Mittwoch, 23. Mai 2018
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Immer schön politisch korrekt bleiben!

Zigauner Sauce (bearbeitet)_WZ (Marktkauf Gelsenkirchen) © Daniel Kruschinski 15.4.2011_q964sUZT_f.jpg

Im Zeichen der politischen Korrektheit wurde der Negerkuss in Schokokuss umbenannt, und aus dem Sarotti-Mohren wurde der Sarotti-Magier. Die Eskimo wollen nicht mehr Eskimo genannt werden und die Schnitzel nicht mehr Zigeuner. »Pippi Langstrumpf« konnte man mit ein paar Korrekturen gerade noch retten, bei »Winnetou« werden ein paar Korrekturen nicht reichen. Politische Korrektheit ist ein ernstes Thema. Gerade deshalb sollte man es nicht zu verkrampft sehen.   

Heute ist jedermann bemüht, politisch korrekt zu sein. Und was sage ich da: »jedermann« – jede Frau natürlich auch. Damit fängt es schon an. Denn dieses Land besteht schließlich nicht nur aus Bürgern, Wählern und Steuerzahlern, sondern genauso aus Bürgerinnen, Wählerinnen und Steuerzahlerinnen. Und – wie wir dank Alice Schwarzer wissen – auch aus Steuerhinterzieherinnen.

Der Weg zur politischen Korrektheit ist steinig und unbequem. Überall stehen Fettnäpfchen bereit, die nur darauf warten, dass jemand in sie hineintritt. Manches muss man mühsam erlernen.

Für meine erste Hausarbeit im Studium der Neueren Geschichte zum Thema »Deutsche Kolonialpolitik in Südwestafrika von 1894 – 1907« erhielt ich außer einer Note auch den gut gemeinten Rat meines Dozenten, von der Verwendung des Begriffs »Eingeborene« doch künftig besser abzusehen. Das war mir sehr unangenehm, und ich lernte, dass man auch harmlos erscheinende Wörter auf einen möglichen kolonialistischen Beigeschmack prüfen muss.

Mit Rücksicht auf die politische Korrektheit hat selbst Astrid Lindgrens berühmtestes Werk »Pippi Langstrumpf« einige Korrekturen hinnehmen müssen. Seit den achtziger Jahren gingen beim Oetinger-Verlag immer wieder Briefe besorgter Eltern ein, die Textänderungen in Lindgrens Klassiker »Pippi Langstrumpf« forderten. Stein des Anstoßes war das Wort »Negerkönig«: »Meine Mama ist ein Engel«, sagt Pippi gleich im ersten Kapitel, »und mein Papa ist ein Negerkönig. Es gibt wahrhaftig nicht viele Kinder, die so feine Eltern haben!«

Schwer vorzustellen, dass ausgerechnet Astrid Lindgren kolonialrassistisches Gedankengut verbreitet haben soll, wie Kritiker ihr vorwarfen. Einige Eiferer forderten gar, Astrid Lindgrens Werke gänzlich aus deutschen Büchereien zu verbannen. Die Autorin selbst fand die Aufregung übertrieben und sah keinen Grund, an ihrer »Pippi« auch nur ein Komma zu ändern. Erst sieben Jahre nach ihrem Tod traute sich der Verlag einen kosmetischen Eingriff: Seit 2009 sind die Bewohner von Taka-Tuka-Land keine »Neger« mehr, sondern
pippi_bunt_500»Eingeborene«, und Pippis Vater ist nicht länger »Negerkönig«, sondern ein »Südseekönig«. Das verschafft unserem kollektiven Gewissen wieder etwas Ruhe – jedenfalls so lange, bis die Bewohner der Südseestaaten gegen die Bezeichnung »Eingeborene« Protest einlegen und besorgte Eltern sich wieder hinsetzen und Briefe schreiben.

Das nächste Wort, das – zum Erstaunen vieler – auf dem Index der politisch inkorrekten Wörter landete, war »Eskimo«. Die größte Gruppe der Eskimo, die in Kanada und Grönland lebenden Inuit, forderte, das Wort »Eskimo« durch »Inuit« zu ersetzen, weil »Eskimo« nach einem älteren Verständnis »Rohfleischesser« bedeutete. Inzwischen gilt in der Wissenschaft aber als gesichert, dass »Eskimo« auf ein indianisches Wort zurückgeht, das »Schneeschuhflechter« bedeutet. Die Aufregung der Inuit war also unbegründet. Außerdem sind längst nicht alle Eskimo Inuit – die in Russland und Alaska lebenden Völker nennen sich Yupik und Iñupiat.

