Samstag, 15. Dezember 2018
Home / Kolumnen / Zwiebelfisch / Ein Buch mit sieben Siegeln

Ein Buch mit sieben Siegeln

Bibel_1CdaCJIz_f.jpg

Die Bibel wird längst nicht von allen gelesen, und doch sind ihre Worte in aller Munde. Zahlreiche Redewendungen und Sprichwörter, die unsere Alltagssprache bereichern, sind biblischen Ursprungs. Oft sind wir uns des biblischen Gehalts unserer Worte nicht einmal bewusst. 

„Stell dir vor: Ich werde Patentante!“, jubelte meine Freundin Sibylle, als wir uns an einem Nachmittag im Advent bei Tee und selbstgebackenen Plätzchen trafen. Ich hatte ihr kaum gratuliert, da wurde sie plötzlich ernst und fragte: „Als Patin ist man doch aber auch für die christliche Erziehung mitverantwortlich, oder? Ich bin nicht gerade bibelfest …“ – „Das macht nichts“, beruhigte ich sie; „ich bin sicher, du wirst eine wundervolle Patentante. Und davon abgesehen kennst du bestimmt mehr Worte aus der Bibel, als du ahnst.“ – „Wer’s glaubt, wird selig“, lachte Sibylle. „Das ist schon mal ein guter Anfang!“, sagte ich. „Wer’s glaubt, wird selig geht auf eine Stelle im Markus-Evangelium zurück, in der es heißt: Wer da glaubt und getauft wird, wird selig werden.“ – „Tatsächlich? Das ist aus der Bibel?“ – „Und das ist nur eins von mehreren Hundert geflügelten Worten, die aus der Bibel stammen“, sagte ich.

„Also, ich kenne höchstens Auge um Auge, Zahn um Zahn“, murmelte Sibylle.  „Genau, das ist aus dem Alten Testament.“ – „Und Sodom und Gonorrhö“, fiel Sibylle noch ein. „Du meinst Sodom und Gomorrha, die beiden Städte, die Gott mit Untergang bestrafte. Und ebenso kennst du den Ausdruck zur Salzsäule erstarren, der stammt gleichfalls aus dem 1. Buch Mose.“ – „Ja, aber das war’s dann auch“, sagte Sibylle. „Mehr kenne ich nicht. Adam und Eva, Kain und Abel, Noah und die Sintflut, aber dann verließen sie ihn, wie man so schön sagt.“ – „Bravo!“, lachte ich, „du hast soeben das Matthäus-Evangelium zitiert. Dort heißt es: Da verließen ihn alle Jünger und flohen. Dieser Satz wurde im Volksmund zu Da verließen sie ihn und wird heute auf alles angewandt, was uns im Stich lassen kann: unser Gedächtnis, das nötige Kleingeld, eine Batterie, eine Mobilfunkverbindung.“ – „Für mich war die Bibel immer ein Buch mit sieben Siegeln“, gestand Sibylle. Es überraschte sie nur wenig zu erfahren, dass es sich auch dabei um ein Bibelzitat handelt, denn von einem Buch mit sieben Siegeln ist in der Offenbarung des Johannes die Rede. „Zum Glück“, sagte Sibylle, „spielt es heute keine Rolle mehr, welcher Konfession man angehört: katholisch oder protestantisch, danach kräht kein Hahn.“ Ohne es zu wissen, hatte sie mit dem krähenden Hahn abermals auf das Matthäus-Evangelium Bezug genommen, nämlich auf die Stelle, in der Petrus weisgesagt wird, dass er Jesus dreimal verleugnen werde, ehe der Hahn kräht.

