Samstag, 25. November 2017
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verwendet/verwandt

„Bei der Herstellung unserer Speisen werden nur hochwertige Pflanzenöle verwandt“, verspricht ein Restaurantbesitzer. Prompt weist ihn ein Gast darauf hin, es müsse „verwendet“ heißen. „Verwandt“ sei er mit seiner Cousine und seiner Tante, aber nicht mit Pflanzenöl. „In der Gastronomie sollte ruhig etwas mehr Sorgfalt auf Sprache verwendet werden“, sagt er seiner Begleiterin, die übrigens Angewandte Sprachwissenschaften studiert hat und nicht etwa Angewendete Sprachwissenschaften. Der Duden erkennt keinen Unterschied zwischen den Partizipien „verwendet“ und „verwandt“. Das Verb „verwenden“ in der Bedeutung „gebrauchen“ wird im Präteritum mal zu „verwendete“, mal zu „verwandte“. Im Perfekt seien sowohl „verwendet“ als auch „verwandt“ gebräuchlich. „Die Designerin verwandte ausschließlich farbige Stoffe“ ist genauso richtig wie „Die Designerin verwendete ausschließlich farbige Stoffe“.

Der Gast hat demnach vorschnell reagiert, der Wirt braucht seinen Hinweis nicht zu ändern.
Anders verhält es sich dagegen mit „gewendet“ und „gewandt“: Zwischen diesen beiden Partizipien besteht tatsächlich ein Unterschied, was daran liegt, dass es zwei verschiedene Formen des Verbs „wenden“ gibt: eine transitive (etwas wenden, z.B. ein Auto wenden, Fleisch in der Pfanne wenden) und eine reflexive (sich wenden, z. B. der Gast wandte sich mit Grausen, sie hat sich an mich gewandt). 

 

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