Samstag, 25. Mai 2019
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Wie steigert man „doof“?

Frage eines Lesers:

Lieber Zwiebelfisch, wie wird „doof“ gesteigert? Im allgemeinen Sprachgebrauch hört man oft doof, döver, am dööfsten. Die Schreibweise kommt mir aber extrem merkwürdig vor. Heißt es döver? Dööver? Dööfer? Oder doofer? Der mir zu Weihnachten geschenkte Duden ist mir da auch keine Hilfe, der schweigt sich nämlich aus. Nun gibt es ja auch Eigenschaftswörter, die sich nicht steigern lassen. So wie „das einzigste“, das bei uns im Ruhrgebiet nicht gerade selten anzutreffen ist. Gehört doof dazu?

Antwort des Zwiebelfischs:

Lieber Karsten, zunächst ein paar Worte zur Herkunft. Das Wort „doof“ stammt aus dem Niederdeutschen und bedeutete ursprünglich nichts anderes als „taub“. In Hamburg gibt es einen Seitenarm der Elbe, der noch heute „Dove Elbe“ heißt – „taube Elbe“ also, weil er keine Durchfahrt bietet.

Weil gehörlose Menschen in früheren Zeiten oft für geistig behindert gehalten wurden, wurde „doof“ zum Synonym für „dumm“. „Dumm“ wiederum kommt vom mittelhochdeutschen Wort „tump“ und bedeutet „stumm, töricht“.

Anfang des 19. Jahrhunderts drang das Wort „doof“ von Berlin aus in die Hochsprache ein. Da es sich jedoch um einen umgangssprachlichen Ausdruck handelte, der in der Schriftsprache verpönt war, gab es lange Zeit keine Festlegung der Schreibweise.

Heute ist es üblich, das Wort mit einem „f“ zu schreiben, weil das der Praxis im Hochdeutschen entspricht. Auf -v enden sonst nur Fremd- und Lehnwörter. In den Ableitungen klingt zwar nach wie vor das weiche „v“ durch – geschrieben wird es dennoch mit „f“: ein doofes Kind, die doofe Tante (gesprochen: dowes, dowe).

Im Komparativ und Superlativ behält das Wort seinen Klang: doof, doofer (gesprochen: dower), am doofsten.

Viele Menschen sagen aber auch döwer und am döfsten. Das ist in der gesprochenen Sprache möglich, in der Schriftsprache existiert jedoch nur die Form doof, doofer, am doofsten.

(c) Bastian Sick 2004


Diese Kolumne ist auch in Bastian Sicks Buch „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod, Folge 2“ erschienen.

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