Wollte man anfangen, alle Völkernamen auf ihre ursprüngliche Bedeutung hin zu überprüfen und gegebenenfalls zu ersetzen, müsste man praktisch alle nordamerikanischen Indianervölker umbenennen. Denn tatsächlich tragen die meisten Indianerstämme einen Namen, den sie von ihren Nachbarn bekommen haben. Immer wenn die Europäer bei der Erschließung Nordamerikas Richtung Westen vorwagten, desto mehr Indianerstämme lernten sie kennen. Natürlich fragten sie erst einmal die, die sie bereits kannten, wie die anderen denn wohl hießen. Da Nachbarn bekanntlich nicht immer die höchste Meinung voneinander haben, sind viele der Namen, die die Europäer auf diese Weise lernten, nicht besonders schmeichelhaft. Die Apachen haben ihren Namen vom Pueblovolk der Zuñi. Bei den Zuñi hat das Wort apachù die Bedeutung »Feind«. Die Apachen selbst nennen sich Inde, was in ihrer Sprache »Volk« oder »Menschen« bedeutet.

Die Komantschen haben ihren Namen von den Utah-Indianern. Bei den Utah heißt komántcia »Feind«. Die Komantschen selbst nennen sich Nemene, was »Volk« oder »Menschen« bedeutet.

Der Name der Schoschonen bedeutet »die zu Fuß gehen«. So wurden sie von ihren Nachbarn genannt, die bereits Pferde hatten. Die Schoschonen selbst nennen sich Nime, was »Volk« oder »Menschen« bedeutet.

Die Irokesen haben ihren Namen von ihren Nachbarn, den Algonkin. Er leitet sich von einem Wort ab, das »Klapperschlangen« bedeutet. Die Irokesen selbst nennen sich Haudenosaunee, was »Bewohner des Langhauses« bedeutet.

Nicht einmal der berühmte Name Sioux bedeutet etwas Heldenhaftes. Tatsächlich handelt es sich um eine abwertende Bezeichnung für die Indianerstämme der Dakota und Lakota und bedeutet so viel wie »kleine Schlangen«. Die Dakota wiederum haben ihren Nachbarn den Namen »Cheyenne« gegeben, was »kleine Anderssprechende« bedeutet. Fast noch am günstigsten kommen die Navajo-Indianer weg, die ihren Namen einer Pueblosprache verdanken, wo er für »Ackerbauern« steht. Die Navajo selbst nennen sich übrigens »Diné«, was – nun raten Sie mal? Genau – »Volk« oder »Menschen« bedeutet.

»Pippi Langstrumpf« konnte man mit ein paar Korrekturen noch retten. Karl May wird man komplett einstampfen müssen.

Auch die Märchen der Brüder Grimm hielten einer politischen Kontrolle nicht lange stand. Nehmen wir nur mal »Schneewittchen und die sieben Zwerge«. Dass man Menschen von kleinem Wuchs als »Zwerge« bezeichnet, ist politisch völlig unkorrekt. In ein paar Jahren druckt deshalb vermutlich irgendein Verlag eine Neufassung unter dem politisch korrekten Titel: »Schneewittchen und die sieben Kleinwüchsigen«. Wer dagegenhält, Schneewittchens Freunde seien doch keine kleinwüchsigen Menschen, sondern putzige Fabelwesen, der verkennt die Entstehung dieser Märchenfiguren: Schneewittchens Zwerge gehen in der Tat auf Menschen zurück. In früheren Jahrhunderten wurden im Bergbau häufig kleinwüchsige Erwachsene und auch Kinder eingesetzt, da die Stollen niedrig und eng waren. Zu ihrem Schutz trugen sie Mützen aus Filz, die zum Teil mit Wolle oder Spänen ausgestopft waren. Das Bild der kleinwüchsigen Bergarbeiter mit den Filzmützen fand Eingang in zahlreiche Erzählungen und Märchen und – in Gestalt der Gartenzwerge – auch in unsere Gartenkultur.

Im vergangenen Jahr sorgte die Nachricht für Aufsehen, dass das Forum für Sinti und Roma verschiedene Lebensmittelhersteller aufgefordert habe, ihre jeweilige »Zigeunersoße« umzubenennen, weil der Begriff diskriminierend sei. Da war die Verlegenheit natürlich groß. Dass das Wort »Zigeuner« als herabwürdigend und diskriminierend gilt, ist vielen gar nicht bewusst – am wenigsten im Zusammenhang mit Soße und Schnitzel. Noch in den siebziger Jahren war das Wort »Zigeuner« aus der deutschsprachigen Unterhaltungsmusik gar nicht wegzudenken. Man denke nur an Alexandras Lied »Zigeunerjunge« (1967), oder an Cindy & Bert und ihren Schlager »Aber am Abend, da spielt der Zigeuner« (1974). Oder An Julio Iglesias: »Er war ja nur ein Zigeuner/Und alle wussten: So einer/Den bringt der Wind und der nimmt ihn auch mit/Und in sein Herz sieht keiner« (1978). Das können Sie heute nicht mehr spielen, geschweige denn singen, das ist nicht länger politisch korrekt.

