Montag, 20. September 2021

Heißt es „im Irak“ oder „in Irak“?

Frage an den Zwiebelfisch: Seit Wochen wird immer öfter „in Irak“ geschrieben. Das klingt unschön und ist alarmierend. Schließlich bin ich im Breisgau aufgewachsen und muss auch hier inzwischen manchmal „in Breisgau“ lesen. Bisher habe ich keine Seite gefunden, die den korrekten Sprachgebrauch für bestimmte Länder- und Regionennamen darstellt. Vielleicht können Sie dazu etwas sagen?

Bernhard von Schwarzenfeld

 

Antwort des Zwiebelfischch: Sehr geehrter Herr von Schwarzenfeld! Zunächst einmal gilt es eine Unterscheidung zu treffen zwischen Landschaftsnamen und Staatennamen. Namen von Landschaften und Regionen werden in der Regel immer mit Artikel genannt: der Breisgau, die Toskana, das Elsass, der Balkan, die Pfalz, das Kosovo.

Staatennamen hingegen sind meistens artikellos: Afghanistan, Deutschland, Österreich, Zypern… Doch es gibt ein paar Ausnahmen: Ist der Name weiblich, so wird er mit Artikel gebraucht: die Schweiz, die Türkei, die Ukraine. Ebenfalls mit Artikel werden Staatennamen im Pluralgebraucht: die USA, die Vereinigten Arabischen Emirate, die Niederlande. Und schließlich steht ein Artikel, wenn der Staatennamemännlich ist. Allerdings gibt es keine fest definierte Gruppe von männlichen Staatennamen. Vielmehr haben alle, die hier in Frage kommen, ein schwankendes Genus, sie können sowohl männlich als auch neutral ein. Dazu gehören Irak, Libanon, Jemen, Iran, Sudan, Tschad und Kongo.

Während das Auswärtige Amt empfiehlt, diese Staaten ohne Artikel zu nennen, wird im allgemeinen Sprachgebrauch die Nennung mit Artikel praktiziert. Da heißt es dann entsprechend im Kongo, in den Jemen, aus dem Libanon, durch den Tschad, in den Irak. Auch im SPIEGEL heißt es „der Irak“, dort begründet man es mit dem Arabischen; denn die Iraker selbst nennen ihr Land „al-Irak“.

Wenn in Nachrichtentexten der Artikel fehlt, so geht dies seltener auf die Empfehlung des Auswärtigen Amtes zurück; häufiger lässt es auf eine englischsprachige Quelle schließen. Briten und Amerikaner verwenden das Wort „Iraq“ grundsätzlich artikellos. Beim Übersetzen aus dem Englischen wird der deutsche Artikel bisweilen vergessen, selbst wenn die Redaktion beschlossen hat, „Irak“ immer mit Artikel zu nennen.

Mal mit und mal ohne Artikel findet man auch (den) Iran genannt. Während „Persien“ eindeutig neutral war (jedenfalls in grammatischer Hinsicht), ist das Genus bei „Iran“ im Deutschen nicht eindeutig festgelegt. Der SPIEGEL führt Iran ohne Artikel und begründet auch dies mit der Landessprache: Da das Persische keine Artikel kennt, hat auch „Iran“ (was übrigens „Land der Arier“ bedeutet) keinen. Somit heißt es beim SPIEGEL: in Iran, nach Iran, aus Iran etc.

Es gibt in dieser Frage kein richtig oder falsch; jedem steht es frei, sich im Falle von Irak, Iran etc. zwischen dem traditionellen Gebrauch mit Artikel und dem amtlichen Gebrauch ohne Artikel zu entscheiden.

Sollte der Breisgau eines Tages unabhängig werden, so wird das Auswärtige Amt möglicherweise empfehlen, auch hier auf den Artikel zu verzichten. Dann wohnen Sie in Breisgau. Bis dahin jedoch wohnen Sie im Breisgau. Möge es Ihnen dort wohl ergehen!

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