Donnerstag, 23. März 2017
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Ländernamen mit Artikel/Ländernamen ohne Artikel

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Wann wird Ländernamen ein Artikel vorangestellt und wann nicht? Diese Frage beschäftigt viele Leser – sowohl in Deutschland als auch in Österreich und in Schweiz. In Schweiz? Schon stecken wir mittendrin in der Problematik. Ob ein Ländername mit Artikel oder nicht genannt wird, hängt von seinem Geschlecht ab. Die allermeisten Länder sind sächlich, bei ihnen fällt der Artikel weg: Dänemark, Frankreich, Island, Großbritannien – allesamt artikellos. Gott sei Dank! Stellen Sie sich vor, wie lästig das bei Aufzählungen würde: „Mit der letzten Erweiterung kamen das Polen, das Ungarn, das Tschechien, die Slowakei, das Slowenien, das Lettland, das Litauen, das Estland, das Malta und das Zypern zur Europäischen Union.“ – „Das“ wäre ja unerträglich! So wurde bereits vor langer, langer Zeit auf den sächlichen Artikel verzichtet.

Ländernamen, die weiblich sind, haben den Artikel bis heute behalten. Von ihnen gibt es allerdings nur eine Handvoll:

die Dominikanische Republik, die Mongolei, die Schweiz, die Slowakei, die Türkei, die Ukraine, die Zentralafrikanische Republik

Ländernamen männlichen Geschlechts gibt es ebenfalls nicht besonders viele, und bei ihnen ist außerdem auch noch ein schwankender Genusgebrauch festzustellen. Die im Folgenden genannten Ländernamen können sowohl männlich als auch sächlich gebraucht werden. Werden sie männlich gebraucht, so stehen sie mit Artikel:

der Irak, der Iran, der Jemen, der Kongo, der Libanon, der Niger, der Sudan, der Tschad, der Vatikan

Der Name „Iran“ wurde früher grundsätzlich als männliches Wort angesehen, daher hieß es immer „der Iran“. Heute gehen immer mehr Redaktionen und Verlage dazu über, „Iran“ artikellos zu gebrauchen, da es im Persischen selbst keine Artikel gibt. Für viele Leser klingen Sätze wie „Anschließend flog der Minister nach Iran“ und „In Iran hat erneut die Erde gebebt“ ungewohnt. Es gibt jedoch keine Regel, die uns vorschreibt, die Aussprache und das Geschlecht eines Ländernamens aus der jeweiligen Landessprache zu übernehmen. Daher steht es jedem frei, „Iran“ weiterhin mit männlichem Artikel zu gebrauchen und entsprechend „in den Iran“ und „im Iran“ zu sagen.

Ebenfalls mit Artikel werden all diejenigen Länder geführt, deren Namen im Plural stehen:

die Bahamas, die Niederlande, die Philippinen, die Salomonen, die Seychellen, die USA, die Vereinigten Arabischen Emirate

Tritt ein Attribut vor den Namen, dann wird auch bei Ländern sächlichen Geschlechts der Artikel plötzlich wieder sichtbar: das schöne Österreich, das moderne Frankreich, das alte China, das wiedervereinigte Deutschland. 


Fundstück: Belgien oder Kongo?

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8 Kommentare

  1. Lieber Bastian Sick, als ich noch zur Schule ging, hieß es meiner Erinnerung nach ausschließlich „im Iran“ und „im Irak“. Erst als die US-Amerikaner mit dieser Weltgegend ihre Händel begannen und diese Länder monatelang die Nachrichten dominierten, schwenkten viele Medien auf die artikellose Version um, da diese eine wörtliche Übersetzung aus dem Amerikanischen war. Ich halte „in Iran“ und „in Irak“ für schlichte Anglizismen, so wie „in 2014“. Vielleicht wissen Sie mehr dazu?

  2. Barbara Schenkius

    Warum nur „die Niederlande“ bei der Aufzählung vergessen? Macht mich ganz traurig.
    Mit freundlichem Gruß, ein sehr großer Fan.

  3. Einen habe ich noch: den Senegal (zumindest laut Wikipedia ebenfalls mit Artikel).

  4. Michael Hauschild

    Auch die Elfenbeinküste kommt nicht ohne ihren Artikel aus.

  5. …und nicht zu vergessen: das schöne Saarland!

  6. Es gibt einen weiteren Unterschied zwischen den Ländern mit (m., f., pl.) und denen ohne (n.) Artikel:
    Wenn man die ohne Artikel besucht, fährt man NACH Dänemark, NACH Frankreich, NACH Tirol, NACH Graubünden.
    Eine Reise in die mit Artikel führt jedoch IN DIE Niederlande, IN DIE Schweiz, IN DEN Jura, IN DIE Steiermark, IN DIE Provence.
    Es gibt allerdings einige Ausnahmen: So fährt man nicht nach, sondern INS Wallis oder INS Tessin – wohl, weil deren Namen in ihrer Heimatsprache (französisch bzw. italienisch) nicht sächlich, sondern männlich (le Valais bzw. il Ticino) sind.

  7. Nachdem hier nicht nur fremde Länder, sondern auch das schöne Saarland erwähnt wurden, traue ich mich, als Ostpreußin, auch das schöne „Masuren“ als Beispiel anzuführen.
    Seit – ich weiß nicht mehr wie vielen Jahren – kann ich es nicht lassen, Reiseveranstalter, Reiseberichterstatter, Herausgeber von entsprechenden Artikeln und Büchern darüber aufzuklären, dass man nicht „in den“ Masuren lebte, sondern „in“ Masuren. (Das bin ich meiner alten Heimat schuldig, finde ich.)
    Man reist also nicht „in die“ Masuren, sondern „nach“ Masuren. Schließlich fährt man ja auch nicht „in die Bayern“ – es sei denn, man hat mit seinem Auto Böses im Sinn.

  8. Georg Schäfer

    Mit der Erweiterung der Diskussion von den Nationen auf Landschaften oder Regionen tut sich ein ganz neues Feld auf: Eben las ich beispielsweise einen Artikel über eine Weinprobe mit Weinen „aus dem Burgund“, die eine Reise „ins Burgund“ vorbereiten soll. Meiner bisherigen Meinung nach heißt es aber ganz einfach Burgund, also auch „aus Burgund“ und „nach Burgund“ – oder? Ähnlich verhält es sich mit dem Elsass (männlich oder sächlich?).
    Aber vollends die Krise bekomme ich, wenn Weinfreunde zu uns „ins Rheingau“ kommen wollen, obwohl der Gau schon immer männlich war und bleibt.

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