Mittwoch, 28. Oktober 2020
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Was spricht gegen eine Klobrille namens Maren?

Sehr geehrter Herr Sick!

Ihre Zwiebelfisch-Artikel lese ich meistens mit Freude, aber ihre Abneigung gegen Klobrillen namens Maren kann ich überhaupt nicht nachvollziehen.

Meine eigene (ebenfalls weiße) Klobrille heißt zwar nicht „Maren“, sondern „apricot“, jedoch würde ich auch nichts dabei finden, wenn sie „Amalie“ hieße. Schließlich kann man mit Namen besser umgehen als mit technischen Kürzeln oder Nummern, und deswegen hat auch jeder potentiell mörderische Wirbelsturm einen Namen, manchmal auch weibliche. Ein Beispiel: „1800 Menschen fielen Katrina zum Opfer“. Auch nicht so schön, wenn man selbst Katrina heißt.

Obendrein sind Klobrillen in der Regel hygienischer als z. B. Computer-Tastaturen – warum sollte also gerade die Geräteklasse der Klobrillen nicht auch mal mit griffigen Namen versehen werden? Menschliche Vornamen schaffen ein Gefühl der Nähe und Vertrautheit, und nicht nur andere Primaten, Hunde oder Kühe, sondern auch so manches Auto hat wohl schon einen abbekommen. Also mich stört es nicht. Mit freundlichem Gruß

Elmar Dünßer

Bastian Sick antwortet: Sehr geehrter Herr Dünßer! Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, mir zu schreiben. Gegen eine Klobrille namens ?apricot? ist wahrlich nichts zu sagen. Die hätte ich auch gern!

Dass Namen einprägsamer sind als technische Kürzel, ist zweifellos richtig. Doch dürfen Sie es nicht nur von der Seite des Konsumenten betrachten, sondern müssen auch an die betroffenen Namensträger und -trägerinnen denken. Wäre mein Name „Maren“, fände ich es nicht erstrebenswert, wenn damit ein Toilettendeckel assoziiert würde. Und Ikea hat schließlich eine große Wirkung: Was die sich ausdenken, wird früher oder später Teil der allgemeinen Trivialbildung.

Das Billy-Regal ist dafür sicherlich das beste Beispiel. Billy war lange Zeit ein populärer Vorname im angelsächsischen Raum (und darüber hinaus), man denke nur an die Popsänger Billy Idol und Billy Joel oder an den großen Regisseur Billy Wilder. Die Kanadierin Céline Dion hat in den 80ern sogar mal ein sehr gefühlvolles Lied über einen „Billy“gesungen.

Heute würde wohl aber kaum noch jemand seinen Sohn Billy nennen, da eben jeder sogleich an das Regal denkt. Zumindest im Einzugsgebiet von Ikea, zu dem praktisch die gesamte nördliche Hemisphäre zählt.

Aber die Empfindlichkeiten sind in dieser Frage unterschiedlich, das räume ich gern ein. Ein wirklicher ?Aufreger? ist die Klobrille namens Maren wohl nicht, aber ich fand, ich sei es meiner Freundin Maren schuldig, darüber zu berichten. Immerhin wurde, wie Ihre E-Mail zeigt, ein kleiner Prozess des Nachdenkens und Diskutierens in Gang gesetzt, und mehr will ich mit meinen Kolumnen ja auch gar nicht erreichen.

Herzliche Grüße, Ihr Bastian Sick

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