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Eine Hommage für, an oder auf jemanden?

2010-04-22 Berlin - 050

Eine Leserin aus Dresden fragt sich, welches Wörtchen man passenderweise zwischen „Hommage“ und die betreffende Person setzt. Der Zwiebelfisch erklärt, dass es mehr als eine Möglichkeit gibt, und worin jeweils der kleine, aber feine Unterschied besteht.

Frage einer Anwältin aus Dresden:

Ich sitze an einem Entwurf für eine Festrede und bin unsicher, ob es eine „Hommage an“, „auf“ oder „für“ jemanden heißt. Im Duden habe ich „Hommage für“ gefunden, im Internet dagegen auch die anderen Varianten. Für einen Rat wäre ich Ihnen sehr dankbar. Herzliche Grüße!

Antwort des Zwiebelfischs:

Die deutsche Sprache ist sehr flexibel und lässt oft mehr Möglichkeiten zu, als man sich träumen lässt. Auch im Falle der Hommage gibt es mehrere Möglichkeiten. Die im Duden zu findende Verwendung mit „für“ wäre für mich nicht einmal die erste Wahl, da sie recht prosaisch ist. Dass die Präpositionen bisweilen einen Bedeutungsunterschied ausmachen können, wird am Beispiel des „Briefes“ deutlich:

Wenn Karl einen Brief erhält, kann es sich sowohl um einen „Brief für Karl“ als auch um einen „Brief an Karl“ handeln. Die Präposition „für“ ist korrekt, wenn der vollständige Satz lautet: „Der Briefträger hat einen Brief für Karl.“ Hierbei steht das Überbringen im Mittelpunkt. Doch wenn der Fokus auf dem Verhältnis zwischen Verfasser und Adressat liegt, ist „an“ die treffendere Wahl: „Ich schreibe einen Brief an Karl.“ (Schriebe ich einen Brief „für“ Karl, könnte man denken, ich schriebe einen Brief an Karls Stelle.)

Wenn Sie bei der Hommage nicht nur das Überbringen, sondern auch die Widmung kenntlich machen wollen, dann können Sie mit Fug und Recht von einer „Hommage an jemanden“ sprechen. So kennen wir es auch von Lobgesängen wie Hölderlins „Hymne an die Liebe“ und Beethovens „Ode an die Freude“, die berühmte Beispiele für den Gebrauch der widmenden Präposition „an“ sind.

Neben „für“ und „an“ gibt es noch eine dritte Möglichkeit: die Hommage „auf“ etwas oder jemanden. So wie man eine Lobrede oder ein Loblied „auf“ jemanden halten kann, lässt sich auch von einer „Hommage auf jemanden“ oder „auf jemandes Werk“ sprechen. Auch hierbei verschiebt sich der Fokus wiederum ein wenig – wenn „für“ das Überbringen ausdrückt und „an“ das Widmen, richtet „auf“ den Fokus auf das Erhabene, das Erhöhte. Beim „Loblied auf die Gastgeber“, dem „Toast auf die Gesundheit“ und der „Rede auf das Gemeinwohl“ werden Gastgeber, Gesundheit und Gemeinwohl jeweils rhetorisch erhöht.

Sie haben also diese drei Möglichkeiten: „für“, „an“ und „auf“. Welche Sie wählen, hängt davon ab, was genau Sie zum Ausdruck bringen wollen. In der Hoffnung, Ihnen damit geholfen zu haben, verbleibe ich mit herzlichen Grüßen Ihr Bastian Sick

FOTO: BASTIAN SICK WÄHREND EINER LAUDATIO FÜR, AN UND AUF MICHAEL KUNZE, BERLIN 22.4.2010

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