Samstag, 26. September 2020
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E-Mail: Fazit

Klarheit ist gefordert! Gute Lesbarkeit, lieber eine zu große Schrift als eine zu kleine, ganz normale Sätze mit Subjekt, Prädikat, Objekt, Kommas und einem Punkt am Ende, ein Mindestmaß an Höflichkeit und vor allem: nichts, was blinkt und grell ist, flackert oder pulsiert oder auf sonst eine Art und Weise geeignet wäre, das Auge des Empfängers zu beleidigen. Wer sich an einen ihm persönlich nicht bekannten Adressaten wendet und auf eine Antwort hofft, sollte sich um ein gewisses Maß an Verbindlichkeit bemühen. Fröhlichkeit ist dabei keinesfalls unangebracht, Förmlichkeit aber auch nicht. Eine E-Mail ist wie eine Visitenkarte, sie verrät weit mehr über uns als ihr schierer Inhalt.

Wenn man einen neuen Gedanken beginnt, schadet es nicht, dies durch einen Absatz kenntlich zu machen. Genau wie Punkte und Kommas können auch Absätze zur besseren Lesbarkeit und Verständlichkeit von E-Mails beitragen. Ein strukturierter Text lässt Rückschlüsse auf die strukturierten Gedanken des Schreibers zu.

Und wer sich vor dem Klick auf „Versenden“ kurz die Zeit nimmt, das Geschriebene noch einmal selbst zu lesen und gegebenenfalls zu korrigieren, tut nicht nur dem Empfänger, sondern auch sich selbst damit einen großen Gefallen. Eine originelle, eindeutige Betreffzeile, ein gepflegtes Schriftbild mit ausgeschriebenen Wörtern, ein klarer Name und ein klar formuliertes Anliegen erhöhen die Chance um ein Vielfaches, vom Empfänger wahr- und ernstgenommen zu werden.

Zum Thema E-Mail ließe sich noch vieles sagen. Man könnte ohne weiteres ein ganzes Buch damit füllen. Um den Rahmen nicht zu sprengen, habe ich mich auf einige ausgesuchte formale Aspekte beschränkt, die die Oberfläche des Ganzen berühren.

Da E-Mail-Adressen im Unterschied zum guten alten Postabsender selten Rückschlüsse auf die Herkunft des Schreibers zulassen, ist es durchaus sympathisch, wenn man am Ende der Mail hinter dem Namen auch den Wohnort nennt. Das lässt den anonymen Versender weniger virtuell erscheinen und gibt ihm eine real existierende Heimat, ein „menschliches Zuhause“.

In diesem Sinne:
mit freundlichen Grüßen
Ihr Zwiebelfisch, Hamburg

(c) Bastian Sick 2005


Diese Kolumne ist auch in Bastian Sicks Buch „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod, Folge 2“ erschienen.


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