Die Gastwirte der Stadt Hannover reagierten prompt und strichen das beliebte »Zigeunerschnitzel« von der Karte. In ganz Hannover gibt es keine Zigeunerschnitzel mehr. Ich habe keine Ahnung, was als Ersatz angeboten wird. Es wird aber wohl kaum ein »Sinti-und-Roma-Schnitzel« sein.

(c) Bastian Sick 2014 

Bilderstrecke: Von politisch oberkorrekt bis völlig unkorrekt


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34 Kommentare

  1. Das mit den Indianern ist ja total verblüffend. Das wusste ich gar nicht. Gut recherchiert! Wie immer. Danke für diese aufschlussreiche (und sehr korrekte) Kolumne.  

  2. Heißt es korrekt nicht „inkorrekt“? „Unkorrekt“ klingt in meinen Ohren schrecklich inkorrekt.

    • Liebe Natalie, in diesem Fall sind beide Formen möglich. „Inkorrekt“ ist sicherlich die korrektere, aber ich ermutige stets dazu, Fremdwörter einzudeutschen, damit sie nicht mehr so fremd (und bedrohlich) wirken. Außerdem begebe ich mich gerade wieder in Teufels Küche, da ich „korrekt“ gesteigert habe, was einige meiner Leser völlig un… nein: inakzeptabel finden, wie die Reaktionen auf die Kolumne „Tot, toter, am totesten“(http://bastiansick.de/kolumnen/fragen-an-der-zwiebelfisch/tot-toter-am-totesten/) gezeigt haben.

  3. Eusebia Mondkalb

    Weitere Vorschläge:

    Hauptmann –> Hauptfrau
    (Mannschaft, ….)
    Krankenschwester –> Krankenbruder
    (Bruderschaft, …)

    Königsberger Klopse –> Kaliningrader Klopse
    Danziger Goldwasser –> Gdansker Goldwasser

    usw.

  4. Auch politisch vollkommen korrekt sind die „Mutmaßlichen“:
    Der mutmaßliche Täter (bzw. die mutmaßliche Täterin) wurde bei dem mutmaßlichen Diebstahl eines mutmaßlich herrenlosen Fahrrads mutmaßlich von Passanten festgehalten bis die Polizei (mutmaßlich mit dem Streifenwagen) eintraf.

  5. So, so, der „Negerkönig“ heißt also jetzt „Südseekönig“. Und da war ich doch glatt der Ansicht, daß das Grundgesetz Zensur verbietet!

    Ich finde es ganz und gar nicht „gut und richtig, politisch korrekt zu handeln“. „Politisch korrekt“ kann im Vergleich und als Alternative zu einfach nur „korrekt“ nur eines bedeuten, nämlich „unkorrekt“! (Und „incorrect“ auf Englisch.)

    Bezüglich der zahlreichen „-innen“ finde ich es schon bemerkenswert, daß diese Endung seltsamerweise nur bei positiv besetzten oder neutralen Begriffen verwendet wird. Ich zumindest kann mich nicht erinnern jemals etwas von Rasern und Raserinnen, Säufern und Säuferinnen, Rauchern und Raucherinnen oder Hackern und Hackerinnen gehört oder gelesen zu haben. Das ist wohl auf jahrzehntelange Feminismus-Propaganda zurückzuführen, gegen die sich „politisch korrekt“, also unkorrekterweise, scheinbar niemand was zu sagen traut. In diesem Zusammenhang: Gibt es eigentlich auch „Frauenrechtler“ oder „Feministen“?

    Der Aussage von Martin These schließe ich mich an: Die Indianer-Info war wirklich interessant. Trotzdem: Hände weg von Karl May!

    An Eusebia Mondkalb: Wie wäre es mit „Nachkommenschaftslandschaftspflegerin“ statt „Kindergärtnerin“?

