Montag, 20. September 2021

Fünf Wörter auf -nf

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So spannend wie für ein Kind das Ostereiersuchen kann für den Erwachsenen die Suche nach Wörtern sein. Einige sind nämlich ziemlich selten und raffiniert versteckt! Zum Beispiel Wörter auf -nf. Davon soll es nur fünf geben! Wissen Sie, welche es sind?

Frage eines Lesers: Seit einigen Jahren hält sich in meinem Bekanntenkreis das Gerücht, dass es in der deutschen Sprache genau fünf Wörter gibt, die auf -nf enden. Senf, Hanf, fünf – und die Stadt Genf. Unglücklicherweise kennt niemand, den wir bisher gefragt haben, das fünfte Wort auf -nf. Können Sie mir sagen, wie dieses ominöse Wort heißt, falls es denn überhaupt existiert?

Antwort des Zwiebelfischs: Diese Frage wurde mir schon mehrfach gestellt. Seltsam. Niemand interessiert sich für Wörter, die auf -sk oder -mp enden. Alle beschäftigt nur das Mysterium der Endung -nf. Es scheint wie die Suche nach dem heiligen Granf.

Die Antwort auf die Frage, wie viele Wörter es im Deutschen gibt, die auf –nf enden, schwankt zwischen drei und unendlich. Im engeren, strengeren „Wort“-Sinne gibt es zunächst drei: Hanf, Senf, fünf.

Hinzu kommen zwei Namenswörter aus der Schweiz: die Stadt Genf und das von Ihnen mit Spannung erwartete fünfte Wort. Es lautet Sernf. Das ist der Name eines Flusses im Kanton Glarus.

Damit wäre man bei fünf. Diese fünf Wörter stehen allesamt im Wörterbuch und gelten somit als verbürgt.

Einigen ist darüber hinaus auch noch das Wort Ganf bekannt, eine Nebenform zu Ganeff, der Rotwelschvariante des jiddischen Wortes Ganove. Doch da dieses Wort zu speziell ist, findet man es nicht im Wörterbuch. Es bleibt demnach bei fünf.

Besonders pfiffige Sprachfüchse kommen auf eine sehr viel höhere Zahl. Sie behaupten, es gebe unendlich viele Wörter auf -nf! Wenn man ungläubig nachhakt, fangen sie an zu zählen: „einhundertfünf, zweihundertfünf, dreihundertfünf, …“

Es gibt indes auch Gegenden in Deutschland, in denen die Buchstabenkombination „nf“ völlig unbekannt ist, weil die Bewohner sich der phonetischen Umsetzung hartnäckig verweigern. Im Ruhrgebiet wird jedes „nf“ wie „mpf“ ausgesprochen, selbst wenn die beiden Buchstaben nur zufällig aufeinandertreffen und gar nicht zum selben Wort gehören. Da heißt es dann beispielsweise: „Mampfred, gib mich ma den Sempf“ oder „Watt, wie spät is? Schom pfümpf?“

(c) Bastian Sick 2004


Diese Kolumne ist auch in Bastian Sicks Buch „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod, Folge 2“ erschienen.

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5 Kommentare

  1. Avatar

    Kennen Sie denn die Schlünfe nicht? Zwei Schlünfe = zwei mal ein Schlunf. Abgesehen davon: wenn einhundertfünf gilt, was ist dann mit Nutzhanf und Wasabisenf? Und überhaupt, was ist dann mit der Mehrzahlform von Hanf: die Hänf? (die Hänf aus Bayern haben die schönsten Blüten). Und was ist mit wrtlbrnf? Also zumindestest dieses deutsche Wort sollte sich bereits auch unter Valentin-Nichtkennern herumgesprochen haben …

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    In unserer Familie kursiert ein weiteres Wort mit -nf:
    Der Nudelanplanf.
    Wir fanden es auf einer italienischen Speisekarte und sollte die
    Übersetzung für Lasagne sein. Es enstand wahrscheinlich durch die unleserliche Handschrift eines deutschen Gastes, der natürlich Nudelauflauf geschrieben hatte.

    Viele Grüße Werner Ockels

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    Regula Wagner-Wülser

    Bei TKKG ist das fünfte Wort der Name „Prünf“.
    Klößchen bemerkte in der Geschichte „Der gelbe Drache“, dass es nur vier Wörter mit der Endung -nf gebe:
    Genf Hanf, Senf, fünf und … PRÜNF
    Das war mir immer eine Eselsbrücke für diese Wörter.

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    Wolfgang Jäckle

    Mir ist noch die Ortschaft S-chanf in der Maloja-Region (Schweiz/Graubünden) bekannt.

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    In der Schweiz gibt es in Graubünden ein Dorf mit dem Namen S-Chanf

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