Donnerstag, 23. März 2017
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Gibt es das Wort „ebend“?

Zeugt „von daher“ von gutem Stil oder ist es nur geschwätzig? Ist das Wort „ebend“ eine zulässige Variante neben „eben“? Und wie hält man es mit „halt“? Leser stellen Fragen, der „Zwiebelfisch“ gibt Antwort.

Frage eines Lesers: In einer Talkshow gebrauchte eine Frau wiederholt das Wort „ebend“. Ich kenne es nicht und kann es auch im Duden nicht finden. Es soll wohl dasselbe bedeuten wie „eben“. Gibt es dieses Wort tatsächlich, oder handelt es sich um falsches Deutsch?

Antwort des Zwiebelfischs: Bei dem Wort „ebend“ handelt es sich um eine Dialektform. So ist „ebend“ zum Beispiel im Ruhrgebiet zu hören, aber auch in Mecklenburg, in Brandenburg und in Berlin. „Da harrik ebend nich uffjepasst“, sagt der Berliner auf seine unverwechselbare Art und Weise und meint damit: „Da habe ich eben nicht aufgepasst.“ Da wir Deutschen nun mal ein Volk von Dialektsprechern sind, muss man akzeptieren, dass es von ein und demselben Wort mehrere Aussprachemöglichkeiten gibt. Dies ist im Übrigen auch keinesfalls ein Nachteil, sondern der beste Beweis für die Lebendigkeit und Wandlungsfähigkeit unserer Sprache. Mundartliche Sonderformen bieten bekanntlich immer wieder Stoff für Witze und Parodien. Der Schauspieler und Kabarettist Diether Krebs war einst in einem Sketch zu sehen, der genau dieses Thema trefflich auf die Schippe nahm: Ein Mann kommt in eine Metzgerei und sagt: „Ich hätte gerne ein Pfund Nackend!“ Erwidert der Metzger: „Das heißt Nacken!“ Darauf der Kunde: „Na ebend!“

(c) Bastian Sick 2004

 


Diese Kolumne ist auch in Bastian Sicks Buch „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod, Folge 2“ erschienen.

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