    • Inka Lohfeldt

      Lieber Helmut, zum Thema der –innen, die nur dort gefordert werden, wo es um positiv besetzte Begriffe geht, nie aber bei negativen, hat Bastian Sick eine köstliche Kolumne geschrieben. Sie heißt „Liebe Gläubiginnen und Gläubige“(http://bastiansick.de/kolumnen/zwiebelfisch/immer-schoen-politisch-korrekt-bleiben-1/) und ist – wenn man mir die Bewertung erlaubt – ein Klassiker. Viel Spaß beim Lesen! Ihre Inka

    • …und Hände weg von Struwwelpeter (Es ging spazieren vor dem Tor ….), auch vom Wilhelm Busch (Fips der Affe, Rache des Elefanten, Plisch und Plum V. Kapitel usw.), von Otfried Preußler und von Mark Twain ganz zu schweigen!

    • Vielen Dank, liebe Inka, für den Link (oder die Linkin?). Die Kolumne ist in der Tat sehr erfreulich.

      Zum Thema „Schnitzel“: Die korrekte Definition wäre „paniertes, (im Gegensatz zum unpanierten Steak) flaches Kurzbratstück, geschnitten aus Keule oder Rücken von Lamm, Schwein oder Kalb“. Wobei man natürlich auch aus Schulter, Hals oder Brust Schnitzel schneiden könnte, welche Teile sich dafür jedoch weniger eignen. Es sei denn man heißt Charlie Chaplin und sucht nach Alternativen zu Schuhen.

  6. Fehlt nur noch das Unwort „pro-russisch“ (oder ohne Bindestrich?). Ich kann es nicht mehr hören….

  7. Köstlich! Der Artikel spricht mir aus der Seele. Aber das Beste fehlt ja noch: das Thema Ausländer… äh, Menschen mit Migrationshintergrund. Wo mache ich denn da nächstes Jahr Urlaub? In der Heimat der Menschen mit Migrationshintergrund?

  8. Matthias Gründer

    Wer aus der Ableitung „der Bürger – die Bürgerin – die Bürger“ ein Politikum macht und demjenigen, der diese grammatisch korrekte Form benutzt, Frauenfeindlichkeit vorwirft, hat das ganze Problem der Diskriminierung der Frau nicht verstanden. Erst wenn eine Ingenieurin auch genau so viel verdient wie ein Ingenieur, dürfte das Problem wohl keines mehr sein; BürgerInnen jedenfalls sind sprachlicher Unfug.
    Im Übrigen müsste es nach der Logik der militanten „Binnen-I-Vertreterinnen“ auch eine „Tödin“ geben, oder etwa nicht?

    • Karl-Rudolf Winkler

      Die Tödin gibt es auch – jedenfalls in der Opernliteratur! In der Oper Jesu Hochzeit von Gottfried von Einem (Libretto: Lotte Ingrisch) wird die Rolle „Tödin“ von einem Sopran gesungen. Erstmals wurde die Oper im Theater an der Wien am 18.5.1980 aufgeführt.

  9. H.-A. Leukert

    Herr Kittner brachte es seinerzeit auf den Punkt, als er um Unterschriften für eines seiner Projekte warb, es lägen im Foyer Kugelschreiberinnen und Kugelschreiber bereit.

  10. Völlig korrekt, also correctly, führt uns unser Bastian vor Augen, wie man unser ansonsten doch seit Jahrzehnten gut verständliches Deutsch noch korrekter darbieten kann. Wenn es so weiter geht wird daraus wohl noch die korrekteste Sprache, frei von Ecken und Kanten. Kein noch so kleines Völkchen, keine noch so randige Randgruppe findet Anstoß an einem noch so beiläufigen, nebensächlichen Ausdruck, alle haben uns lieb. Eines jedoch gilt es zu bedenken:
    Wie lesen und verstehen denn dann Ausländer – Verzeihung „Nichtdeutsche“ unser korrektes Gelaber? Haben die nicht schon genug zu tun mit unseren Konjunktionen und Deklinationen, diese Nationen? Falls sie denn überhaupt noch Interesse an unserer Sprache haben.
    Zum Beitrag von Eusebia Mondkalb könnte man noch so einiges hinzufügen, was demnächst ganz sicher umgetextet werden muss:
    Jägerschnitzel >> Forstbeamtenbraten
    Schwedenhappen >> Skandinavierkleinimbiss
    Elsässer Wecken >> Ostfrankreicher Brotmischung
    Maurer-Laiberl >> Bauarbeiter-Brotmischung (gibt’s in München)
    Riesen-Bockwurst >> Großwüchsigenwildtierwurst
    Radler-Bier >> Fahrradsportlerbiermischgetränk

    Gespannt bin ich, was aus der in Bayern beliebten „Russn-Hoibe“ wird.
    Und wie wird der Zimmerer künftig das Krüppelwalmdach benennen müssen ….
    Ich jedenfalls habe Ski fahren noch auf einem Idiotenhügel gelernt.