Es kräht kein Hahn danach sagen wir zu einer Sache, die sich an Bedeutung mit Petrus’ Verleugnung nicht messen kann und der daher kein Hahnenschrei folgen wird“, erklärte ich. „Wer suchet, der findet, heißt es ebenfalls bei Matthäus, und man muss wirklich nicht lange suchen, um in der Alltagssprache Bibelworte zu finden. Der Wolf im Schafspelz, das salomonische Urteil, der barmherzige Samariter, der verlorene Sohn – alles Ausdrücke aus der Bibel. Und wenn dir etwas ein Dorn im Auge ist, dann liegt es daran, dass schon bei Moses vor Feinden gewarnt wird, die zu Dornen in euren Augen werden.“ – „Kommen aus der Bibel denn etwa auch Sprichwörter wie Der frühe Vogel fängt den Wurm?“, fragte Sibylle. „Das zwar nicht, dafür aber andere. Zum Beispiel Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein, das stammt aus den Sprüchen. Oder Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf und Ich wasche meine Hände in Unschuld aus den Psalmen.“ – „War das mit dem Händewaschen nicht dieser Pontius, der zu Pilatus gegangen war?“, wandte Sibylle ein. „Richtig, auch Pontius Pilatus wusch seine Hände in Unschuld. Das kommt in der Bibel mehrfach vor. Genau wie das in Sack und Asche gehen.“ – „Bist du sicher, dass das kein Werbespruch eines Anbieters für Billigmode ist?,“ scherzte Sibylle.

„Bestimmt hast du schon mal sprichwörtlich Perlen vor die Säue geworfen“, fuhr ich fort, „und damit eine Stelle aus dem Matthäus-Evangelium zitiert. Und sicherlich  hast du auch schon mal gedacht: Möge dieser Kelch an mir vorübergehen. Das ist ebenfalls aus dem Matthäus-Evangelium.“ – „Ich dachte, das sei eine schwedische Redensart und heißt: Möge dieser Elch an mir vorübergehen!“, sagte Sibylle, und diesmal war ich mir nicht sicher, ob sie scherzte. „Auch wenn du sprichwörtlich auf Sand gebaut hast, wenn dir ein Licht aufgeht und es dir wie Schuppen von den Augen fällt, zitierst du Stellen aus den Evangelien und der Apostelgeschichte.“ Sibylle lachte: „Hach, dann bin ich ja wohl die reinste Evangelistin! Wenn schon keine Evangelista …“ – „Selbst bei so alltäglichen Wendungen wie den Kopf hängen lassen, im Dunkeln tappen oder Blut und Wasser schwitzen reden wir biblisch.“ – „Dann brauche ich also nichts anderes zu tun, als mit meinem Patenkind so zu reden, wie ich immer rede“, sagte Sibylle, „und bringe ihm damit automatisch die Bibel näher.“ Inzwischen war es dunkel geworden, und Sibylle schaltete die Wohnzimmerlampe an. „Es werde Licht!“, sagte sie weihevoll und fragte: „Das ist aber nicht aus der Bibel, oder?“ – „Doch, doch“, erwiderte ich, „das steht gleich zu Beginn im 1. Buch Moses. Es sind die ersten Worte Gottes.“ – „Mist“, sagte Sibylle, „und ich war mir sicher, dass es die letzten Worte Goethes waren!“


