Dienstag, 27. Juni 2017
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Nackend Stützkissen (Berlin-Charlottenburg) © Michael Gohlke 14.10.2013_Wzmo7qZ1_f.jpg
Foto: Angebot in Berlin-Charlottenburg, eingeschickt von Michael Gohlke

Wenn es um den entkleideten Körper geht, zeigt sich unsere Sprache besonders vielseitig.

Dem Sprachstandard genügt die einsilbige Form „nackt“: Wer sich gänzlich entkleidet, der steht am Ende nackt da.

Regionalsprachlich existieren mindestens drei weitere Formen. Der „Duden“ nennt „nackend“, „nackert“ und „nackig“.

„Nackert“ ist vor allem im süddeutschen Sprachraum (Bayern und Österreich) verbreitet, was die rhythmische und optische Ähnlichkeit mit den dort ebenfalls heimischen Adjektiven „deppert“ und „spinnert“ erklärt. Als weiterer Beleg kann der diesjährige Beitrag Österreichs zum Eurovision Song Contest herhalten, der den Titel „Nackert“ trägt.

„Nackend“ hingegen ist vor allem im norddeutschen Raum verbreitet und passt zu der ebenfalls regionalen Form „ebend“.

Wenn eine Person als „füllig und kurznackig“ beschrieben wird, heißt das keineswegs, dass sie sich für einen kurzen Augenblick unbekleidet gezeigt hätte. Denn in der Standardsprache ist „-nackig“ die Adjektivbildung zu „Nacken“. In älteren Schrift findet man auch noch die Formen „hartnackig“ oder „hartnackigt“ für unser heutiges „hartnäckig“.

In der Umgangssprache ist „nackig“ eine weitere Form von „nackt“. Je nach Region auch mit abgerundeten Konsonanten zu finden, so wird es im Hessischen zu „naggisch“. In einigen Gegenden Nordrhein-Westfalens ist es auch mit „t“ am Ende zu hören, da heißt es dann anstelle von „Zieh dich aus“: „Mach dich nackicht!“

In gehobener Sprache galt selbst das schlichte „nackt“ nicht immer als schicklich. Wer sich stilistisch keine Blöße geben wollte, benutzte anstelle von „nackt“ das Wort „entblößt“.

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6 Kommentare

  1. Hier im Raum Hannover wird neben dem standardsprachlichen „nackt“ auch gerne „nackig“ verwendet. Gerne hört man auch mal von einem „Nackidei“.

  2. Um noch zu ergänzen: Hier wird trotzdem auch oft „ebend“ gesagt, aber nicht „nackend“, sondern wie erwähnt „nackig“.

    • ‚ebent‘ oder ‚ebend‘ findet man ca. 50 bis 70 km weiter – und im angrenzenden nördlichen Ostwestfalen!
      Und ich kenn nur den ‚Nackedei‘ …

  3. Der diesjährige Beitrag Österreichs zum Song Contest ist „Rise like a Phoenix“. „Nackert“ war glaub ich voriges Jahr im Vorentscheid für Deutschland.

  4. … und wer in Tirol nackert ist, ist ein Nackerbazl… :-)

  5. … nicht zu vergessen das schöne „nackelig“ – 43.100 Treffer.

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