    Und zu Uwe: Heutzutage ist aus rechtlichen Gründen zunächst alles erst mal mutmaßlich. Wenn sich z. B. der Mörder gerade noch über sein Opfer beugt, das Messer trieft noch, alles wurde im Video festgehalten, so bleibt er politisch korrekt solange der mutmaßliche Mörder, bis der einwandfreie Tod des Opfers durch 2 unabhängige Polizisten, 2 unabhängige Ärzte, den Oberstaatsanwalt und einen erfahrenen Bestatter festgestellt wurde.
    Im RTL wurde mal ein total zerknautschtes Auto um einen Baum gewickelt gezeigt, darin nur eine Person, verstorben, und das war tatsächlich der mutmaßliche Fahrer!

    • Blasphemie! Ein Schnitzel ist doch kein Braten.

      Aber davon mal abgesehen werden jeden Tag tatsächlich unzählige Menschen zu Kannibalen, wenn sie Frankfurter, Wiener und Debrecziner essen.

      Und den Amerikaner an der Backtheke hat auch noch keiner umbenannt.

    • Solange ein Schnitzel aus der Bratpfanne kommt, ist es für mich ein Braten. Vielleicht machen es die Franzosen richtiger, da steht es in der Menuekarte unter „les rôtis“. Wikipedia meint dazu:
      „Begriff [Bearbeiten]
      Heute wird der Begriff Schnitzel vor allem in der im 19. Jahrhundert in Österreich geprägten Bedeutung „von einem Kalbsschlegel geschnittenes und gebratenes Stück Fleisch“ oder daraus verallgemeinert für „zum Braten bestimmte dünne Fleischscheibe“ verwendet. Schnitzel werden vor allem aus der Keule von Schwein und Kalb gewonnen, teilweise auch aus dem Rücken.
      Der Begriff gilt sowohl für die rohe Fleischscheibe als auch für die Speisen daraus.“
      Zitat Ende.

  11. Die „political correctness“ zeigt sich heute darin, dass wir – umerzogen nach dem Krieg – so gute Menschen geworden sind, dass wir in vorauseilendem Gehorsam jede nur denkbare und möglich erscheinende, subjektive Betrachtung verändern: Wir wollen keinerlei Anlass zu Kritik bieten, nur nicht anecken. Im wirklichen Sinne politisch ist diese Korrektheit nicht, sie ist ja nicht von der „Polis“, der Gesamtheit der Bürger definiert worden, sondern wird per Diktat vorgegeben. Insofern ist auch der Begriff der „political correctness“ m.E. falsch, weil wir für den Augenblick definieren. Waren die von Nazis benutzten Begriffe damals politisch korrekt? Was werden die Bürger in zwei Generationen über unsere heutige Art der Sprachveränderung sagen?
    Insofern stolpere ich auch über Ihre Aussage „Ich finde es gut und richtig, politisch korrekt zu handeln“. Inhaltlich stimme ich Ihren Aussagen allerdings zu, Diskriminierungen, Herabwürdigungen usw. zu unterlassen.

  12. Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, als die Behinderten noch „Schwerbeschädigte“ genannt wurden.
    Noch bis in die achtziger Jahre befanden sich in den Straßenbahnen gelbe Schilder mit der Aufschrift „Für Schwerbeschädigte mit amtlichem Ausweis“.

    Weil es für diskriminiernd und unkorrekt gehalten wurde, hat man es in „Behinderte“ abgemildert. Und das ist jetzt ebenfalls unkorrekt?
    Aber dank der blauweißen Piktogramme bleiben uns Schilder mit der Aufschrift „Für Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung“ ja wenigstens erspart.

  13. Am Ende ist Neger doch gar nicht so schlimm, denn es bedeutet Schwarzer. Dass man diese nun als Farbige bezeichnet, ist nun auch nicht viel anders. Irgendwann kommen diese Begriffe wieder als korrekt zurück. Wie bei „schwul“, das als Schimpfwort galt. Nun ist der Ausweichbegriff „Homo“ wohl das größere Schimpfwort, weshalb die Betroffenen lieber wieder als Schwule bezeichnet werden möchten. (Wikipedia: Euphemismus-Tretmühle)

    • ….. richtig, Udo!
      Und überlegen wir mal: Was machen wir mit der immer noch üblichen Bezeichnung „Negrid“ oder „Negroid“ ? Wie soll man das nun sinnvoll SO vereindeutschen (einverdeutschen?), dass es TOTAL unverfänglich ist, aber die Bedeutung nicht verliert?

      Bastian hilf!