Von A und O bis zur Wurzel allen Übels – 60 Redewendungen aus der Bibel

Redewendung Ursprung in der Bibel
das A und O Offb 1,8: „Ich bin das A und O, der Anfang und das Ende, spricht Gott der Herr.“
in Abrahams Schoß Lk 16,22: „Es begab sich aber, dass der Arme starb, und er ward getragen von den Engeln in Abrahams Schoß.“
ohne Ansehen der Person 1 Petr 1,17: „Und da ihr den Vater anrufet, der ohne Ansehen der Person richtet nach eines jeglichen Werk …“ 
Asche aufs Haupt Est 4,1: „… zerriss er seine Kleider und legte den Sack an und tat Asche aufs Haupt und ging hinaus mitten in die Stadt und schrie laut klagend.“
Auge um Auge, Zahn um Zahn 2 Mos 21,24: „Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß“
etwas ausposaunen Mt 6,2: „Wenn du nun Almosen gibst, sollst du nicht lassen vor dir posaunen, wie die Heuchler tun in den Synagogen und auf den Gassen, auf dass sie von den Leuten gepriesen werden.“
mit Blindheit geschlagen sein 1 Mos 19,11: „Und sie schlugen die Leute vor der Tür des Hauses, klein und groß, mit Blindheit, so dass sie es aufgaben, die Tür zu finden.“
Blut und Wasser schwitzen Lk 22,44: „Es ward aber sein Schweiß wie Blutstropfen, die fielen auf die Erde.“
ein Buch mit sieben Siegeln Offb 5,1: „Und ich sah in der rechten Hand des, der auf dem Thron saß, ein Buch, beschrieben inwendig und auswendig, versiegelt mit sieben Siegeln.“
Denn sie wissen nicht, was sie tun Lk 23,34: „Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!“
im Dunkeln tappen 5 Mos 28,29: „Und du wirst tappen am Mittag, wie ein Blinder tappt im Dunkeln.“
ein Ende mit Schrecken Ps 73,19: „Sie gehen unter und nehmen ein Ende mit Schrecken.“
mit Engelszungen auf jemanden einreden 1 Kor 13,1: „Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz oder eine klingende Schelle.“
jemanden unter seine Fittiche nehmen Ps 61,5: „Lass mich wohnen in deinem Zelte ewiglich und Zuflucht haben unter deinen Fittichen.“
Geben ist seliger denn nehmen Apg 20,35: „… das Wort des Herrn Jesus, da er gesagt hat: Geben ist seliger denn nehmen.“
Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um Sir 3,27: „Denn wer sich gern in Gefahr gibt, der verdirbt darin.“
(nicht) von gestern sein Hiob 8,9: „Denn wir sind von gestern her und wissen nichts.“
Gewissensbisse haben Hiob 27,6: „An meiner Gerechtigkeit halte ich fest und lasse sie nicht; mein Gewissen beißt mich nicht wegen eines meiner Tage.“
jedes Wort auf die Goldwaage legen Sir 21,27: „Die Schwätzer reden, wovon sie nichts verstehen; die Weisen aber wägen ihre Worte mit der Goldwaage.“
Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein Ps 7,16: „Er hat eine Grube gegraben und ausgehöhlt – und ist in die Grube gefallen, die er gemacht hat“
auf keinen grünen Zweig kommen Hiob 15,32: „Er wird ihm voll ausgezahlt werden noch vor der Zeit, und sein Zweig wird nicht mehr grünen.“
die Hände in Unschuld waschen Ps 26,6: „Ich wasche meine Hände in Unschuld und halte mich, Herr, zu deinem Altar.“
die Haare stehen zu Berge Hiob 4,15: „Und ein Hauch fuhr an mir vorüber; es standen mir die Haare zu Berge an meinem Leibe.“
jemandem sein Herz ausschütten Ps 62,9: „Hoffet auf ihn allezeit, liebe Leute, schüttet euer Herz vor ihm aus.“
ein Herz und eine Seele sein Apg 4,32: „Die Menge aber der Gläubigen war ein Herz und eine Seele.“
auf Herz und Nieren prüfen Jer 11,20: „Aber du, Herr Zebaoth, du gerechter Richter, der du Nieren und Herz prüfst, lass mich sehen, wie du ihnen vergilst; denn ich habe dir meine Sache befohlen.“
sich etwas zu Herzen nehmen 2 Mos 7,23: „Und der Pharao wandte sich und ging heim und nahm’s nicht zu Herzen.“
etwas in sich hineinfressen Ps 39,3: „Ich bin verstummt und still und schweige fern der Freude und muss mein Leid in mich fressen.“
Das ist mir zu hoch Ps 139,6: „Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen.“
Hochmut kommt vor dem Fall Spr 16,18: „Wer zugrundegehen soll, der wird zuvor stolz; und Hochmut kommt vor dem Fall.“
jenseits von Eden 1 Mos 4,16: „So ging Kain hinweg von dem Angesicht des Herrn und wohnte im Lande Nod, jenseits von Eden, gen Osten.“
Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr Mt 19,24: „Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme.“
Möge dieser Kelch an mir vorübergehen Mt 26,39: „Mein Vater, ist’s möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber.“
den Kopf hängen lassen Jes 58,5: „Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe, ein Tag, an dem man sich kasteit, wenn ein Mensch seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet?“
danach kräht kein Hahn Mt 26,34: „In dieser Nacht, ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen“
Krethi und Plethi 2 Sam 8,18: „Benaja, der Sohn Jojadas, war über die Krether und Plether gesetzt“ (in Luthers Originaltext noch: Crethi vnd Plethi) 
jemandem geht ein Licht auf Mt 4,16: „und die da saßen am Ort und Schatten des Todes, denen ist ein Licht aufgegangen.“
durch Mark und Bein gehen Hebr 4,12: „Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer denn ein zweischneidig Schwert und dringt durch, bis dass es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein.“
nicht von dieser Welt sein Joh 8,23: „Ihr seid von dieser Welt, ich bin nicht von dieser Welt.“
Nun hat die liebe Seele ruh Lk 12,19: „Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat auf viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut!“
Perlen vor die Säue werfen Mt 7,6: „Ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben, und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen.“
in Sack und Asche gehen Dan 9,3: „Und ich kehrte mich zu Gott, dem Herrn, um zu beten und zu flehen unter Fasten und in Sack und Asche.“
zur Salzsäule erstarren 1 Mos 19,26: „Und Lots Weib sah hinter sich und ward zur Salzsäule.“
wie Sand am Meer 1 Mos 32,13: „Ich will dir wohltun und deine Nachkommen machen wie den Sand am Meer, den man der Menge wegen nicht zählen kann.“
auf Sand gebaut Mt 7,26: „Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der ist einem törichten Mann gleich, der sein Haus auf den Sand baute.“
vom Scheitel bis zur Sohle 2 Sam 14,25: „Von der Fußsohle bis zum Scheitel war nicht ein Fehl an ihm.“
im Schweiße meines Angesichts 1 Mos 3,19: „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen.“
Schwerter zu Pflugscharen Mi 4,3: „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen.“
wie Schuppen von den Augen fallen Apg 9,18: „Und alsbald fiel es von seinen Augen wie Schuppen, und er ward wieder sehend.“
Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf Ps 127,2: „Es ist umsonst, dass ihr früh aufstehet und hernach lange sitzet und esset euer Brot mit Sorgen; denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf.“
die Spreu vom Weizen trennen Mt 3,12: „Er wird seine Tenne fegen und den Weizen in seine Scheune sammeln; aber die Spreu wird er verbrennen mit unauslöschlichem Feuer.“
keinen Stein auf dem anderen lassen Mt 24,2: „Wahrlich, ich sage euch: Es wird hier nicht ein Stein auf dem anderen bleiben, der nicht zerbrochen werde.“
der Stein des Anstoßes Jes 8,14: „Er wird ein Fallstrick sein und ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses für die beiden Häuser Israel.“
da ist der Teufel los Offb 20,7: „Und wenn die tausend Jahre vollendet sind, wird der Satan los werden aus seinem Gefängnis.“
ein Unglück kommt selten allein Hes 7,5: „So spricht Gott der Herr: Siehe, es kommt ein Unglück über das andere!“
und ward nicht mehr gesehen 1 Mos 5,24: „Und weil er mit Gott wandelte, nahm ihn Gott hinweg, und er ward nicht mehr gesehen.“
Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu Tob 4,16: „Was du nicht willst, dass man dir tue, das tue einem andern auch nicht.“
Wer suchet, der findet Mt 7,8: „Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.“
in alle Winde zerstreut Jer 49,32: „Ihre Kamele sollen geraubt und die Menge ihres Viehs genommen werden, und in alle Winde will ich die zerstreuen, die ihr Haar rundherum abscheren, und von allen Seiten her will ich ihr Unglück über sie kommen lassen, spricht der Herr.“ 
die Wurzel alles/allen Übels 1 Tim 6,10: „Denn Habsucht ist eine Wurzel alles Übels.“

