Samstag, 23. Januar 2021
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Archiv 2004

lohnenswert/lohnend

„Lohnenswert“ ist eine überflüssige Zusammensetzung aus den Wörtern „lohnend“ und „wert“. Eine Sache kann lohnend sein, und sie kann etwas wert sein, beides zusammengenommen macht sie aber nicht zwangsläufig lohnenswert. Ähnliche pleonastische Adjektive: stillschweigend, schlussendlich, vorprogrammiert. 

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lehren: jemandem/jemanden das Fürchten lehren

Heute gilt es als standardsprachlich korrekt, nach lehren den doppelten Akkusativ zu gebrauchen: Sie lehrt ihn das Klavierspiel; er lehrt sie das Tangotanzen. Im 17. und 18. Jahrhundert war es hingegen üblich, die Person in den Dativ zu setzen, da lehrte der Meister dem Gesellen das Handwerk, und der Erzieher lehrte dem Flegel Mores. Im 19. Jahrhundert lehrte dann der Akkusativ den Dativ das Fürchten, indem er ihn von seinem Platz verdrängte. Dennoch tritt der Dativ gelegentlich noch auf, vor allem im Passiv: Ihm wurde das Fürchten gelehrt. 

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kosten: das kostete ihm/ihn das Leben

Regiert „kosten“ den Dativ oder den Akkusativ der Person? Seit eh und je findet man beide Formen belegt. Es ist allerdings nicht so, wie viele glauben, dass der Dativ den Akkusativ verdrängen würde. Vielmehr befindet er sich seit Jahrhunderten auf dem Rückzug. Im 18. Jahrhundert überwog noch der Gebrauch des Dativs. Sprachgelehrte empfahlen dann den Akkusativ, der sich bis heute weitgehend durchgesetzt hat.

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in keiner Weise/in keinster Weise

Wenn „kein“ so viel bedeutet wie „nichts“ oder „niemand“, lässt es sich dann noch steigern? Logisch gedacht natürlich nicht, stilistisch ist dies trotzdem möglich. Man nennt dies den „Elativ“, eine Steigerungsform, die sich herkömmlicher Logik entzieht, um außergewöhnliche Höflichkeit, Entrüstung, Qualität, Trauer oder Demut auszudrücken. Der Elativ, auch „absoluter Superlativ“ genannt, wird außer Konkurrenz verwendet, also ohne einen wirklichen Vergleich anzustellen: mit freundlichsten Grüßen, herzlichst, in tiefster Trauer, beim besten Willen, beim leisesten Anzeichen, möglichst, gefälligst, baldigst, gütigst und eben auch: in keinster Weise. 

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Jogurt/Joghurt

Die Rechtschreibreform hat häufig gebrauchte Fremdwörter der deutschen Schreibweise angepasst. In einigen Fällen sind dabei Buchstaben weggefallen, die keine phonetische Relevanz besaßen, wie das „h“ in Känguru(h). Die fremdsprachige Schreibweise „Joghurt“ ist nach wie vor die Hauptvariante, doch die deutsche Form „Jogurt“ eine zulässige Nebenvariante.

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irgendwie total/-

Aussagen wie „Das war irgendwie total strange“ oder „Ich hab den Max irgendwie total gern“ klingen irgendwie total bescheuert. Wer eine Meinung zu etwas hat und meint, diese artikulieren zu müssen, möge nach treffenden Worten suchen. „Total“ ist, wie „echt“, „voll“, „tierisch“ und „unheimlich“, ein verstärkendes Füllwort, „irgendwie“ hingegen entkräftet und relativiert den Sinn. Die beiden Wörter heben sich also gegenseitig irgendwie total auf.

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Hijacker/Entführer

Neudeutsches Modewort, albernes Synonym für Entführer. Kein Drehbuch kann so schlecht sein, dass jemand in einer Entführungsszene über Handy seinen Angehörigen mitteilte, sein Flugzeug sei „in der Gewalt von Hijackern“. Von ähnlicher Hilflosigkeit zeugen die unübersetzten Begriffe Sniper (Heckenschütze), Warlord (Truppenführer), Airline (Fluggesellschaft) und Airport (Flughafen). 

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Handy/Handys

Foto: Postamt in Schwäbisch-Gmünd, 12.10.2005 (c) Bastian Sick  Das Wort „Handy“ hat tatsächlich einen englischen Ursprung. Im Zweiten Weltkrieg entwickelte die amerikanische Firma Motorola tragbare Funkgeräte, die sie „handie talkies“ nannte. Diese Bezeichnung setzte sich jedoch nicht durch, die Funkgeräte wurden stattdessen unter dem Namen Walkie-Talkie berühmt.

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hälst/hältst

Einer der häufigsten Rechtschreibfehler überhaupt. Selbst Akademiker brechen sich hier regelmäßig den Hals: die zweite Person Singular von „halten„ lautet: du hältst, nicht: du hälst. Das „t“ gehört zum Verbstamm („halt-“) und ist in jeder Ableitung dabei; entsprechend heißt es im Imperfekt: du hieltst beziehungsweise du hieltest, nicht: du hielst. 

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grammatisch/grammatikalisch

In dem Film „Die zwölf Geschworenen“ mit Henry Fonda ereiferte sich einer der Geschworenen über die vermeintlich „grammatisch falsche“ Ausdrucksweise des Angeklagten und wurde dafür mit den Worten verbessert: „Es heißt grammatikalisch.“ Das war 1957, und damals galt „grammatikalisch“ noch als standardsprachlich. Inzwischen ist es veraltet, das kürzere Adjektiv „grammatisch“ hat sich durchgesetzt. 

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