  14. Herrlicher Artikel, die Infos zu den Indianern überrascht mich nicht, war mir aber nicht bewusst, vielen Dank.
    Zum „Hallo Fräulein“ im Restaurant gehört doch auch noch das „Hallo Schwester“ im Spital!
    Anstelle von „Behinderten“ wird heute vermehrt auch von „Menschen mit speziellen Bedürfnissen“ gesprochen, was sich für die Beschriftung von Toiletten doch sehr eignen würde, da es in diesem Fall doch wunderbar doppeldeutig passt.
    Da ist es bezüglich „Menschenrassen“, falls man das noch sagen darf, einfacher, da ist einer ein Europäer, allenfalls spezifisch ein Schweizer, ein Afrikaner oder wenn man es exakter weiss, ein Ghanaer. Auf den zweiten Blick wird es in Afrika aber dann auch wieder schwierig mit der kolonialen Grenzziehung und allen geschichtlichen Ereignissen, die den Alltag prägen.
    Bei den Afro-Amerikanern wird es auch schwierig, weil sie dieser Begriff schon fast abstempelt und sie ihre eigene ursprüngliche Herkunft gar nicht kennen.
    Deshalb ist diese political correctness in den USA so wichtig und wird auch ad absurdum geführt.

  15. Rudolf Mohler

    Für mich ist das einfach ein riesengroßes Affentheater. Und damit bin ich politisch wohl schon inkorrekt. Denn man sinniert ja bereits darüber nach, ob man mindestens den höherentwickelten Säugetieren nicht eine eigene Rechtspersönlichkeit zuzugestehen hat. Allerdings hat noch kein „Politisch-korrekter“ sich bis jetzt gewagt zu sagen, wo dann die Trennlinie kommt.
    So alte Begriffe wie das „Zigeuner Schnitzel“ oder der „Mohrenkopf“ kann doch nur im Kopf von Leuten inkorrekt werden, die keine andern Probleme mehr haben. Das ganze ist natürlich noch mit einer „Gender-Sauce“ begossen. Interessant dabei ist nur, daß man bei gewissen Begriffen vornehm auf die Gender- und politische Korrektheit verzichtet. Lesen Sie im allgemeinen Begriffe wie: Räuberin, Mörderin, Diebin, Pädophilin etc. ??
    Ich kann nur sagen: Stellt den Blödsinn ab. Am einfachsten geht das, indem man einfach nicht mitmacht.

  16. Hans-Peter Meyer, Basel

    Zu Ihrer Aussage, „dass das Wort „Zigeuner“ als herabwürdigend und diskriminierend gilt, ist vielen gar nicht bewusst“ kann ich Ihnen das genaue Gegenteil liefern:
    „Zigeuner nennen sich auch selbst „Zigeuner“; anders als die politisch korrekten deutschen Medien meinen, fühlen sich diese „Angehörigen eines weitverbreiteten Wandervolkes“ (Deutsches Wörterbuch) durch diesen Ausdruck nicht beleidigt. Der Ausweis, den die internationale „Zigeunerunion“ in Französisch, Deutsch und Englisch ausstellt, sagt ganz deutlich: „Dieser Personalausweis ist gültig für alle Zigeuner der Welt.“
    Quelle: Walter Krämer, Götz Trenkler, Denis Krämer, „Das neue Lexikon der populären Irrtümer“, Piper Verlag GmbH, München, Oktober 2000, Seite 376

  17. Guenther Stachel

    Danke Bastian!
    Ich bin einverstanden mit dem Gedanken, die Korrektheit nicht herbeizupressen. Hilfreich finde ich den Satz eines in Wien lebenden Afrikaners: „Wenn ein Freund einen Spitznamen nicht mag, werde ich diesen Namen nicht mehr verwenden“.
    Liebe Grüße
    Günther

  18. info@schwintowski.com

    Sehr nett, Herr Sick, wie Sie zum Ober die Oberin gesellen – wiewohl ich mir nicht sicher bin, ob da zwischen Ihren Wörtern der Schalk hervorblitzt oder ob die Gegenüberstellung ein Versehen ist, denn die Oberin ist seltener in Restaurants als in Klöstern anzutreffen, wo sie gar den vorangestellten Zusatz „Mutter“ trägt. Was nun die „Bedienung!“ in Gaststätten angeht, ließe sich die politische (?!) Korrektheit kaum besser als mit Kellner und Kellnerin herstellen (zumal, wer den Ober bemüht, auch damit rechnen muss, dass ihm irgendwann ein „Unter“ begegnet, was gerade in Politikerkreisen häufig befürchtet wird).

