Samstag, 7. Dezember 2019
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Aus aller Herren Länder

Herrenländer_bearbeitet_500 (Foodie Nation, Lovemag Nr. 6) von Anette Willmann 09.07.2015_u8iWyR6t_f
Und wo bleiben die Damenländer? Foto: Anette Willmann, Duisburg

Frage eines Lesers: Ein kluger Mensch hat mich einmal davon zu überzeugen versucht, es hieße „aus aller Herren Ländern“ und nicht „Länder“, da es ja auch „aus allen Ländern“ heißt. Klingt logisch, aber ich höre und lese es immer anders. Was ist Ihre Meinung?

Antwort des Zwiebelfischs: Es heißt heute „aus aller Herren Länder“, auch wenn es früher einmal „aus aller Herren Ländern“ geheißen hat. Ihr kluger Bekannter hat Recht damit, dass es „aus allen Ländern“ heißt. Die Präposition „aus“ setzt die „Länder“ in den Dativ, und im Dativ werden Länder zu Ländern. Nun haben sich aber die „Herren“ dazwischengedrängt (in Form eines Genitivattributs), und das begünstigte im Laufe der Sprachentwicklung den Wegfall der Endung. Dies lässt sich auch bei anderen Pluralwörtern beobachten, die auf -er enden, wie Bäder, Fenster, Häuser, Kinder, Krieger, Lieder, Männer, Räuber:

An den Kleidern vieler Könige klebt Blut.
Blut klebt an vieler Könige Kleider.

Man erfreute sich an den Liedern der Franzosen.
Man erfreute sich an der Franzosen Lieder.

Wenn das Pluralwort von der Präposition räumlich getrennt steht, dann ist der Verzicht auf das Endungs-„n“ „erlaubt“. Im Falle der Länder aller Herren hat sich die ungebeugte Form durchgesetzt und gilt heute als Standard. Die Form mit -n ist veraltet. Veraltet heißt zwar nicht falsch, aber eben „nicht mehr allgemein üblich“.

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