Mittwoch, 28. Oktober 2020
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Wie nennt man das Ding an der Kasse?

Lieber Zwiebelfisch, wie nennt man dieses Ding, das die Kunden im Supermarkt aufs Band legen? Worin besteht der Unterschied zwischen Worten und Wörtern? Und wer lehrt Mona Lisa richtiges Deutsch? Leser stellen Fragen, der Zwiebelfisch gibt Auskunft.

Frage eines Lesers: Lieber Zwiebelfisch, ich suche die Bezeichnung für die Dinger, die man beim Einkaufen auf das Laufband legt, um die eigenen Waren von denen des Vordermanns abzugrenzen. Kannst Du mir vielleicht weiterhelfen?

Antwort des Zwiebelfischs: Über das Ding an der Kasse haben sich schon erstaunlich viele Menschen den Kopf zerbrochen, es ist ein Dauerbrenner unter den „Wie nennt man“-Fragen. Einigen gilt es gar als eines der letzten fünf ungelösten Rätsel unserer Zeit. (Fragen Sie mich nicht, welches die anderen vier sein sollen.) Als ich zum ersten Mal nach dem Ding an der Kasse gefragt wurde, hatte ich keine Antwort parat. Seitdem ging mir die Frage nicht mehr aus dem Kopf. Ich konnte nicht mehr einkaufen, ohne daran zu denken. Ständig hämmerte es in meinem Hirn: “Wie nennt man das Ding an der Kasse?“ Ich fing an, wichtige Besorgungen zu vergessen, vertat mich beim Geldabzählen oder packte gedankenverloren die Einkäufe des folgenden Kunden mit in meine Tüte. Irgendwann kam mir der Gedanke, die Kassiererin zu fragen. Die sieht das Ding doch ständig vor ihrer Nase, da muss sie doch auch wissen, wie man es nennt. „Wie lustig, dass Sie danach fragen“, erwiderte sie, „dasselbe habe ich mich nämlich auch schon immer gefragt!“

Es blieb mir also nur, die Sache logisch anzugehen. Wozu dient das Ding, fragte ich mich. Es trennt die Waren auf dem Kassenfließband. Und ein Ding, das Waren trennt, sollte auch so genannt werden: „Warentrenner“. Ich machte flugs die Probe aufs Exempel und gab den Begriff „Warentrenner“ in eine Internetsuchmaschine ein. Und ich wurde prompt fündig. Zu meiner Freude stellte ich fest, dass sich bereits ein ganzes Diskussionsforum zur Klärung dieser bedeutsamen Frage zusammengefunden hatte. Dabei zeigte sich, dass auch die anderen Sprachinteressierten mehrheitlich für die Bezeichnung „Warentrenner“ plädieren. Weitere Vorschläge lauten: Warentrennbalken, Warentrennstab, kurz: Trendy, Warenstaffelstab, Kassenbandriegel und: Separator. In der Schweiz kennt man außerdem den Ausdruck „Kassentoblerone“. Besonders gefiel mir auch „Näkubi“, kurz für „Nächster Kunde bitte!“ Die mit Abstand charmanteste Idee stammt aus Ostfriesland: „Miendientje“, weil man es zwischen „meins“ (mien) und „deins“ (dien) legt.

Bereits vor einigen Jahren hat das „Jetzt“-Magazin der „Süddeutschen Zeitung“ seinen Lesern den Begriff „Warenstopper“ empfohlen. Der setzte sich allerdings nicht durch, denn er ließ vermuten, das Ding sei dazu da, die Waren daran zu hindern, vom Kassenband herunterzufallen. Der Kolumnist Max Goldt machte den Vorschlag, das Ding an der Kasse „Warenabtrennhölzchen“ zu nennen. Nur ist das Hölzchen heute meistens aus Kunststoff oder Metall.

Das sicherste Indiz liefern in solchen Fällen für gewöhnlich Handel und Industrie. Die Hersteller und Vertreiber müssen schließlich wissen, wie ihre Produkte heißen. Die Internetsuche mit dem Begriff „Warentrenner“ führt auf die Seiten mehrerer Werbeartikelanbieter, bei denen man Warentrenner in den verschiedensten Größen und Formen bestellen kann.

Ihre Frage wirft übrigens gleich die nächste auf: Was ist ein Laufband im Unterschied zum Kassenband? Laufbänder findet man eher in Fitness-Studios als in Supermärkten. Einige Handelsketten empfehlen ihren Kassiererinnen allerdings, regelmäßig Sport zu treiben, es wäre also denkbar, dass das Kassenband nach Ladenschluss zum Laufband wird. Fortgeschrittene benutzen dann womöglich die Warentrenner zum Hürdenlauf.

(c) Bastian Sick 2004

 


Diese Kolumne ist auch in Bastian Sicks Buch „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod, Folge 2“ erschienen.

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