    Ferner sei dieser Hinweis gestattet: Unsere österreichischen Nachbarn dürfen sich darüber freuen, dass der Eskimo dort noch immer wohlgelitten ist – als Eismarke der Firma Langnese.

    MfG
    Bernd Schwintowski

  19. Ein sehr interessanter Beitrag zu einer häufig geführten Diskussion. Bezüglich der Eskimos (und anderer indigener Bevölkerungsgruppen, um nicht „Eingeborene“ zu sagen) stellt sich mir immer wieder eine Frage: Ist es wirklich so schlimm, wenn andere einen anders nennen, als man sich selbst? Beschwere ich mich bei meinen englischen Geschäftspartnern, dass sie mich Germane schimpfen, oder bei den Spanisch sprachenden Freunden und Freundinnen, dass ich kein Alemanne sei, als Norddeutscher ja nicht einmal die alemannische Mundart verstehe? Natürlich ist es unschön, dass solche Begriffe einmal despektierlich gemeint waren – aber was bitteschön haben denn die Römer unter Germanen verstanden! Soll ich mich da geschmeichelt fühlen?
    Und speziell bezüglich „Behinderte“ meine ich mich zu erinnern, dass dies einmal der Versuch war, das Wort „Krüppel“ mit einem weniger wertenden Ausdruck zu ersetzen. Also einmal „p.C.“ war. Sicher ist „behindert“ kein schönes Wort. Aber ist „beeinträchtigt“ besser – oder wird es in Zukunft genau den Weg der Behinderung gehen? In meinen Augen ist dies ein Beispiel, dass nicht immer nur die Sprache das Bewusstsein prägt, sondern das Bewusstsein auch stark die Sprache. So lange also abfällig über „Beeinträchtigte“ gedacht wird und sie abfällig behandelt werden, wird jedes Wort, dass wir benutzen, einen abfälligen Beigeschmack erhalten. (meine „beeinträchtigten“ Bekannten betiteln sich selbst übrigens als „Kloppis“ …)

  20. Tja, die politische Korrektheit…die treibt schon (w)irre Blüten!

    Vorweg: Ich bin ein Freund der Gleichberechtigung, die es zum Glück heute gibt! Doch ist „Gleichberechtigung“ das Selbe (oder gar Gleiche) wie „Gleichmacherei“?
    Jeder/Jede der/die schon einmal einen längeren Text, angefüllt mit aberwitzigen angeblich gleichstellenden oder gleichmachenden Wortverballhornungen und „Schrägstrichinnen“ lesen musste, wird beipflichten: Es ist ein Graus! Dahingehend werden auch emanzipierte Frauen nicht widersprechen (können). Woher kommt denn dieser Aberwitz nun?
    Meiner Meinung nach kommt er aus einem völlig falschen Verständnis des Begriffs „Geschlecht“, der auch mit einer Unzulänglichkeit der deutschen Sprache zusammenhängt. Denn wir machen sprachlich keinen Unterschied zwischen dem biologischen Geschlecht und dem grammatikalischen. Im Englischen ist das einfacher, denn da gibt es „sex“ und „gender“. Der „gender“, also das grammatikalische Geschlecht eines Begriffes, ist den meisten englischen Muttersprachlern oftmals völlig unbekannt oder nicht geläufig. Das liegt sicherlich auch daran, dass es nur einen Artikel gibt, nämlich „the“, anders als im Deutschen, wo der „gender“ bereits durch die Verwendung von der/die/das ersichtlich und „fühlbar“ wird. Kein Engländer oder Amerikaner käme auf die Idee nach einer männlichen und einer weiblichen Form des Begriffs „teacher“ zu suchen. Bei uns kommt (bisher zumindest) ja auch niemand auf die Idee für den Begriff „Tisch“ eine weibliche Entsprechung zu bilden, nur weil es zufällig „der Tisch“ heißt. Ebenso zufällig ist es eben „der Lehrer“. Der Begriff und (hier) der Beruf bzw. dessen Bezeichnung haben sich historisch und grammatikalisch nunmal so ausgebildet. Ich kann darin HEUTE keinerlei Zurücksetzung/Herabsetzung von Frauen oder weiblichen Lehrern sehen.
    Ich finde vielmehr, dass die wirklichen Erfolge der Emanzipation der Frauen durch solche Lächerlichkeiten herabgesetzt werden. Stolze Frauen, die voll im Leben stehen, brauchen doch solche vordergründigen Kinkerlitzchen nicht, um sich ihres Wertes und ihrer Stellung in der Gesellschaft zu versichern, dessen bin ich sicher.
    Meine amerikanischen Freunde (beiderlei Geschlechts) können übrigens mit dieser deutschen Form der politischen Korrektheit nicht nur nichts anfangen – sie verstehen überhaupt nicht, um was es geht – und wenn ich es ausführlich erkläre, finden sie es zum Lachen.

