch, daß man uns jetzt auch noch das Fugen-s im Advent streitig machen will. Muß es doch ohnehin schon aus vielen Wörtern ungerechtfertigterweise weichen.
    Herzliche Grüße, ein frohes Fest und ein erfolgreiches wie gesundes Jahr 2014
    Mario De Rosa

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    Lutz Müller-Lobeck

    Waren das nicht 5 „tz“ in „Atzventzkrantzkertzenglantz“?

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    Das waere eine gute Idee fuer http://www.philhist.uni-augsburg.de/lehrstuehle/germanistik/sprachwissenschaft/ada/runde_8/

    😀

    Viel Spass beim zukuenftigen auseinandernehmen von Beitraegen in den Kommentaren, mit Glueck gibt es genug Material fuer einige Buecher 😛

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    Und noch ein Wort mit 6 „tz“:
    Mortzatzfentzkrantzkertzenglantz
    (= Mordsadventskranzkerzenglanz)

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