zitiert nach: Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers in der 1956 und 1964 vom Rat der EKD genehmigten Fassung, Stuttgart 1970.

Weiteres zu Redewendungen und Sprichworten:

Zwiebelfisch: Licht am Ende des sturmverhangenen Horizonts
Zwiebelfisch: Sprichwörtlich in die Goldschale gelegt
Zwiebelfisch: Was man nicht in den Beinen hat …
Zwiebelfisch: Alle Vögel sind schon da

Lesen Sie auch:

Die kastrierte Hymne

Das musste ja kommen. Nachdem die Österreicher bereits vor einigen Jahren per Erlass den Text …

10 Kommentare

  1. Guten Tag, Herr Sick, ich habe meine Diplom-Arbeit über Sprichwörter, Redewendungen und Begriffe biblischen Ursprungs in drei europäischen Sprachen geschrieben und kann Ihnen versichern, dass der Satz „Wer’s glaubt, wird selig“ nicht dem Markus-Evangelium oder der Bibel überhaupt entnommen ist. Es ist allerdings so, dass es neben den vielen Redensarten und Begriffen, deren biblischen Ursprung vielen Menschen unbekannt ist, viele weitere gibt, die fälschlich für Bibelzitate gehalten werden. Weist man Zitate der Bibel fälschlich zu, wird ein Interesse an ihrer Lektüre verständlicherweise nicht unbedingt gefördert.