    Im Übrigen spricht mein Freund, der im Rollstuhl sitzt von sich selbst als „behindert“ – denn es behindert ihn ja auch in seinem Leben. Nur weil manche Leute (vermutlich „Nicht-Beeinträchtigte“) plötzlich entscheiden haben, dass ein Wort unpassend oder gar „böse“ sei, muss das noch lange nicht stimmen. Auch dahinter steckt eine falsche Form von Sprachverständnis: Nicht Begriffe sind „schlecht“ oder „unkorrekt“, sondern einige Personen benutzen sie auf unkorrekte Weise. Sollte man nicht eher diesen Personen nachgehen, als den Begriffen?

  21. Fritz Schulze

    Apropos: Anglizismen
    Ich lebe seit 1959 im Ausland und bin bestrebt, mein Deutsch aufrecht zu erhalten. Ich bin auch allgemein an Sprachen interessiert. Deshalb versuche ich durch Lesen deutscher Zeitungen und Artikel im Internet der Entwicklung der deutschen Sprache zu folgen. Am Auffaelligsten ist dabei der Influx der Anglizismen. So las ich neulich in einer Ausgabe von „Daheim“ von einer (-em) „Trail“ in einem Naturschutzpark. Ich dachte immer dort gaebe es „Wanderwege“. „Outen“, „Walking“ u.ae. sind andere Ausdruecke, die mir im Hals stecken bleiben. „Panta rei“, alles fliesst, pflegte mein Deutschlehrer zu sagen, und wie zu Napoleons Zeiten sich das Franzoesische in meinen schwaebischen Heimatdialekt eingeschlichen hat, ist es heutzutage eben das Englische.
    Auch die englische Sprache ist einem aehnlichen Wandel unterworfen.
    Freundliche Gruesse, Fritz Schulze, Kanada

  22. Anny- Christa Schilling

    7 Ohroperationen konnten nichts ändern: Ich bin ertaubt. Hörbeeinträchtigt. (Mit 2 Hörgeräten in den Schädelknochen verankert (=Bahas) kann ich noch sprachlich kommunizieren.) Trotzdem: Ich bin, gendergerecht ausgedrückt, eine Taube. Davon gibt es viele Arten. Verwilderte Haustauben sind unbeliebt, deren Anzahl muss eingedämmt werden. Dann gibt es Zuchttauben (entfällt, bin 77), Brieftauben (heute ist mailen und telefonieren mehr angesagt), Holztauben, Türkentauben usw. Da ich mir trotz allem meinen Humor nicht nehmen lasse, habe ich mich zur Bezeichnung Lach- Taube entschieden!

  23. Über PC lässt sich diskutieren, obwohl man (zu oft) an die Grenzen der Lächerlichkeit stößt. Dass auch das Wort „Eingeborene” unter das Beil dieses Wahns fällt wundert mich. Solche Dinge sind meistens kontraproduktiv. Es ist das selbe Wort als das französische “indigène” oder “autochtone”.
    In diesen Zeiten des anschwellenden Nationalismus (um nicht Faschismus zu sagen), kommt des öfteren der Begriff “français de souche” (im Gegensatz zu dem was man in D als „Immigrationshintergrund“ bezeichnet) vor und wurde salopp als “souchiens” abgekürzt. Was denen, die es nicht sind, die Gelegenheit gab die ‚eingeborenen‘ Franzosen als “sous-chiens” zu beschimpfen.

  24. Das Spiel mit der Indianer-(sind das im Deutschen noch „Indianer“ oder auch „amerikanische Ureinwohner“?)-Selbstbezeichnung als „Menschen“ bzw. „Volk“ trifft doch bestimmt auch mit gewisser Wahrscheinlichkeit auf die europäischen Volksgruppen zu, oder?

    Die Sache hat mich aber ingesamt an eine Anekdote erinnert, die der Centauri-Botschafter/Imperator im Buch-zur-Serie „Babylon 5: In the Beginning“ erzählt:

    Auf Seite 2 heißt es:
    „The Humans were a rather unimaginative lot. Even their planet name was astonishingly uninspired. Earth. Named for dirt. Second in unoriginality to their designation for the single moon that orbits their world. Namely: the Moon.“

    Und auf Seite 23:
    „News of the President’s illness had been broadcast on their news network with a gravity that could easily have been ascribed to a story about their sun going nova. (They named their sun „the Sun by the way. Truly the imagination of their ancestors was boundless.)“

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