    Davon abgesehen bin ich ein großer Fan Ihrer Kolumnen. Ich wünschte, zum Nachweis der sog. social skills, die die Studentinnen und Studenten der Universität hier am Ort erbringen müssen, würden nicht nur Fremdsprachen oder der Umgang mit bestimmten Computerprogrammen gehören, sondern auch die korrekte Verwendung der deutschen Sprache. Dann wären etliche Briefe und E-Mails, die man bekommt, weniger peinlich und die Fachaufsätze (meist junger) Akademiker, die ich Korrektur lese, wären mit weniger Aufwand zu bearbeiten.

    Wenn dann eine Korrektur so gar nicht nachvollzogen werden kann, sage ich gerne: „Nehmt den Duden Band 1 und Band 9 zur Hand – oder lest mal Bastian Sick…“

    Mit freundlichen Grüßen

    B. Rossi

    • Zur geforderten „korrekten Verwendung der deutschen Sprache“: …, „deren biblischen Ursprung vielen Menschen unbekannt ist“ ist falsch, hier ist der Nominativ »biblischer Ursprung« gefragt.

  2. Hier noch eins: „Bis hierher und nicht weiter!“

    http://www.bibleserver.com/text/LUT/Hiob38%2C11

  3. Volker Morstadt

    Lieber Herr Sick,
    sehr verdienstvoller Beitrag! Besonders weil alle Zitate Formulierungen aus Martin Luthers Bibelübersetzung sind. Dass diese Phraseme noch heute üblich sind, erweist, ein wie großerartiger Sprachschöpfer und -erfinder M.L. war (Landpfleger, Wohlgefallen etc.). Das hat sicher auch Frau Rossi bei ihrer erwähnten Arbeit herausgefunden.
    Ihnen, lieber Herr Sick, hätte es gut angestanden, dies zu erwähnen. MfG V. Morstadt

    PS: Woher stammt denn nun „Wer’s glaubt, wird selig“? Immerhin steht in Mk 16,16 „Wer glaubt und getauft wird, der wird selig werden“; der Volksmund hat das also gekürzt und dadurch griffiger sowie leichter merkbar gemacht.

  4. Eva Maria Baur

    „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ ist eine Art der Bestrafung, die man als Talionsprinzip bezeichnet. Sie kommt im ältesten altorientalischen Gesetzestext (18. Jh. v. Chr.), dem Kodex Hammurapi, zur Anwendung. Davon hat sich das „Alte Testament“ inspirieren lassen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Eva Maria Baur, Meran

  5. Anstatt „Sodom und Gomorrha“ sagte meine Mutter immer „Sodom und Mallorca“ oder in verschärfter Form „Soda und Mallorca“.

    • Mein Grossvater hatte ebenfalls einige bissige Zitate zur Hand, z.B. angesichts einer grossen dünnen Frau „eine grosse Dürre wird kommen“ oder wenn die Person ein paar Kilo zuviel auf den Rippen hatte „der Herr bewahre mich vor solch plötzlichem Reichtum“.

  6. Meine Mutter sagte gerne ein Sprüchlein, das sie von ihrer Großmutter hatte, und zwar, wenn jemand aufstoßen mußte: „Wenn’s hoch kommt, ist’s köstlich gewesen“.
    Erst als Erwachsene, vermutlich bei einer Psalmlesung in der Kirche, erkannte ich, wo sie das her hatte. Es ist die starke Verkürzung eines Verses aus Psalm 90: „Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn’s hoch kommt, so sind’s achtzig Jahre, und wenn’s köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen“

    • Hallo Beate,
      das ist auch aus der Lutherbibel. Viel schwächer ist da die Einheitsübersetzung: „Unser Leben währt siebzig Jahre, und wenn’s hoch kommt, so sind es achtzig. Das Beste daran ist nur Mühsal und Beschwer.“ Allein schon der fehlende Rhythmus!
      MfG V. Morstadt

  7. Hallo Herr Sick,
    das war aber doch einen kurzen Auflacher wert: Petrus‹. Da hat Ihr Schreibprogramm aus einem Apostroph ein Anführungszeichen gemacht! 😉
    Ach ja, und bei „vergiltst“ haben Sie das erste T vergessen. Schließlich heißt der Infinitiv ja „vergelten“ und nicht „vergelen.“
    Klugscheißerische Grüße!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *